Salzburg/Wien (OTS) – Rafaela Kraus ist Professorin für Unternehmens-
und
Personalmanagement an der Universität der Bundeswehr München und eine
der europaweit führenden Expertinnen für Entrepreneurship, Innovation
und Technologietransfer im Verteidigungs- und Sicherheitsbereich. Als
solche war sie Gastrednerin auf der Matinee 2026 der Deutschen
Handelskammer in Österreich (DHK) in der Residenz zu Salzburg.
Zwtl.: Zeitenwende als Industriemoment
In der Festrede von Rafaela Kraus ging es um die aktuelle
Weltlage, die nicht nur als militärischer, sondern auch als gesamt-
wirtschaftlicher, technologischer und gesellschaftlicher Wendepunkt
zu verstehen sei. Rafaela Kraus: „Die regelbasierte Weltordnung
weicht einer Interessen- und machtbasierten Ordnung. Die USA und
China richten ihre wirtschaftliche und technologische Macht
strategisch aus. Und Europa sucht noch nach einer eigenen,
hinreichend klaren Antwort.“ Dabei geht es für Kraus jetzt um die
Frage, „welche Volkswirtschaften in Zukunft die Fähigkeiten besitzen,
Sicherheit, technologische Souveränität und wirtschaftliche
Wertschöpfung zugleich hervorzubringen.“
Auch Gastgeber und DHK Präsident Hans Dieter Pötsch verwies in
seinen Eröffnungsworten auf den Krieg in der Ukraine, die
geopolitischen Spannungen und neuen Abhängigkeiten bei Energie,
Infrastruktur und Schlüsseltechnologien. Angesichts der vielen
Herausforderungen sei Sicherheit eine industrie- und
innovationspolitische Aufgabe geworden, sagte Pötsch: „Entscheidend
wird nun sein, die sicherheitspolitischen Ziele rasch in industrielle
Kapazitäten, innovationsfreundliche Rahmenbedingungen und belastbare
europäische Wertschöpfungsketten zu übersetzen.“
Zwtl.: Der Preis des Denkens
Künstliche Intelligenz senkt laut Rafaela Kraus den Preis des
Denkens dramatisch. Das verändere nicht nur eine Branche, sondern
„jede Organisation, die auf menschliche Kognition angewiesen ist.“ Im
Defense-Bereich sei diese Re-Organisation bereits heute ablesbar,
weil man sich hier am wenigsten leisten kann, zuzuwarten, das zeige
das Beispiel Ukraine. „Verteidigungsfähigkeit wird nicht allein durch
höhere Budgets entschieden, sondern durch die Fähigkeit,
technologische Innovation schneller in gesellschaftliche und
staatliche Handlungsfähigkeit zu übersetzen. Dafür braucht Europa
neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Staat, Industrie,
Wissenschaft und Startups.“
Zwtl.: Europäisches „Erlaubnisproblem“
„ Die Verteidigung ist aber nicht das Ziel der Zeitenwende,
sondern nur ihre Vorhut.“ ,“ ist sich Kraus sicher. Wer schneller
beobachtet, lernt und handelt, bleibt handlungsfähig, so ihre
Prognose. An Zeit, Geld und Talent fehle es Europa nicht, dafür an
Tempo und Entscheidungsfähigkeit. Und an einer Resilienz, die wie ein
lernfähiges Immunsystem funktioniert das sich an immer neue
Bedrohungen anpassen kann.
Im Grunde hat Europa laut Rafaela Kraus nur ein
„Erlaubnisproblem“: Tempo, Risiko und Gestaltung im
Verteidigungsbereich müssten auf andere gesellschaftliche und
wirtschaftliche Bereiche übertragen werden. „Wir müssen aufhören, den
Innovatoren die Erlaubnis zu verweigern, schnell zu sein, Risiko zu
tragen und groß zu denken.“
Zwtl.: Zeit der neuen Abhängigkeiten
Die DHK Matinee zählt zu den Fixpunkten im Jahreskalender der
Deutschen Handelskammer in Österreich und bringt jeden Juni führende
Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft in Salzburg
zusammen. Neben der hochkarätigen Rednerin konnte die DHK rund 160
Gäste begrüßen. Grußworte lieferten die Salzburger
Landtagspräsidentin Brigitta Pallauf und Salzburgs Stadträtin Andrea
Brandner .
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