Niederwasser an der Donau – Bund und viadonau verstärken Maßnahmen zur Sicherung der Schifffahrt

Wien (OTS) – Die Donau führt aktuell außergewöhnlich niedrig Wasser.
Die
Pegelstände in den freien Fließstrecken liegen rund 60 cm unter dem
langjährigen Niederwasserwert, in der Wachau sind noch 2,0 Meter,
östlich von Wien 1,8 Meter Fahrwasser in der Tiefenrinne gegeben. Die
Güterschifffahrt ist weitgehend zum Erliegen gekommen, auch die
Kreuzschifffahrt ist deutlich eingeschränkt. Das Bundesministerium
für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) und der
staatliche Wasserstraßenbetreiber viadonau nehmen die Entwicklung
ernst und verstärken die bestehenden Maßnahmen zur Sicherung der
Schifffahrt.

„Die Donau ist eine der wichtigsten Verkehrsadern Österreichs –
für den Güterverkehr, für den Tourismus und für tausende
Arbeitsplätze entlang des Stroms. Wenn der Klimawandel diese
Infrastruktur unter Druck setzt, dann ist es unsere Aufgabe, mit
Weitblick zu investieren, statt zuzuwarten. Genau das tun wir: mit 30
Millionen Euro jährlich investieren wir vorausschauend in den Erhalt
der Wasserstraße Donau – durch laufende Instandhaltung, neue
technische Lösungen wie die Flexible Infrastruktur und durch enge
Zusammenarbeit mit unseren europäischen Partnern“, betont
Bundesminister Peter Hanke.

Lage mit 2018 vergleichbar

Die aktuelle Niederwasserperiode bewegt sich auf dem Niveau der
bisher markantesten Vergleichsjahre 2003 und 2018. 2018 war das
bislang letzte historische Niederwasserjahr: Damals brach das
Transportaufkommen auf der österreichischen Donau um 25,1 Prozent
ein, von 9,6 Millionen auf 7,2 Millionen Tonnen. Der Anteil der Donau
am Modal Split sank von 10 auf 8 Prozent. Auch dieses Jahr muss mit
einem Rückgang des Transportaufkommens aufgrund des niedrigen
Wasserpegels gerechnet werden. Behördliche Sperren gibt es zwar
keine, doch die Beladungen der Güterschiffe muss deutlich reduziert
werden, sodass eine Verlagerung der Transporte auf die Schiene oder
Straße sich derzeit als wirtschaftlicher darstellt. Viele
Flusskreuzfahrten sind nur eingeschränkt oder gar nicht mehr möglich,
sodass auch die Fahrgastzahlen 2026 sinken werden.

Ungewöhnlich an der aktuellen Lage ist zudem der Zeitpunkt:
Niedrigwasserphasen treten laut Fachleuten normalerweise erst im
Spätsommer oder Herbst auf.

Fahrrinne trotz Rekordtiefstand aktuell gesichert

Möglich ist die lange Aufrechterhaltung der Schifffahrt vor allem
durch die vorausschauende, ganzjährige Instandhaltung der
Wasserstraße durch viadonau: mehrtägige Pegelprognosen für die
Schifffahrtstreibenden sowie laufende Baggerungen der aktuellen
Seichtstellen. Dadurch kann trotz der historisch so geringen
Wassermenge heute eine Fahrwassertiefe von 1,8 Metern östlich von
Wien und 2,0 Metern in der Wachau sichergestellt werden.

„Wir haben aus den Erfahrungen von 2003 und 2018 gelernt. Unsere
Instandhaltung ist heute noch vorausschauender und datenbasierter als
je zuvor. Dass wir trotz Niedrigwasser weiterhin Fahrwasser
sicherstellen können, ist das Ergebnis jahrelanger, konsequenter
Arbeit an der Wasserstraße“, so viadonau-Geschäftsführer Hans-Peter
Hasenbichler.

Neue Technologie im Pilotbetrieb: die „Flexible Infrastruktur“

Zusätzlich zur klassischen Instandhaltung erprobt viadonau
derzeit die sogenannte „Flexible Infrastruktur“: Unmotorisierte
Transportschuten werden mit Kies aus Erhaltungsbaggerungen beladen,
seitlich außerhalb der Fahrrinne positioniert und mit Ankern
gesichert. Dadurch wird das Donauwasser gezielt in die zentrale
Fahrrinne gelenkt, wo es durch höhere Fließgeschwindigkeit zu weniger
Kies-Ablagerungen und damit zu geringerem Baggeraufwand kommt. Der
Pilotversuch wird im Rahmen des EU-Projekts FAIRway Danube II
umgesetzt und durch die Connecting Europe Facility der Europäischen
Union kofinanziert. Parallel dazu laufen vergleichbare Pilotversuche
auch in Kroatien, Rumänien und Bulgarien – der Wissens- und
Erfahrungsaustausch zwischen den Ländern ermöglicht eine gezieltere
Weiterentwicklung der Methode.

Internationale Zusammenarbeit als langfristige Antwort

Mit einem Einzugsgebiet von rund 800.000 km² vom Schwarzwald bis
zum Schwarzen Meer ist Niederwasser an der Donau eine europäische
Herausforderung. Österreich koordiniert daher seit Jahren
internationale Kooperationsprojekte wie FAIRway Danube, mit deren
Hilfe sich insbesondere südosteuropäische Donaustaaten wichtiges
Equipment wie Vermessungsboote und Baggergeräte anschaffen konnten.
Im Rahmen der EU-Donauraumstrategie (EUSDR) sowie des TEN-T-
Kernnetzkorridors Rhein-Donau wird zudem eine aktualisierte Donau-
Deklaration erarbeitet, die die Verkehrsminister:innen der
Donauanrainerstaaten Ende September in Brüssel unterzeichnen werden.

Wissenschaftliche Einordnung: Klimawandel als treibender Faktor

„Was wir hier beobachten, ist keine Ausnahmeerscheinung, sondern
Teil einer längerfristigen Entwicklung. Extreme Niederwasserperioden
werden im Zuge des Klimawandels häufiger auftreten – und teils auch
viel früher im Sommer, wie wir es gerade erleben. Umso wichtiger ist
es, dass einerseits naturbasierte Ansätze wie Renaturierungen
inklusive Stopp der Sohleintiefung und technische Lösungen wie die
Flexible Infrastruktur schon jetzt entwickelt und getestet werden,
damit wir für künftige Extremereignisse gerüstet sind“, erklärt Prof.
Helmut Habersack von der BOKU Wien.