Ukraine: Vier Jahre Krieg hinterlassen tiefe Spuren bei einer ganzen Generation

Wien (OTS) – Vier Jahre nach Beginn des russischen Angriffskriegs ist
die
humanitäre Lage in der Ukraine längst zu einer strukturellen
Dauerkrise geworden – mit besonders gravierenden Folgen für Kinder.
„Vier Jahre Krieg bedeuten für viele Kinder in der Ukraine ein ganzes
Leben in Angst. Für ein Kind ist das eine Ewigkeit“, betont Arman
Grigoryan, Leiter des World-Vision-Hilfseinsatzes in der Ukraine. Die
sichtbare Zerstörung von Gebäuden sei nur ein Teil der Realität. „Die
‚Schäden‘ an der psychischen Gesundheit nehmen leise zu, aber sie
werden die Gesellschaft noch lange prägen.“

Zerstörte Infrastruktur, anhaltende Unsicherheit, wiederkehrende
Stromausfälle und mehrfache Vertreibungen prägen den Alltag vieler
Kinder. Viele können wegen fehlender Elektrizität nicht am Online-
Unterricht teilnehmen, sie haben oft keinen Zugang zu Schutz- oder
Unterstützungsangeboten. Das liegt auch daran, dass viele Familien
seit Kriegsbeginn mehrfach vertrieben wurden – und jede erneute
Flucht bedeutet Schulwechsel, Verlust sozialer Bindungen und erneute
Destabilisierung.

Studien zeigen, dass ein erheblicher Teil der ukrainischen
Jugendlichen unter anhaltenden Schlafstörungen, Stresssymptomen oder
traumatischen Belastungen leidet. Fachleute warnen, dass unbehandelte
Traumata langfristige Auswirkungen auf Bildungsbiografien, soziale
Beziehungen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt haben können.

World Vision warnt deshalb vor einer ‚schleichenden
Normalisierung‘ der Krise: Der Krieg sei kein akuter Ausnahmezustand
mehr, sondern eine chronische Belastung, die stabile und langfristige
Unterstützung erfordere, vor allem im Bildungs- und psychosozialen
Bereich. Ohne verlässliche Finanzierung drohe sich der Schaden für
eine ganze Generation weiter zu verfestigen. Seit Beginn des Krieges
hat World Vision gemeinsam mit lokalen Partnern über 2,3 Millionen
Menschen in der Ukraine erreicht, darunter mehr als eine Million
Kinder.