Wien (OTS) – Sie haben ältere Menschen begleitet, Kinder getröstet,
Menschen mit
Behinderungen unterstützt. Sie haben Verantwortung übernommen und
erlebt, wie viel ein einzelner Mensch bewirken kann. Mit Ende Juli
schließen knapp 900 junge Erwachsene in ganz Österreich ihr
Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) beim Verein zur Förderung
freiwilliger sozialer Dienste ab. Für viele endet damit nicht nur ein
Einsatzjahr – sondern der Beginn eines neuen Blicks auf sich selbst
und auf die Gesellschaft.
Während Lebensläufe oft an Noten, Abschlüssen und Praktika
gemessen werden, vermittelt das Freiwillige Soziale Jahr jene
Kompetenzen, die sich nicht in Zeugnissen ausdrücken lassen:
Empathie, Verantwortungsbewusstsein, Selbstwirksamkeit,
Konfliktfähigkeit, Teamgeist, Selbstreflexion und Zivilcourage. Genau
diese Fähigkeiten sind heute gefragt – in sozialen Berufen ebenso wie
in Unternehmen, Hochschulen und unserer liberalen Demokratie.
„In einer Zeit, in der viele junge Menschen das Gefühl haben, die
Welt sei von Krisen geprägt, zeigt das Freiwillige Soziale Jahr etwas
ganz anderes: Jede und jeder kann etwas bewirken. Wer erlebt, dass
das eigene Handeln für andere einen Unterschied macht, gewinnt
Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten – und in unsere Gesellschaft.“ ,
sagt Elisabeth Marcus, Geschäftsführerin des Vereins zur Förderung
freiwilliger sozialer Dienste.
Zwtl.: Mehr als ein Einsatzjahr
Das Freiwillige Soziale Jahr ist ein Bildungs- und
Orientierungsjahr. Neben der praktischen Mitarbeit in sozialen
Einrichtungen werden die Teilnehmer*innen pädagogisch begleitet. In
Seminaren beschäftigen sie sich mit Themen wie Menschenrechten,
Demokratie, Vielfalt, mentaler Gesundheit, Kommunikation,
Konfliktlösung und Selbstfürsorge. Sie lernen, Unterschiede
auszuhalten und respektvoll miteinander umzugehen – Kompetenzen, die
weit über das Einsatzjahr hinauswirken.
Zwtl.: Wertvoller Zivilersatzdienst
210 der 900 Absolvent*innen sind junge Männer, deren FSJ als
Zivildienst angerechnet wird. „Seit es diese Möglichkeit zum
Zivilersatzdienst gibt, hat sich der Männeranteil bei uns deutlich
erhöht. Diese Chance auf einen gut begleiteten, sinnvollen Einsatz
für die Allgemeinheit soll den jungen Männern nicht genommen werden.“
, sagt die Vorsitzende des Vereins, Veronika Prüller-Jagenteufel, mit
Blick auf die aktuelle Wehrdienstdebatte. „Die Mitarbeit von Männern
im weiblich dominierten Sozialbereich ist für alle bereichernd.“
Zwtl.: Erfahrungen, die kein Zeugnis vermitteln kann
Der Unternehmer, Autor und EU-Jugendbotschafter Ali Mahlodji
kennt den Wert solcher Erfahrungen: „Das Freiwillige Soziale Jahr
habe ich als eine der wertvollsten Möglichkeiten für junge Menschen
kennengelernt, die eigenen Potenziale zu entdecken: Wer ein Jahr lang
Verantwortung übernimmt, Menschen begegnet und sich ausprobiert,
sammelt Erfahrungen, die kein Schulzeugnis vermitteln kann.“
„Rund 50 FSJ-Teilnehmer*innen absolvierten ihr FSJ bei der
Caritas Erzdiözese Wien – vom Haus JUCA für junge Erwachsene in Wien
bis zur WG für Menschen mit Behinderung in Zellerndorf/NÖ“, berichtet
Caritasdirektor Klaus Schwertner, der das FSJ als wichtigen
Zukunftsmotor sieht: „Das Freiwillige Soziale Jahr ist eine der
wirksamsten Brücken zwischen Schule und sozialem Beruf. Wer ein FSJ
absolviert, sammelt nicht nur wertvolle Praxiserfahrung, sondern
gewinnt Orientierung, Selbstvertrauen und Kompetenzen fürs Leben.
Gleichzeitig lernen Sozialeinrichtungen engagierte junge Menschen
kennen, die später oft als Mitarbeiter*innen zurückkehren. Das FSJ
ist daher nicht nur ein persönliches Bildungsjahr für die jungen
Menschen, sondern auch eine Investition in die Zukunft des
Sozialbereichs und des sozialen Zusammenhalts unserer Gesellschaft.“
Auch Rudi Bauer, langjähriger Top-Manager und früherer
Geschäftsführer von StepStone Österreich sowie heute Managing
Director bei WeAreDevelopers, unterstreicht den Wert des Freiwilligen
Sozialen Jahres weit über den Sozialbereich hinaus:
„Ein Freiwilliges Soziales Jahr ist kein Jahr, das man verliert,
sondern eines, das einen persönlich wachsen lässt. Wer Verantwortung
für andere übernimmt, Empathie entwickelt und über den eigenen
Tellerrand hinausblickt, bringt Fähigkeiten mit, die in jedem
Unternehmen und für jede Karriere von unschätzbarem Wert sind.“
Zwtl.: „Ich bin extrem gewachsen.“
Was das konkret bedeutet, beschreiben die Absolvent*innen selbst
oft eindrucksvoller als jede Statistik. Eine Teilnehmerin aus einer
Kinder-Wohngemeinschaft erzählt: „Ich habe gelernt, Vorurteile
abzubauen, Menschen mit mehr Geduld zu begegnen und ich bin an
alledem extrem gewachsen.“
Ein junger Mann, der sein FSJ als Zivildienstersatz in einer
Einrichtung für Menschen mit Behinderung absolviert hat, sagt: „Die
Begleitung durch den Verein und die Seminare waren sehr hilfreich.
Egal um welches Thema es ging, ich habe mich gut unterstützt
gefühlt.“
Eine Teilnehmerin aus einem Pflege- und Betreuungszentrum bringt
ihre Erfahrung mit einem Satz auf den Punkt: „Durch mein FSJ habe ich
meinen Traum-Job gefunden.“
Zwtl.: Ein Gewinn für alle
Die langjährige Statistik zeigt: Mehr als 70 Prozent der FSJ-
Absolvent*innen entscheiden sich nach dem FSJ für eine Ausbildung im
Sozial-, Gesundheits- oder Bildungsbereich. Andere schlagen danach
andere Wege ein. Was sie verbindet, ist die Erfahrung, die Welt ein
wenig besser machen zu können.
Der Verein zur Förderung freiwilliger sozialer Dienste
organisiert seit seiner Gründung 1968 das Freiwillige Soziale Jahr in
Österreich und wird von fünf Trägerorganisationen getragen: den
Pfadfinder*innen Österreichs, der Katholischen Jungschar, der
Katholischen Jugend, Kolping Österreich und der Jesuitenmission. In
den vergangenen 58 Jahren hat der österreichweit tätige Verein rund
14.000 junge Erwachsene durch ihren Freiwilligeneinsatz begleitet.
Junge Menschen verlassen das Freiwillige Soziale Jahr nicht nur
mit wertvoller Praxiserfahrung. Sie gehen hinaus in die Welt als
Menschen, die hinschauen statt wegschauen, Verantwortung übernehmen
statt abwarten und Mut machen statt resignieren. Sie werden zu
Leuchttürmen für ein gutes Miteinander – im Kleinen wie im Großen.
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