Wien (OTS) – – Für Interviews im Libanon: Magdalena Penninger,
Delegationsleiterin
des Österreichischen Roten Kreuzes in Beirut (Deutsch)
„Die steigenden Sprit- und Gaspreise sind für unzählige Menschen in
Österreich eine massive Belastung. Viele wissen aber nicht, dass die
Blockade und Angriffe an der Straße von Hormus auch drastische Folgen
für die Lebensmittelversorgung in den ärmsten Regionen der Welt
haben. Weil etwa Düngemittel nicht geliefert werden können, drohen
Millionen Menschen vor allem in Ostafrika katastrophale
Ernteausfälle. Zentrale Lieferwege von Dubai, einem der weltweit
wichtigsten Drehkreuze für Hilfsgüter, sind blockiert und daher
lebenswichtige Hilfslieferungen unterbrochen. Laut dem
Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen könnte die Zahl der
hungernden Menschen weltweit um 45 Millionen ansteigen, wenn der
Konflikt weiter andauert“, warnt Gerald Schöpfer, Präsident des
Österreichischen Roten Kreuzes (ÖRK).
Mehr dazu: The IFRC warns of the impact of the conflict in the
Middle East: Moving humanitarian goods is becoming more expensive and
slower | IFRC
Schöpfer weiter: „Gleichzeitig werden Entsalzungsanlagen gezielt
angegriffen, Wasserinfrastruktur zerstört. Die Menschen haben Angst!
Ohne Entsalzungsanlagen, die Meerwasser umwandeln, gibt es kein
Trinkwasser. Auch Krankenhäuser, Landwirtschaft oder Industrie sind
ohne ausreichend Wasser gefährdet. Humanitäre Organisationen wie das
Rote Kreuz können kurzfristig mit Wasserlieferungen aushelfen, aber
die langfristigen humanitären Folgen sind katastrophal!“
Rotes Kreuz und Roter Halbmond helfen vor Ort
Die Österreichische Bundesregierung unterstützt die Rotkreuz-
Hilfe in den Krisenregionen des Nahen Ostens und in Afrika mit 8,5
Millionen Euro aus dem Auslandskatastrophenfonds, davon gehen 8
Millionen Euro an das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK)
und 500.000 Euro an die Internationale Föderation der Rotkreuz- und
Rothalbmondgesellschaften (IFRC) für die Hilfe in der Region um
Libanon, Syrien, Gaza, Afghanistan und Nachbarländer sowie Sudan und
Nachbarländer. „Damit können unsere Kolleginnen und Kollegen vor Ort
ihre lebensrettende Hilfe fortsetzen, sie kommt direkt bei den
Menschen in Not an – vielen Dank!“, zeigt sich Schöpfer erfreut.
– Libanon : Mehr als 1 Million Menschen sind auf der Flucht. Das
Libanesische Rote Kreuz hilft mit Notunterkünften – bisher wurden 645
Unterkünfte errichtet, in denen 134.000 Menschen untergebracht sind –
, Hilfsgütern oder medizinischer Versorgung der Verletzten. 13.000
Freiwillige helfen, Leben zu retten und weitere Notunterkünfte zu
errichten. 15 der als Notunterkünfte genutzten Schulen hat das ÖRK
mit Mitteln aus dem Auslandskatastrophenfonds mit Reparaturen, Wasser
und Sanitäranlagen unterstützt. Mit flexiblen ADA-Mitteln werden
weitere Notunterkünfte versorgt.
– Iran : Seit Beginn des Konfliktes wurden mehr als 2.000 Menschen
getötet, bis zu 3,2 Millionen Menschen sind auf der Flucht. 82.000
zivile Einrichtungen wurden bisher beschädigt oder zerstört, darunter
498 Schulen. 8.000 Mitarbeiter:innen des Iranischen Roten Halbmondes
sind täglich im Einsatz, um Verschüttete zu retten, Verletzte in den
Spitälern des Iranischen Roten Halbmondes zu behandeln, Vertriebene
zu versorgen.
– Gaza : Über den einzigen geöffneten Grenzübergang gelangt nur ein
Drittel der notwendigen Lkw mit Hilfsgütern ins Land. Treibstoff, der
auch für die Rettungsdienste des Palästinensischen Roten Halbmonds (
PRCS) essenziell ist, und Nahrungsmittel sind kaum verfügbar. Seit
Beginn des Konfliktes sind die Mehlpreise in Gaza um 270 Prozent
gestiegen. PRCS ist trotz schwierigen Zugangs 24/7 mit
Rettungsdiensten im Einsatz, verteilt Hilfsgüter oder betreut
Binnenvertriebene in Notunterkünften. Für das Rotkreuz-Feldspital in
Rafah hat das ÖRK eine Wasseraufbereitungsanlage für sauberes
Trinkwasser gestellt. Siehe auch: Rotes Kreuz im Libanon: „Mehr als 1
Million Menschen auf der Flucht sind von sicherer Wasserversorgung
abgeschnitten!“
– Syrien : Der Syrisch-Arabische Rote Halbmond ist vor allem in der
Grenzregion tätig und versorgt Geflüchtete. Bisher sind 135.000
Menschen aus dem Libanon nach Syrien geflüchtet.
Auch in allen anderen Ländern der Region – darunter Israel,
Afghanistan, Türkei – sind die Teams des Roten Kreuzes und Roten
Halbmondes im Einsatz: Versorgung von Verletzten, psychosoziale
Unterstützung, Betreuung von Geflüchteten, Hilfsgüterverteilung,
Vorbereitungen auf Fluchtbewegungen. Der Suchdienst des ÖRK hilft bei
der Übermittlung von Nachrichten aus Österreich in die Region, um den
Kontakt zwischen Familien herzustellen.
„Gezielte Angriffe auf zivile Infrastruktur können
Kriegsverbrechen darstellen!“
ÖRK-Präsident Schöpfer mahnt: „Entsalzungs- oder Stromanlagen
sind zivile Infrastruktur, genau wie Krankenhäuser oder Schulen.
Gezielte Angriffe darauf können Kriegsverbrechen darstellen! Ich
erinnere: Nach dem Humanitären Völkerrecht sind Zivilbevölkerung,
zivile Objekte und humanitäre Organisationen von allen
Konfliktparteien zu schützen. Humanitäre Hilfe muss zugelassen
werden, Hilfsgüterlieferungen gewährleistet!“
Hier unterschreiben: Petition zur Einhaltung des Humanitären
Völkerrechts
Das Rote Kreuz bittet dringend um Spenden:
Österreichisches Rotes Kreuz
IBAN: AT57 2011 1400 1440 0144
BIC: GIBAATWWXXX
Erste Bank: BLZ 20.111
Kennwort: Naher Osten
Oder online unter wir.roteskreuz.at/naher-osten
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