Brüssel (OTS) – Nachdem die EU-Kommission gestern neue
Energiesparmaßnahmen
vorgeschlagen hat, fordert die grüne Europaabgeordnete Lena Schilling
gemeinsam mit 20 weiteren grünen Abgeordneten ein temporäres EU-
weites Flugverbot für Privatjets. In einem Schreiben an
Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Verkehrskommissar
Apostolos Tzitzikostas verlangen sie konkrete Maßnahmen zur
Einschränkung besonders klimaschädlicher Luxusmobilität.
„Während sich Millionen Menschen fragen, wie sie sich den Weg zur
Arbeit noch leisten sollen, starten Privatjets weiter, als wäre
nichts passiert. Das zeigt klar, wer in dieser Krise zahlen soll und
wer nicht“, kritisiert die grüne Europaabgeordnete Lena Schilling.
„Energiekrisen treffen immer zuerst die Schwächsten am härtesten.
Das hat nichts mit Solidarität zu tun, sondern ist schlicht
ungerecht. Gleichzeitig bleiben besonders ressourcenintensive Formen
wie Privatjets weitgehend unangetastet. Das ist weder konsistent noch
gerecht. Wenn wir in Europa Kerosin sparen wollen, müssen wir dort
ansetzen, wo der Verbrauch pro Kopf am höchsten ist: bei den
Superreichen und ihren Privatjets“, so Schilling.
„Wenn es der Kommission ernst ist mit dem Energiesparen, dann
muss sie alle Teile der Gesellschaft in die Pflicht nehmen. Krisen
sind ein Stresstest für Gerechtigkeit. Wenn wir die Vielen zahlen
lassen, während die Reichsten weitermachen wie bisher, verlieren wir
die Unterstützung der Menschen für die notwendige Transformation“, so
Schilling abschließend.
Die grünen Europaabgeordneten fordern ein temporäres EU-weites
Verbot von Privatjetflügen für nicht essenzielle Reisen,
Einschränkungen für Ankünfte und Betankung von Privatjets aus Nicht-
EU-Staaten sowie klare Ausnahmen ausschließlich für medizinische,
humanitäre und staatlich notwendige Flüge.
Zudem fordern sie, diese Maßnahmen in den Maßnahmenkatalog der
Kommission zur Energieeinsparung aufzunehmen, der beim informellen
Treffen der EU-Energieminister:innen am 13. Mai in Zypern vorgestellt
werden soll.
Hintergrund:
Die Blockade der Straße von Hormus hat den stärksten Anstieg der
Ölpreise seit dem russischen Angriff auf die Ukraine ausgelöst.
Europaweit steigen die Spritpreise deutlich, eine Tankfüllung Diesel
kostet aktuell rund 30 Euro mehr. Gleichzeitig steht der kommerzielle
Flugverkehr unter Druck, mit Hunderten erwarteten Flugausfällen im
Sommer. Dennoch bleibt eine der klimaschädlichsten und sozial
ungerechtesten Mobilitätsformen, Privatjets, weiterhin praktisch
unreguliert. Privatjets verursachen pro Passagier bis zu 20- bis 30-
mal mehr Emissionen als Flüge in der Economy Class, die ihrerseits
deutlich klimaschädlicher sind als Bahnreisen, insbesondere unter
Berücksichtigung von Nicht-CO2-Effekten. 2022 waren 55 Prozent aller
Privatjetflüge in Europa kürzer als 750 Kilometer und hätten durch
Zugfahrten ersetzt werden können. Das durchschnittliche Vermögen von
Privatjet-Besitzern liegt bei rund 1,3 Milliarden Euro.