vida-Eberhart zu Vision T: Statt Lohndumping mit Rot-Weiß-Rot-Karte Arbeitskräftepotenzial im Inland abholen

Wien. (OTS) – Eva Eberhart, Vorsitzende des Fachbereichs Tourismus in
der
Gewerkschaft vida, ist grundsätzlich erfreut, dass die
Bundesregierung eine Vision zur Weiterentwicklung des
österreichischen Tourismus in Richtung Ganzjahrestourismus und somit
mehr Ganzjahresbeschäftigung hat. Allerdings hätte sich Eberhart von
der vom Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus (
BMWET) präsentierten Vision T eine stärkere Fokussierung auf die
Situation der in der Branche Beschäftigten und ihre tatsächlichen
Arbeits- und Lebensbedingungen, die von niedrigen Löhnen und
zahlreichen Überstunden an Wochenenden und in der Nacht geprägt sind,
gewünscht. Man dürfe sich daher auch nicht wundern, wenn es ein
mangelndes Interesse der Menschen an einer Arbeit im Tourismus gebe,
fügt die vida-Gewerkschafterin hinzu.

Es sei in der Vision T zwar die Rede von sinnstiftenden
Tätigkeitsfeldern, lebensphasengerechten Arbeitsplatzmodellen und
moderner Berufsausbildung zur Gewinnung von Mitarbeiter:innen.
Eberhart vermisst von Tourismusstaatssekretärin Zehetner aber einen
Fahrplan, wie dies konkret in welchem Zeitraum erreicht werden
können. „Schöne Worte allein werden die Branche für die Beschäftigten
nicht attraktiver machen“, sagt die vida-Gewerkschafterin. Hohle
Phrasen wie „Authentizität, Flexibilität und Herzlichkeit seien
Ausdruck höchster Servicequalität“ bzw. „Mitarbeiter:innen erleben
ihre Tätigkeiten als sinnstiftend“, habe man in der Vergangenheit
schon zu genüge von verantwortlicher Politiker:innen und der
Wirtschaftskammer (WKÖ) gehört. „Man darf daher gespannt sein, wie
Zehetner etwa Service- oder Küchenkräfte mit Automatisierung und
Digitalisierung von Routinetätigkeiten entlasten will.“

Wenn die Tourismusstaatssekretärin den Anspruch erhebt, dass die
Branche mehr denn je als attraktive Arbeitgeberin überzeugen müsse,
dann sei dies selbstverständlich zu begrüßen. Dabei von
lebensphasengerechten Arbeitsplatzmodellen mit verlässlich planbarer
Freizeit und flexiblen Arbeitszeiten zu sprechen und einen
wertschätzenden Umgang mit Beschäftigten zu fordern, das sei wahrlich
nichts Visionäres, wundert sich Eberhart: „Die Gewerkschaft vida
fordert dies seit Jahren bei den Kollektivvertragsverhandlungen.“

„Von Wertschätzung allein, kann allerdings niemand seine
Rechnungen bezahlen. Die Arbeitgeber bieten aktuell nur 3 Prozent
Lohnerhöhung. Angesichts einer steigenden Inflation, die aktuell bei
3,7 Prozent liegt und Einstiegslöhnen in der Branche, die brutto
knapp über 2.000 Euro liegen, mutet es wie eine Verhöhnung an, wenn
hier von Wertschätzung gesprochen wird“, ist die vida-
Gewerkschafterin empört und fügt hinzu: „Wenn Zehetner meint, der
Tourismus ist der Pulsschlag der Regionen, dann muss man ergänzen,
dass die Beschäftigten im Tourismus das Blut in seinen Adern sind und
die Wirtschaftskammer derzeit an ihrem Aderlass arbeitet.“

„Nur durch den großen Einsatz und Fleiß der Beschäftigten ist der
Tourismus nach der Pandemie wieder als ein österreichischer
Wirtschaftsmotor erstarkt“, so Eberhart weiter. Tatsächlich konnten
in den letzten Jahren auch einige Verbesserungen bei den
Arbeitsbedingungen und längst überfällig gewesen Anpassungen u.a. bei
den nicht gerade üppigen Einstiegslöhnen von den Sozialpartnern
erreicht werden.

„Was sollen sich die Beschäftigten aber denken, wenn die
Bundesregierung als Dank für deren großen Einsatz schon seit Jahren
zum kurzsichtigen Mittel greife, Arbeitskräftemangel mit billigen und
leicht erpressbaren Arbeitskräften zu kompensieren?“, kritisiert
Eberhart etwa zusätzliche Saisonnier-Kontingente aus dem Westbalkan
oder über die Rot-Weiß-Rot-Karte ins Land geholte Arbeitskräfte aus
Drittstaaten. Es sei jedenfalls entlarvend, wenn in diesem
Zusammenhang in der Vision T von Beschleunigen und Entbürokratisieren
im Zusammenhang mit Arbeitskräften aus Drittstaaten die Rede sei.

Die verheerenden Folgen der Rot-Weiß-Rot-Karte seien Lohndruck,
prekäre Bedingungen und ein dauerhafter Personalverschleiß in der
Branche. Die Not von Menschen aus Billiglohnländern auszunutzen und
sie für die Saisonarbeit anzuwerben, mache die Tourismusbranche für
interessierte heimische Arbeitsuchende nur noch unattraktiver. Ebenso
würden auch Lehrstellensuchende dann keine guten Angebote und
Bedingungen vorfinden. Trotz steigender Jugendarbeitslosigkeit gebe
es im Tourismus heutzutage weniger Lehrlinge als vor der Pandemie, so
die vida-Gewerkschafterin.

Dabei könnte die Gastronomie und Hotellerie auf ein größeres
heimisches Arbeitskräftepotenzial zurückgreifen als viele andere
Branchen: Im Jahr 2025 waren im Jahresdurchschnitt österreichweit
rund 34.900 Personen (nach AMS-Definition) im Beherbergungsgewerbe
und der Gastronomie arbeitslos gemeldet. Im Vergleich zu 2024 ist
dies ein erneuter Anstieg von 12,7 auf 13,2 Prozent. Laut Eberhart
ist das ein alarmierendes Signal, denn es seien bereits genug
interessierte Arbeitskräfte am heimischen Arbeitsmarkt verfügbar.
Diese müssten nur in Österreich und in der EU mit den richtigen
Angeboten abgeholt werden. „Das kann gelingen, wenn der Tourismus als
interessanter Berufszweig auch langfristige Perspektiven bietet. Gute
Arbeitsbedingungen und entsprechendes finanzielles Auskommen würden
nicht nur den Beschäftigten, sondern der Branche und ihrer
Attraktivität insgesamt einen großen Dienst erweisen“, bekräftigt
Eberhart abschließend.