Wien (OTS) – Familienministerin Claudia Bauer wünscht sich in einem
Interview mit
dem Standard vor allem eines: mehr Kinder – und dafür offenbar vor
allem mehr „Freude“ und ein bisschen mehr Vertrauen ins eigene
„G’spür“. Für Barbara Neßler, Familiensprecherin der Grünen, ist
diese Analyse allerdings ungefähr so hilfreich wie ein
Achtsamkeitsratgeber in der Budgetkrise: „Wenn die Familienministerin
jungen Frauen empfiehlt, sich bei der Familienplanung einfach mehr
auf ihr ,G’spür’ zu verlassen und sich stärker auf die ,schönen
Aspekte’ zu konzentrieren, dann klingt das weniger nach
Familienpolitik und mehr nach Kalenderspruch.“
Bauer blendet mit ihren Aussagen die Realität und Sorgen vieler
Menschen in diesem Land schlicht aus: „Die Realität sieht anders aus:
In Österreich fehlen weiterhin zehntausende Kinderbetreuungsplätze.
Ein flächendeckender Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung ab dem ersten
Geburtstag existiert noch immer nicht, und für viele Frauen ist die
Vereinbarkeit von Beruf und Familie nach wie vor ein täglicher
Kraftakt. Während die Ministerin mehr Leichtigkeit einfordert,
kämpfen Eltern mit Wartelisten, Teilzeitfallen, Einkommensverlust und
steigenden Lebenshaltungskosten“, so Neßler.
Neßler hält abschließend fest: „Wer wirklich möchte, dass sich
mehr Menschen für Kinder entscheiden, muss für stabile
Lebensverhältnisse sorgen: verlässliche Kinderbetreuung, faire
Aufteilung von Care-Arbeit und soziale Sicherheit. Wenn diese
Regierung statt Lebensweisheiten endlich Strukturpolitik liefern
würde, käme die Freude höchstwahrscheinlich ganz von selbst.“