„Parkinson kennt keine Pause“ – warum Patient:innen rasche Hilfe brauchen

Wien (OTS) – Rund 25.000 Menschen leben in Österreich mit Parkinson1.
Für viele
von ihnen kann der Alltag plötzlich zum Stillstand kommen: Beim
Arbeiten, beim Einkaufen oder im Gespräch mit anderen Menschen lässt
die Wirkung der Medikamente manchmal unerwartet nach – sogenannte OFF
-Phasen treten auf. Innerhalb weniger Minuten kehren Symptome wie
Bewegungsverlangsamung oder Zittern zurück. Moderne Therapieoptionen
können in solchen Situationen rasch helfen und Betroffenen mehr
Selbstständigkeit im Alltag ermöglichen. Im Vorfeld des Welt-
Parkinson-Tages am 11. April machen Expert:innen darauf aufmerksam,
wie stark die Erkrankung den Alltag beeinflussen kann – und warum
moderne Therapieoptionen wichtig sind und helfen können,
Beweglichkeit und Selbstständigkeit länger zu erhalten.

Zwtl.: Parkinson betrifft viele Menschen – oft mitten im Arbeitsleben

Parkinson wird häufig als Erkrankung des hohen Alters
wahrgenommen. Tatsächlich steigt das Risiko mit zunehmendem Alter,
doch viele Betroffene erkranken deutlich früher – oft zwischen 40 und
60 Jahren2. Damit trifft Parkinson viele Menschen in einer Phase, in
der sie beruflich besonders aktiv sind oder Verantwortung für Familie
und Angehörige tragen. „Viele Patientinnen und Patienten stehen zum
Zeitpunkt der Diagnose noch mitten im Berufsleben“ , erklärt Assoz.
Prof. Petra Schwingenschuh, Vizepräsidentin der Österreichischen
Parkinson Gesellschaft und Leiterin der Ambulanz für
Bewegungsstörungen an der Medizinischen Universität Graz. „Die
Erkrankung betrifft daher nicht nur die Gesundheit, sondern häufig
auch Arbeit, Familie und soziale Teilhabe.“

Zwtl.: Wenn der Beruf plötzlich nicht mehr möglich ist

Parkinson kann besonders dort zum Problem werden, wo Feinmotorik,
Beweglichkeit oder Konzentration gefragt sind. Viele Betroffene
müssen ihre berufliche Tätigkeit früher aufgeben als geplant.
Parkinson Nurse Sigrid Zimmermann, die mehrere Jahrzehnte
Patient:innen betreut hat, erinnert sich etwa an einen
Klarinettenlehrer, der leidenschaftlich Musik unterrichtete. „Durch
die zunehmenden Probleme mit der Feinmotorik konnte er sein
Instrument irgendwann nicht mehr spielen – und musste seinen Beruf
aufgeben“ , erzählt Zimmermann. Solche Situationen sind für viele
Betroffene eine große Herausforderung. Manche reduzieren ihre
Arbeitszeit, andere gehen früher in Pension als geplant. Auch im
Alltag entstehen neue Herausforderungen – von der Organisation der
Medikamenteneinnahme bis zur Bewältigung von
Bewegungseinschränkungen.

Zwtl.: Mehr als Zittern – das Krankheitsbild von Parkinson

Parkinson ist eine chronische neurologische Erkrankung, bei der
Nervenzellen im Gehirn nach und nach zugrunde gehen und dadurch
weniger Dopamin produzieren – ein Botenstoff, der für die Steuerung
von automatisierten Bewegungen entscheidend ist3. „In der
öffentlichen Wahrnehmung wird Parkinson oft auf das Zittern
reduziert“ , sagt Schwingenschuh. „Tatsächlich kann die Erkrankung
eine Vielzahl von motorischen und nicht-motorischen Symptomen
verursachen, die den Alltag der Betroffenen stark beeinflussen.“
Neben Bewegungsproblemen können auch Angststörungen, Depression,
Schlafstörungen, Schmerzen und meist eine verminderte
Geruchswahrnehmung auftreten.

Zwtl.: Wenn Medikamente plötzlich nicht mehr wirken

Der Goldstandard der Parkinson-Therapie ist seit vielen
Jahrzehnten die Behandlung mit Levodopa4, das im Körper
metabolisiert, den Dopaminmangel im Gehirn ausgleicht. Im Verlauf der
Erkrankung kann es jedoch zu sogenannten Wirkungsschwankungen5
kommen. Dann treten OFF-Phasen auf – Zeiten, in denen Parkinson-
Symptome trotz Therapie plötzlich wieder stärker werden. „Viele
Patientinnen und Patienten beschreiben OFF-Phasen wie einen
Lichtschalter“ , erklärt Zimmermann. „Gerade noch funktioniert alles
– und plötzlich kehren die Symptome in voller Stärke zurück.“ Solche
Phasen können mitten im Alltag auftreten – etwa beim Aufstehen, in
der Arbeit, beim Einkaufen oder im Gespräch mit anderen Menschen.

Zwtl.: Bedarfstherapie: rasche Hilfe bei OFF-Phasen

Genau hier setzen Bedarfstherapien an. Sie werden eingesetzt,
wenn plötzlich Symptome auftreten und rasch Hilfe benötigt wird.
Diese sogenannten On-Demand-Therapien6 wirken zuverlässiger als
klassische Tabletten, weil sie den Magen-Darm-Trakt umgehen. „Wenn
Symptome plötzlich auftreten, brauchen Patientinnen und Patienten
eine Therapie, die schnell und verlässlich wirkt“ , erklärt
Schwingenschuh. „Solche Bedarfstherapien können helfen, OFF-Phasen
rasch zu durchbrechen und damit den Alltag wieder planbarer zu
machen.“ Gerade für Menschen im Berufsleben oder im Alltag kann das
entscheidend sein – etwa, wenn eine OFF-Phase plötzlich beim
Einkaufen, auf dem Weg zur Arbeit oder beim Sport auftritt.

Zwtl.: Versorgung verbessern: Bedarf an mehr spezialisierter
Betreuung

Neben modernen Therapien spielt auch die Betreuung im Alltag eine
entscheidende Rolle. Parkinson Nurse Sigrid Zimmermann betont die
zentrale Bedeutung spezialisierter Pflegekräfte: „Parkinson ist eine
komplexe Erkrankung, die Betroffene und Angehörige oft über viele
Jahre begleitet. Umso wichtiger sind speziell ausgebildete Parkinson
Nurses, die im Alltag unterstützen und Orientierung geben.“
Gleichzeitig sieht sie in Österreich deutlichen Handlungsbedarf: „Das
Angebot ist grundsätzlich vorhanden, jedoch fehlen häufig die
finanziellen und zeitlichen Ressourcen, die für eine
berufsbegleitende Weiterbildung notwendig wären – sowohl im
Spitalsbereich als auch in Wohn- und Pflegeheimen sowie in
Sozialsprengeln.“ Darüber hinaus weist Zimmermann auf strukturelle
Herausforderungen im Versorgungssystem hin: „Wir sehen eine
finanzielle Versorgungslücke – innovative Therapien werden oft nicht
ausreichend erstattet, und auch in der Betreuung von Patient:innen
fehlen die notwendigen Ressourcen.“

Zwtl.: Mehr Forschung für eine wachsende Herausforderung

Auch aus wissenschaftlicher Sicht sehen Expert:innen
Handlungsbedarf. Die Zahl der Parkinson-Erkrankungen steigt weltweit
– unter anderem weil die Menschen immer älter werden. Gleichzeitig
gewinnt die Hirngesundheit zunehmend an Bedeutung für die
Gesellschaft. „Neurologische Erkrankungen werden in den kommenden
Jahren noch stärker in den Fokus rücken“ , sagt Schwingenschuh.
„Deshalb braucht es auch mehr öffentliche Investitionen in die
Parkinson-Forschung.“ Ziel sei es, die Ursachen der Erkrankung besser
zu verstehen und langfristig neue Therapieansätze zu entwickeln. „Wir
brauchen mehr Forschungsgelder, um die unterschiedlichen Ursachen von
Parkinson besser zu verstehen Frühstadien sicher zu identifizieren
und neue Behandlungsstrategien zu entwickeln“ , betont
Schwingenschuh.

Zwtl.: Forschung gibt Hoffnung

Obwohl Parkinson derzeit noch nicht heilbar ist, arbeitet die
Forschung weltweit intensiv an neuen Therapieansätzen. „Die
Fortschritte der letzten Jahre zeigen, dass wir die Erkrankung immer
besser verstehen“ , erklärt Univ.-Prof. Werner Poewe, emeritierter
Leiter der neurologischen Universitätsklinik der Medizinischen
Universität Innsbruck und Leiter aktuell laufender internationaler
Parkinson Studien an der Medizinischen Universität Innsbruck. „Unser
Ziel ist es, die Behandlungsmöglichkeiten weiter zu verbessern und
die Lebensqualität der Betroffenen langfristig zu erhalten.“