Wien (OTS) – GR Dr. Michael Gorlitzer, MBA (ÖVP) erkundigte sich in
der fünften
Anfrage bei Gesundheits- und Sozialstadtrat Peter Hacker (SPÖ) nach
einem konkreten Plan des Wiener Gesundheitsverbundes zur Reduktion
ärztlicher Überstunden bei gleichzeitiger Sicherstellung der
Versorgungsqualität und Patient*innensicherheit. Hacker wies die
Gleichsetzung von ärztlichen Überstunden mit gesicherter
Versorgungsqualität zurück. „Je mehr Überstunden, desto gesicherter
die Versorgungsqualität – das ist definitiv falsch“, sagte Hacker.
Ärztliche Mehrleistungen würden zwar „zweifelsohne einen wichtigen
Beitrag zur Aufrechterhaltung eines Hochleistungsbetriebes“ leisten,
insbesondere in einem 24-Stunden-Spitalsbetrieb an Wochenenden und
Feiertagen. Gleichzeitig müsse aber der Schutz der Mitarbeiter*innen
im Mittelpunkt stehen. Ein dauerhaft hoher Überstundenanteil könne
„kein tragfähiges Strukturprinzip eines modernen
Krankenanstaltenträgers sein“, so der Stadtrat. Eine generelle
Reduktion aller Überstunden wäre „medizinisch weder sinnvoll noch
verantwortlich und auch nicht im Sinne der Patient*innensicherheit“.
Hacker verwies auf arbeitsrechtliche Schutzbestimmungen und betonte,
dass Überstunden nur im gesetzlichen Rahmen und auf Anordnung von
Vorgesetzten erfolgen dürften. Eine pauschale Kürzung von Überstunden
sei „medizinisch weder sinnvoll noch verantwortlich“. Ziel sei
vielmehr eine „strukturierte, standort- und abteilungsspezifische
Steuerung“ ärztlicher Mehrleistungen. Und dabei werde auch geprüft,
welche Überstunden medizinisch notwendig seien, das liege in der
Verantwortung der Primarärzt*innen. Es sei Aufgabe der
Führungskräfte, dabei sowohl auf die Gesundheit der Mitarbeiter*innen
als auch auf den lückenlosen Betrieb der Spitäler zu achten.
Zwtl.: Aktuelle Stunde
Nach der Fragestunde wurde in der Aktuellen Stunde das Thema
„Sportstadt Wien: Vielfalt ist unsere Disziplin – Breitensport,
Frauenpower, Inklusion und Gewaltschutz“, das auf Verlangen der SPÖ-
Rathausfraktion eingebracht wurde, debattiert.
GRin Yvonne Rychly (SPÖ) hob die Bedeutung des Sports für
Zusammenhalt, Teilhabe und Gesundheit hervor und bedankte sich bei
allen Mitarbeiter*innen, Einsatzkräften sowie Helfer*innen rund um
den Eurovision Song Contest in der Wiener Stadthalle. Wien habe sich
dabei erneut als „weltoffene, professionelle und gastfreundliche
Stadt“ präsentiert. Sport sei „der stärkste soziale Kitt in unserer
Gesellschaft“, sagte Rychly. Er überwinde soziale und sprachliche
Barrieren und schaffe „gelebte Chancengleichheit“. Der Leitgedanke
der Wiener Sportpolitik laute „Sport für alle“. Beteiligung dürfe
nicht vom Einkommen der Eltern abhängen. Wien sei ein einziger
pulsierender Bewegungsraum. Hierzu verwies Rychly auf kostenlose
Bewegungsangebote in Parks und Sportanlagen. Mit Initiativen wie
„Sport.Platz.Wien“ oder den „Käfig League“-Angeboten würden Kinder,
Jugendliche und alle Wiener*innen direkt in ihren Grätzln erreicht.
Die Gemeinderätin verwies zudem auf zahlreiche internationale
Sportveranstaltungen in Wien im Jahr 2026. Dazu zählen unter anderem
das 3×3-Basketball-Event am Heumarkt, die Sport Austria Finals sowie
die nationalen Special Olympics Sommerspiele. Wien setze dabei auf
Vielfalt, Inklusion und Gleichberechtigung. Auch der Mädchen- und
Frauenfußball erlebe einen „gewaltigen, längst überfälligen Boom“.
Fördermittel aus dem neuen Sportförderungsbeitrag würden künftig
gezielt in Mädchen-, Frauen- und Behindertensport fließen. Das sei
messbare Solidarität. Darüber hinaus sprach sich Rychly für eine
„Null-Toleranz-Politik“ gegen physische, psychische und sexualisierte
Gewalt im Sport aus. Sport müsse sicher sein und dürfe niemanden
ausschließen. Abschließend verwies sie auf Investitionen in
Sportstätten und Sanierungsprojekte und betonte, dass Sport ein
gigantischer Wirtschaftssportmotor sei. „Damit Sport für alle auf Top
-Niveau zugänglich bleibt, investieren wir 55 Millionen Euro in 30
Standorte“, so Rychly. „Sport ist nicht ‚nice to have‘, Sport ist ein
Must-have“, sagte Rychly.
StRin Dr. Katarzyna Greco, MIEM (ÖVP) hob die Bedeutung des
Sports für Integration, Prävention und gesellschaftlichen
Zusammenhalt hervor. Sport sei „viel mehr als reine
Freizeitgestaltung“. Vor allem bei der Sportinfrastruktur gebe es in
Wien jedoch weiterhin großen Aufholbedarf. Infrastruktur vermittle
Sicherheit, ermögliche Teilhabe und schaffe niederschwelligen Zugang
für Kinder, Jugendliche, Familien und Senior*innen. Greco verwies auf
sanierungsbedürftige Sportstätten in Wien. Als Beispiele nannte sie
unter anderem den Verein ASV 13 in Hietzing sowie die Laufbahn im
Leichtathletikzentrum im 2. Bezirk. Immer wieder gebe es
Rückmeldungen über marode Duschen, Umkleiden und fehlende
Modernisierungen. Gerade Vereine und ehrenamtliche Trainer*innen
dürften mit diesen Problemen nicht allein gelassen werden. Besonders
ging Greco auf die Zukunft des Postsportvereins in Hernals ein. Dort
gehe es „um die Zukunft eines gesamten Standortes und nicht nur um
einen Sportplatz“. Der Verein sei ein wichtiger Ort für Bewegung,
Gemeinschaft und Freizeit für tausende Mitglieder. Die Stadt könne
sich zwar nicht über Eigentümerinteressen hinwegsetzen, müsse sich
aber „aktiv und mit Nachdruck“ für den Standort einsetzen.
Auch GRin Jing Hu, BA, MPharm (NEOS) hob die Bedeutung des Sports
für Integration, Gesundheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt
hervor. Breitensport sei „nicht nur eine reine
Freizeitbeschäftigung“, sondern auch aktive Integrations- und
Gesundheitspolitik. Jede Stunde, in der ein Kind Sport mache, spare
künftig Kosten im Gesundheitssystem. Alarmierend sei, dass derzeit
rund 30 Prozent der Schulkinder übergewichtig oder adipös seien. Hu
verwies hierzu auf die tägliche Bewegungseinheit, die
Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) bundesweit ausrolle. Im
vergangenen Schuljahr hätten in Wien bereits 517
Bildungseinrichtungen daran teilgenommen. Zudem sprach Hu über den
neuen ÖFB-Campus in der Seestadt, der vergangene Woche eröffnet und
von Bund und Stadt mit je 23 Millionen Euro gefördert wurde. Wien
setze sowohl auf Spitzen- als auch auf Breitensport. Mit einem
Sportförderungspaket von 1,5 Millionen Euro sei ein Schwerpunkt auf
Mädchen-, Frauen- und Behindertensport sowie auf Kinderschutz gelegt
worden. „Das ist kein Gießkannenprinzip, sondern gezielte Förderung
mit einer korrekten Haltung“, sagte Hu und verwies abschließend auf
zahlreiche Sportgroßveranstaltungen, die dieses Jahr in Wien
stattfinden, wie die Sport Austria Finals, der Frauenlauf oder die
3×3-Basketball-Turniere. Wien sei „2026 wieder einmal
Sporthauptstadt“.
GRin Mag. Mag. Julia Malle (GRÜNE) kritisierte den Begriff
„Frauenpower“ als ungeeignet, da dadurch strukturelle Ungleichheiten
unsichtbar gemacht würden. Entscheidend sei nicht, „ob wir Frauen
Power haben“, sondern ob es eine Politik gebe, „die uns stärkt und
die Macht gerecht verteilt“. Gerade im Sport zeige sich, wer sichtbar
sei, Platz bekomme oder ausgeschlossen werde. Malle sprach sich für
verbindliche Gewaltschutzstandards im Sport aus. Junge Frauen,
Mädchen und Kinder würden dort immer wieder Sexismus, Abwertung oder
Machtdemonstrationen erleben. „Keine öffentlichen Förderungen ohne
verbindliche Schutzstandards“, forderte Malle. Auch beim Thema
Inklusion gebe es große Defizite. Viele Sportstätten seien nicht
barrierefrei und Menschen mit Behinderungen könnten oft nicht
selbstverständlich am Sportangebot teilnehmen. Von echter Vielfalt
könne daher keine Rede sein. Zudem kritisierte Malle Ungleichheiten
zwischen Frauen- und Männersport, etwa bei Trainingszeiten,
Preisgeldern, Sichtbarkeit oder Infrastruktur. Tatsache sei, dass
lediglich 15 Prozent der Sportberichterstattung auf Frauen falle.
„Eine feministische Sportpolitik erkennt man daran, ob Mädchen
selbstverständlich Sport machen können, ob sie sicher sind, ob sie
sichtbar sind und ob sie dieselben Chancen haben“, sagte Malle.
GR Lukas Brucker, MA (FPÖ) hob die Bedeutung ehrenamtlicher
Funktionär*innen, Trainer*innen und Eltern für den Wiener Sport
hervor. Der Sport werde „nicht von der Politik oder der SPÖ
getragen“, sondern von den vielen Ehrenamtlichen. Gleichzeitig
kritisierte Brucker die Sportinfrastruktur in Wien. Trotz einzelner
neuer Anlagen habe Wien weiterhin ein „massives Sportstättenproblem“.
Internationale Großereignisse im Fußball oder Eishockey könnten
derzeit nicht ausgerichtet werden. Besonders kritisierte Brucker den
Zustand des Happel-Stadions im Prater. Dieses „bröckelt an allen
Ecken und Enden“, während andere Städte wie Prag oder Budapest massiv
in moderne Sportstätten investieren würden. Es sei ein Armutszeugnis
für die SPÖ und Wien. Auch die geplante Multifunktionsarena in St.
Marx komme seit Jahren kaum voran. „Das ist kein Ruhmesblatt, das ist
eine Blamage“, so der Gemeinderat. Brucker forderte Investitionen für
moderne Sportstätten, mehr Unterstützung für Vereine und mehr Respekt
für Ehrenamtliche ein. Auch müsse der Standort des Postsportvereins
langfristig gesichert werden. (Forts.) kro