Salzburg lässt Tauben verhungern: VGT bringt Strafanzeige ein

Wien (OTS) – In Basel wurde der Bruterfolg der dortigen Tauben von
Wissenschafter:innen über 8 Jahre hinweg verfolgt. 1 Nach 4 Jahren
kam es zu einem Ende der Fütterungen und das Überleben der Jungtauben
nach dem Schlupf ist von 80 % auf 40 % zurück gegangen. 2 Salzburg
hat keine Taubenschläge und dennoch ein Fütterungsverbot, das
momentan mit fanatischer Energie verfolgt wird. Taubenplätze werden
auch in der Nacht überwacht, wer beim Füttern erwischt wird, muss mit
Kosten von mehreren tausend Euro rechnen: Strafverfügungen wegen
Übertretung des Fütterungsverbots und des Abfallwirtschaftsgesetzes (
obwohl keine Nahrungsreste nach dem Füttern übrig bleiben) werden mit
Zivilklagen auf Unterlassung kombiniert. Der VGT hat die Verteidigung
einer dieser betroffenen Personen übernommen. Zusätzlich hat der VGT
jetzt eine Strafanzeige wegen Tierquälerei gegen die Stadt Salzburg
eingebracht: wer vorsätzlich Tiere verhungern lässt, die in seiner
Obhut sind, wie Stadttauben, die ausgesetzte Haustiere sind und sich
nicht selbst versorgen können, macht sich nach § 222 Strafgesetzbuch
strafbar! Neben der wissenschaftlichen Studie aus Basel, die die
Tierquälerei einwandfrei beweist, hat die ARGE Stadttauben auch
bereits mindestens 5 verhungerte Jungtauben gefunden und obduziert.
Die Tierquälerei und die Schuld der Stadt sind damit zweifelsfrei
belegt.

Zwtl.: Die Anzeige

VGT-Obperson DDr. Martin Balluch kennt die Taubenproblematik aus
eigener Erfahrung: „Ein Fütterungsverbot, um die
Stadttaubenpopulation zu reduzieren, ist wie ein Fütterungsverbot, um
die Streunerkatzenpopulation zu reduzieren. In beiden Fällen handelt
es sich um hilflose Tiere, die von Fütterungen abhängig sind, und
deren Jungtiere bei einem derartigen Verbot verhungern. Tauben suchen
nach der Basler Studie im Umkreis von maximal 300-2000 m um ihr Nest
die Nahrung für ihre Kinder. In einer Großstadt wie Salzburg kämen
sie da gar nicht bis in die Natur, selbst wenn sie in der Lage wären,
dort Nahrung zu finden. Wichtig ist auch, dass Tauben artgemäßes
Futter bekommen und nicht am Müllplatz nach inadäquater Nahrung
suchen müssen. Bei Hochzeiten und Brieftaubenrennen werden auch heute
noch in Österreich ständig Tauben aus menschlicher Haltung
ausgesetzt, von denen viele nicht zurückfinden und sich in die
Stadttaubenpopulationen eingliedern. Diese Tauben sind also nicht
Streunertiere in x-ter Generation, sondern Tiere, die gerade erst ihr
Zuhause verloren haben. Wie sollen sich diese Tauben ohne Nahrung
zurecht finden? Es ist für ein Land mit Tierschutz als Staatsziel in
der Bundesverfassung unerträglich, dass man Jungvögel gezielt und
vorsätzlich verhungern lässt, und dazu noch jene tierliebenden
Menschen, die den Tauben artgerechtes Futter bringen, mit Geldstrafen
und teuren Zivilklagen terrorisiert. Wir erwarten, dass die
Staatsanwaltschaft jetzt einschreitet und dieser Tierquälerei ein
Ende bereitet.“

(1) Haag-Wackernagel, Daniel: Food shortage affects reproduction
of Feral Pigeons Columba livia at rearing of nestlings, in: IBIS (
International Journal of Avian Science) 158, 2016

(2) vgl. ebd., Abb. 1 (Food shortage affects reproduction of Feral
Pigeons Columba livia at rearing of nestlings), Tab. (e)