Wien (OTS) – Die jüngsten Aussagen von Integrations- und
Familienministerin
Claudia Bauer (ÖVP) zur möglichen Abschaffung der Anrechenbarkeit des
Freiwilligen Sozialen Jahres als Zivilersatzdienst und damit der
Infragestellung der Sinnhaftigkeit von internationalen
Freiwilligeneinsätzen im Allgemeinen sorgen im Netzwerk WeltWegWeiser
für Irritation und entschiedenen Widerspruch. Die politische
Einordnung internationaler Freiwilligen- Friedens- Sozial- und
Umweltdienste als nachrangig und das Framing von Zivildienst als
Beitrag zur zivilen Landesverteidigung anstatt als ziviler
Gesellschaftsbeitrag, ist Besorgnis erregend und verkennt darüber
hinaus deren tatsächliche Wirkung als zentraler Bestandteil im
Bereich der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit.
Wirkung nach innen: Freiwilligeneinsätze sind im Kern
Entwicklungszusammenarbeit
Internationale Freiwilligeneinsätze sind kein Entspannungsurlaub,
sondern ein zentraler Baustein einer solidarischen und
zukunftsorientierten Gesellschaftspolitik. Das WeltWegWeiser-Netzwerk
versteht internationale Freiwilligeneinsätze als Bildungsauftrag. Sie
fördern demokratische Kompetenzen, stärken zivilgesellschaftliches
Engagement und wirken langfristig nach Österreich zurück. Dass
Qualität dabei oberste Priorität hat, zeigt auch die Übernahme der
vom WeltWegWeiser-Netzwerk entwickelten Qualitätsstandards durch das
Sozialministerium: Sie bilden einen verbindlichen Grundstein für
seriöse, gut begleitete und sinnstiftende
Auslandsfreiwilligeneinsätze. Die Organisationen im WeltWegWeiser-
Netzwerk entsenden zudem seit Jahrzehnten Freiwillige und bringen
umfassende Erfahrung in Vorbereitung, Begleitung und Nachbereitung
internationaler Einsätze ein.
„Der Gesetzgeber hat bewusst ermöglicht, Zivilersatzdienste auch
im Ausland zu leisten. Gerade in Zeiten multipler Krisen stärken
internationale Einsätze nicht nur globale Verantwortung, sondern
fördern langfristiges Engagement junger Menschen für Umwelt,
Gesellschaft und Demokratie – in Österreich und darüber hinaus.
Dieses Angebot zu erhalten heißt, die Zivilgesellschaft in Österreich
zu stärken: Internationale Einsätze motivieren, aktiv zu werden“,
heißt es aus dem WeltWegWeiser-Netzwerk.
Engagement im Ausland, das in Österreich ankommt
Internationale Freiwilligeneinsätze wirken aber nicht nur im
außen, sondern haben eine direkte Rückwirkung nach Österreich. Es
sind nicht nur junge Menschen, die von solchen internationalen
Freiwilligeneinsätzen profitieren, sondern die gesamte Gesellschaft.
Zahlreiche Studien und jahrzehntelange Praxiserfahrung zeigen: Ein
hoher Anteil ehemaliger internationaler Freiwilliger engagiert sich
später im sozialen oder pädagogischen Bereich, in
zivilgesellschaftlichen Organisationen oder ist ehrenamtlich tätig –
in Österreich, lange Zeit über den Einsatz hinausgehend. Diese
Wirkung ist messbar, nachhaltig und gesellschaftlich relevant.
Internationale Freiwilligeneinsätze schaffen somit Brücken statt
Grenzen und fördern aktiv globale Verantwortung statt nationaler
Engführung.
„Wir stellen uns als Netzwerk und aus langjähriger Erfahrung klar
gegen die getätigten Aussagen. Internationale Freiwilligeneinsätze
sind kein vernachlässigbares Nebenprodukt, sondern ein zentraler
Bestandteil der Entwicklungszusammenarbeit und damit gelebte globale
Solidarität. Sie bauen Brücken, stärken Zusammenhalt und wirken nach
innen: Die Einsätze motivieren Menschen in Österreich, Verantwortung
zu übernehmen und sich aktiv für eine offene, solidarische
Gesellschaft einzusetzen. Wir plädieren für eine differenzierte,
faktenbasierte Darstellung und dafür, den Wert dieser Einsätze
anzuerkennen. Wir müssen uns fragen in welcher Gesellschaft wir
zusammenleben wollen – in Österreich und weltweit. Das heißt im
Klartext: Wer Demokratieverständnis und globale Solidarität stärken
will, muss entsprechende Initiativen unterstützen“, so das
WeltWegWeiser-Netzwerk.
WeltWegWeiser ist ein Netzwerk aus 17 Organisationen, die sich
für qualitätsvolle und nachhaltige internationale
Freiwilligeneinsätze stark machen. WeltWegWeiser ist getragen von
Jugend Eine Welt Österreich – Don Bosco Entwicklungszusammenarbeit
und wird gefördert von der Austrian Development Agency (ADA), der
Agentur der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit.