Wien (OTS) – Schon im Kleinkindesalter beginnen wir, spielerisch die
Welt zu
erschließen: brabbelnd, saugend, tastend, Grenzen auslotend. Doch ein
Leben lang hören wir nicht auf zu spielen: Jeder Mensch nimmt mehrere
Rollen ein, ist immer mehr als nur eine Person. Beim Spieleabend im
Freundeskreis wird soziale Interaktion fernab des Alltags geübt;
Cosplayer erschaffen sich offene Spielräume und neue Identitäten; und
auf der Bühne kann Spiel zur großen Kunst werden. In der „dokFilm“-
Premiere „Humo ludens – Warum wir spielen“ am Sonntag, dem 17. Mai
2026, um 23.05 Uhr in ORF und auf ORF ON nähern sich die Filmemacher
Stefan Wolner und Anna Katharina Wohlgenannt dem Thema Spiel aus
kultureller, psychologischer und soziologischer Perspektive und
wählen zudem einen philosophischen Zugang. Beleuchtet werden
individuelle wie auch gesamtgesellschaftliche Verhaltensweisen, die
hinter der Faszination des Spielens stecken. Die Doku beleuchte das
Rollenspiel auf offener Bühne ebenso wie im allerintimsten Bereich,
geht dem ungebrochenen Boom an Gesellschaftsspielen nach und wirft
auch einen Blick auf die Gaming-Szene. Zu Wort kommen u. a.
Spieleforscher:innen und -entwickler, Cosplayer und
Schauspieler:innen.
Mehr zum Inhalt:
Warum spielen Menschen – Erwachsene nicht weniger als Kinder? Die
Rollen, in die der Mensch schlüpft, um in unterschiedlichen sozialen
Konstellationen bestehen zu können, mögen mitunter zur Bürde werden.
Doch gerade im Spiel finden man auch Entlastung: Wiewohl Arno
Steinwendner das gemeinschaftliche Erlebnis in der analogen Welt –
egal, ob im Kaffeehaus beim Schach- und Kartenspiel oder beim
Brettspieleabend zu Hause – eindeutig lieber ist als stundenlanges
Starren in Bildschirme. Steinwendner ist ein Spieleautor aus Wien,
vielfach wurde er für die von ihm entwickelten Gesellschaftsspiele
ausgezeichnet. In seiner Werkstatt im Keller skizziert und
experimentiert er, druckt Prototypen von Spielfiguren mit dem 3D-
Drucker aus und testet sie dann mit Kolleginnen und Kollegen in der
Praxis: „Das stärkste Argument für Gesellschaftsspiele ist für mich
die Beschäftigung mit anderen Menschen, mit Mitmenschen“.
Auch für die 19-jährige Lilith ist das Miteinander ein
wesentliches Motiv für ihr Hobby: Cosplay kommt aus Japan und ist von
Manga, Anime, Film und Videospiel inspiriert. Gemeinsam mit
Freundinnen entwirft und schneidert Lilith Kostüme, die dann vor dem
passenden Hintergrund für Fotoshootings inszeniert werden. Es ist ein
Spiel mit Identitäten, das neue Kommunikationsebenen ermöglicht.
Soziologin Korinna Lindinger verweist auf den größeren Kontext:
„Kinder und Jugendliche von heute, die wachsen in eine andere Welt
hinein, in eine Welt mit viel hybrideren Räumen.“ Die Welt
buchstäblich zu begreifen lernen, vom Ich zum Du zu gelangen, all das
sei nur spielerisch möglich, sagt Ludologe Jens Junge: „Der Mensch
spielt, weil es ein Naturtrieb ist.“
Das Kleinkind, das alles, was es umgibt, zu ertasten, erschmecken
oder verbiegen versucht, tritt so in einen Dialog mit der Welt.
Spielen erfordert Mut, zumal wenn es vor den Augen vieler anderer
geschieht, findet Steffen Jäger, Professor für Rollengestaltung am
Wiener Max Reinhardt-Seminar. Wenn Schauspieler:innen glaubhaft
machen, sie seien etwa Rivalinnen oder Liebende, und dabei Intimität
herstellen, gehe das nicht ohne Courage. Großes Schauspiel macht die
Gefühle der dargestellten Figuren völlig transparent. So stehen
Akteurinnen und Akteure wohl im Kostüm auf der Bühne – doch wollen
sie wahrhaftig sein, sind sie dabei gleichsam nackt.