Wien (OTS) – Bayerische Strafverfolgungsbehörden legen heute im
Rahmen des
Ermittlungskomplexes „Operation Alice“ rund 370.000 Seiten im Darknet
still. Diese Seiten – auf denen unter anderem
Missbrauchsdarstellungen von Kindern sowie gestohlene Finanz- und
Zugangsdaten zum Kauf angeboten wurden – machen einen erheblichen
Teil aller derzeit aktiven Seiten im Darkweb aus. Tatsächlich
handelte es sich bei allen Angeboten um Vorkassebetrug: Kund:innen
zahlten in Kryptowährungen, erhielten jedoch keine Ware.
Dass sie alle einem einzigen mutmaßlichen Betreiber zugeordnet
werden konnten, gelang unter anderem mithilfe von Methoden, die am
Complexity Science Hub entwickelt wurden. Die Ergebnisse der
Operation wurden heute in einer Pressekonferenz von Bayerns
Innenminister Joachim Herrmann und Justizminister Georg Eisenreich
präsentiert.
Zwtl.: Zusammenhänge sichtbar machen
Der Complexity Science Hub und die Zentralstelle Cybercrime
Bayern (ZCB) arbeiten seit 2022 mit dem Ziel zusammen,
wissenschaftliche Methoden zur Analyse von
Kryptowährungstransaktionen für die Strafverfolgung nutzbar zu
machen.
Das Darkweb schützt die Anonymität seiner Nutzer:innen durch
spezielle Verschlüsselungsprotokolle; Zahlungen in Kryptowährungen
wie Bitcoin verschleiern zusätzlich finanzielle Spuren. „Mit unserem
Tool GraphSense lassen sich diese Transaktionen systematisch
nachverfolgen. So können wir Geldflüsse zwischen
Kryptowährungsadressen rekonstruieren und Verbindungen zwischen
scheinbar unabhängigen Fällen sichtbar machen“, erklärt Bernhard
Haslhofer , der die Forschungsgruppe Digital Currency Ecosystems am
CSH leitet.
Die ZCB hatte 2022 zu Beginn der „Operation Alice“ bereits den
Verdacht, dass jene Seiten, auf denen Missbrauchsdarstellungen von
Kindern angeboten wurden, zusammenhängen könnten. „Aber dass da noch
eine Flut anderer Betrugsangebote dazugehörte, dass wir es also mit
einem riesigen Cluster zusammenhängender Seiten zu tun haben, die
allesamt einem einzigen Komplex angehören – das hat sich erst
mithilfe der am CSH entwickelten Methoden herausgestellt“, sagt
Thomas Goger , der stellvertretende Leiter der ZCB. Ausmaß, Zeitraum
und die Tatsache, dass ein einzelner aus China stammender
Tatverdächtiger all diese Seiten betrieben habe, seien
außergewöhnlich.
Im Zuge der heutigen Pressekonferenz wurden auch der Name und das
Foto des Tatverdächtigen veröffentlicht und eine internationale
Fahndung eingeleitet.
„Als wir die Zusammenarbeit 2022 starteten, hatten wir das noch
mit einer Visualisierung von einigen Dutzend Seiten illustriert.
Jetzt sind wir bei einigen hunderttausend Seiten gelandet“, sagt
Haslhofer. Damals habe man noch nicht gewusst wie viele Seiten es
überhaupt gibt und mit welchen Dimensionen man es zu tun habe. „Dass
wir nun eine Infrastruktur dieser Größenordnung sichtbar machen
konnten, zeigt, welches Potenzial datengetriebene Methoden in der
Bekämpfung von Cyberkriminalität haben.“
Die Ergebnisse entstammen einer wissenschaftlichen Kollaboration
zwischen Deutschland, den Niederlanden und Österreich, an der
Strafverfolgungsbehörden ( ZCB ), wissenschaftliche Einrichtungen (
Complexity Science Hub , TNO ) sowie auf Umsetzung spezialisierte
Unternehmen ( CFLW Cyber Strategies , Iknaio Cryptoasset Analytics
GmbH – einem Spinoff, das aus der Forschung am Complexity Science Hub
entstanden ist) beteiligt waren.
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