Linz/Potsdam (OTS) – Stahl ist das Rückgrat der Industrialisierung –
und zugleich einer
der größten Treiber der Klimakrise. Eine neue Studie von Forschenden
der Interdisciplinary Transformation University (IT:U) und des
Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) zeigt:
Schwellenländer in Asien stehen vor einer richtungsweisenden
Entscheidung zwischen kohlebasierten Hochöfen und grüner
Stahlproduktion. Wählen sie den fossilen Pfad, droht ein
jahrzehntelanger Emissions-Lock-in, der globale Klimaziele gefährdet.
„Wenn es wieder zu einem Kohle-Boom kommt wie in vielen
Industrieländern und zuletzt in China, rutschen unsere Klimaziele
außer Reichweite. Wird der derzeitige Trend nicht gestoppt, könnte
kohlebasierte Stahlproduktion allein 20 Prozent des verbleibenden
globalen CO₂-Budgets beanspruchen“, sagt Falko Ueckerdt, Professor
für Energy Transition and Climate Futures an der IT:U in Linz und
Gastforscher am PIK in Potsdam.
Zwtl.: Globale Weichenstellung mit Folgen für das 1,5-Grad-Ziel
Die Forschenden modellieren weltweite Wirtschafts-, Energie- und
Industriesysteme und zeigen: Aktuelle Ausbaupläne sind überwiegend
kohlebasiert. Damit befinden sie sich im Widerspruch zu den Zielen,
die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Stahlwerke laufen
jahrzehntelang, neue Kohleanlagen würden Emissionen auf Jahrzehnte
festschreiben. Länder wie Indien, Vietnam oder Indonesien stehen
aktuell vor der Wahl: klassischer Hochofen mit Kohle – oder grüne
Energie mit Direktreduktion und Wasserstoff.
Zwtl.: Österreichischer Beitrag zu globaler Innovationskraft
Unternehmen wie voestalpine und Primetals Technologies treiben
grüne Stahlpfade bereits voran. Ein Hebel für Partnerschaften mit
aufstrebenden Märkten: „Wenn wir zeigen, dass diese Ansätze im
industriellen Maßstab funktionieren, beschleunigt das das globale
Lernen, Innovation und Vertrauen in die neuen Technologien“, betont
Ueckerdt. Wissensaustausch, Pilotprojekte und technische
Kooperationen können klimafreundliche Verfahren schneller marktfähig
machen. Wenn internationale Klimafonds und bilaterale Programme
zusätzlich die Mehrkosten grüner Verfahren überbrücken und den Aufbau
von Infrastrukturen absichern, können aufstrebende Volkswirtschaften
Wachstum und Klimaschutz vereinen.