Wien (OTS) – Der heute veröffentlichte Bericht des Rechnungshofs zur
Abschlussprüferaufsichtsbehörde (APAB) zeigt deutlichen Reformbedarf
bei Compliance, Unabhängigkeit und Transparenz. Für Nina Tomaselli,
Rechnungshofsprecherin der Grünen, ist klar: „Wenn bereits bei der
Aufsicht über Abschlussprüfer strukturelle Interessenkonflikte
bestehen, leidet das Vertrauen in das gesamte Prüfsystem.“
Abschlussprüfungen sind eine tragende Säule für das Vertrauen in
Unternehmen, Kapitalmärkte und den Wirtschaftsstandort. Investoren,
Banken, Geschäftspartner und die Öffentlichkeit müssen sich darauf
verlassen können, dass Jahresabschlüsse unabhängig, objektiv und frei
von Einflussnahmen geprüft werden.
Besonders kritisch sieht die Grüne Rechnungshofsprecherin das
derzeitige Verfahren bei Qualitätssicherungsprüfungen: „Wenn der zu
prüfende Abschlussprüfer selbst jene Prüfer vorschlagen kann, die ihn
kontrollieren sollen, ist ein ausreichend objektives Verfahren nicht
gewährleistet. Das öffnet Interessenkonflikten Tür und Tor.“
Solche strukturellen Abhängigkeiten schwächen nicht nur die
Prüfleistung, sondern auch das Prüfungsergebnis. „Wo wirtschaftliche
oder persönliche Nähe nicht klar ausgeschlossen ist, leidet die
Unabhängigkeit und damit die Qualität der Kontrolle“, betont
Tomaselli.
Der Rechnungshof weist zudem auf eine starke Konzentration bei
Qualitätssicherungsprüfer hin. Ein kleiner Kreis von Prüfer erhält
einen Großteil der Aufträge und Honorare. „Hohe Marktkonzentration
schafft Abhängigkeiten. Gerade im Bereich der Aufsicht brauchen wir
jedoch größtmögliche Distanz und Unabhängigkeit“, sagt Tomaselli.
Auch aufgezeigte Rollenkonflikte innerhalb der Aufsichtsstruktur
seien aus Sicht der Grünen problematisch und dringlich strukturell zu
bereinigen. „Die Ergebnisse über sanktionierte Fehlleistungen müssen
potentiellen Besteller:innen von Prüfer:innen auch transparent
zugänglich gemacht werden, ansonsten würden schwarze Schafe
unabsichtlich immer wieder bestellt.“
„Jetzt ist das Finanzministerium, das die Rechtsaufsicht hat,
gefragt“, bringt es Tomaselli auf den Punkt und fordert mit
Reformschritten keinesfalls zuzuwarten. „Gute Compliance ist kein
Nebenthema. Sie ist Voraussetzung für Vertrauen in die Prüfstruktur.
Der Rechnungshof hat klar aufgezeigt, wo es Reformbedarf gibt. Jetzt
ist die Politik gefordert, die notwendigen Konsequenzen zu ziehen“,
betont die Grüne Rechnungshofsprecherin.