Wien (OTS) – „Hafen und Anlegestelle zugleich“ sein – für Menschen
aus der
Nachbarschaft ebenso wie für jene, die Unterstützung, Stille oder
Spiritualität suchen: Mit diesem Bild beschreibt Caritasdirektor
Klaus Schwertner das neue Projekt „Kirchenschiff“, das heute,
Donnerstag, in der Pfarrkirche Auferstehung Christi in Wien-
Margareten feierlich eröffnet wird. Aus der Taufe gehoben wird hier
nichts weniger als ein gemeinsames Pilotprojekt von Caritas und
Erzdiözese Wien, das österreichweit Vorbildcharakter entwickeln
könnte. Erzbischof Josef Grünwidl weist auf die Bedeutung des
Projekts hin: „Mit dem Kirchenschiff geben wir der Kirche
Auferstehung Christi eine Zukunft – und einen erweiterten Auftrag.
Wir bewahren den Kirchenraum als Ort des Gottesdienstes und des
Gebetes und entwickeln ihn weiter zu einem Ort der konkreten
Nächstenliebe.“ So werde deutlich, betont Grünwidl, „Kirche blüht
dort auf, wo sie den Menschen dient und ihnen einen Ort bietet, an
dem jede und jeder willkommen ist.“ Auf rund 1.100 Quadratmetern soll
ein österreichweit einzigartiges Projekt entstehen. Schwertner: „Eine
nicht profanierte, denkmalgeschützte Kirche bleibt Kirche – und wird
zugleich zu einem offenen Sozial- und Begegnungszentrum für die
Stadt. Hier können künftig Menschen andocken – ganz gleich, ob sie
konkrete Hilfe brauchen, Gemeinschaft suchen oder in Stille und Gebet
sein wollen.“ Bei der Eröffnung waren neben Grünwidl und Schwertner
unter anderem Bürgermeister Michael Ludwig, Doris Schmidauer und
Propst Anton Höslinger an Bord.
Kirchenschiff als Anlegestelle für konkrete Hilfsprojekte
Die 1969 – 1971 in einer Wohnhaussiedlung in der
Siebenbrunnenfeldgasse errichtete Pfarrkirche wird ab sofort für
mehrere Hilfs- und Unterstützungsangebote, aber auch für Vereine und
Kulturinitiativen offenstehen. Schwertner: „Gerade jetzt angesichts
der Teuerung finden Armutsbetroffene hier eine neue Lebensmittel- und
Kleiderausgabe vor. Im Winter beherbergt das Kirchenschiff eine
pfarrliche Wärmestube, im Sommer eine kühlende Klimaoase. Darüber
hinaus wird es hier Sozialberatung sowie ein Lernzimmer mit
Nachhilfeangeboten geben. Kurzum: Es wird ein Ort sein, an dem
hunderte Freiwillige für andere Menschen da sein werden.“
Gleichzeitig wird die Kirche weiter Raum für Gottesdienst und Gebet
sein. Erzbischof Grünwidl bekräftigt: „Dass die Lebensmittel- und
Kleiderausgabe für Menschen in Not im selben Raum stattfindet wie die
Gottesdienste, macht spürbar: Der Dienst am Nächsten ist ein Dienst
an Gott.“ Zwei Seelsorgende begleiten Menschen bei Bedarf in
persönlichen und spirituellen Fragen. Für Projektleiterin Katharina
Renner ist genau diese Offenheit entscheidend: „Das Kirchenschiff
steht für eine Kirche, die beweglich bleibt – offen für
Nachbarschaft, für externe Initiativen, aber auch offen für Menschen,
die einer anderen Konfession angehören.“
Bürgermeister Ludwig sieht „offenen Raum“, Schmidauer „Orte, die
Mut machen“
Bürgermeister Michael Ludwig betonte die Bedeutung des Projekts
in einer wachsenden Stadt: „Das Kirchenschiff zeigt sehr konkret, wie
wir in Wien mit knappen Flächen in einer wachsenden Stadt umgehen
können und darin echte Chancen erkennen. Hier entsteht ein offener
Ort mitten im Grätzl, der Hilfe, Gemeinschaft und Kultur verbindet
und damit Zusammenhalt ganz konkret erlebbar macht. Es ist ein
Projekt mit Vorbildcharakter, weil es soziale Verantwortung,
Nachbarschaft und städtische Entwicklung auf neue Weise
zusammenbringt.“ Wichtig wäre das Projekt auch, weil es Hoffnung
vermitteln könne, betont Doris Schmidauer, langjährige Botschafterin
der Caritas: „Gerade in Zeiten großer Herausforderungen sind Orte,
die Halt geben und Mut machen, besonders wertvoll. Mit dem
Kirchenschiff öffnet sich ein neuer wichtiger Raum, der Mitwirkung
ermöglicht und Gemeinschaft stärkt. Engagement und Solidarität sind
das Gegenteil von Resignation – und davon brauchen wir mehr.“
Siluan Gall, Kaplan des Pfarrverbands Margareten: „In einer Zeit,
in der der Fortbestand von Pfarrgemeinden immer herausfordernder
wird, bietet das Projekt Kirchenschiff eine neue Perspektive des
Ineinandergreifens von kirchlichen Aufgabenbereichen. Allem Anfang
wohnt ein Zauber inne, und es benötigt eine Zeit des
Zusammenwachsens. Die Synergien von Caritas und Pfarre ermöglichen
der Gemeinde Werkzeuge, im Sinne des Christseins weiterhin ihrer
pastoralen Tätigkeit nachzugehen und in der Zusammenarbeit mit den
caritativen und kulturellen Angeboten des Kirchenschiffs ins Grätzl
hineinzuwirken.“
Gemeinsam mit starken Partnern
Schwertner bedankte sich im Rahmen der Eröffnung auch bei den
Unterstützer*innen des Projekts sowie der Gemeinde vor Ort: „Die Idee
des Miteinanders hat das Projekt Kirchenschiff von Anfang an geprägt
– vom ersten Entwurf bis zur konkreten Umsetzung. Ohne zahlreiche
engagierte Partner*innen wäre dieser Kraftakt nicht möglich gewesen.
Danke an alle Spender*innen, die durch ihre Unterstützung die
Verwirklichung des Kirchenschiffs ermöglichen.“ Und weiter: „Ein
besonderer Dank gilt dem Bundesministerium für Land- und
Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und
Wasserwirtschaft (BMLUK). Durch eine Förderung zur Stärkung der
Kreislaufwirtschaft in Österreich wird ein neues Konzept der
Lebensmittel- und Kleiderausgabe umgesetzt, das soziale und
ökologische Nachhaltigkeit noch stärker verbindet und Menschen in Not
konkret unterstützt.“