Dachverband der Sozialversicherungsträger stellt erstmals Heilmittelreport vor

Wien (OTS) – Der Dachverband der Sozialversicherungsträger (DVSV) hat
den ersten
Heilmittelreport vorgelegt. Der Bericht dokumentiert die
Heilmittelversorgung im niedergelassenen Bereich in Österreich, ihre
Entwicklung sowie die damit verbundenen Kosten.

Rascher Zugang zu Medikamenten und gute Versorgungslage

Peter McDonald, Vorsitzender der Konferenz der
Sozialversicherungsträger: „Österreich gehört zu den Ländern, in
denen Medikamente und neue Therapien besonders rasch den Weg zu den
Patientinnen und Patienten finden. Das ist ein Beweis dafür, dass wir
als Sozialversicherung unseren Versorgungsauftrag ernst nehmen und
sich die Versicherten im Bedarfsfall auf Spitzenmedizin und -therapie
auf e-card verlassen können. Gleichzeitig zeigt die Entwicklung auch,
dass wir über einen innovativen Pharmastandort verfügen. Wer
innovative Medikamente schnell verfügbar haben will, braucht Partner
in der Industrie, die in Forschung und Entwicklung investieren, und
ein System, das diesen Zugang strukturiert absichert.“ Dieses System
stützt sich auf mehrere Akteure: Pharmaunternehmen entwickeln und
vertreiben die Arzneimittel, der Großhandel übernimmt die Logistik,
und Apotheken sowie Hausapotheken stellen gemeinsam mit
niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten die Versorgung vor Ort sicher –
mit derzeit 2.251 Apothekenstandorten so dicht wie nie zuvor, wobei
in Gebieten ohne öffentliche Apotheke Hausapotheken die Versorgung
übernehmen. Finanziert wird der überwiegende Teil davon durch die
gesetzliche Krankenversicherung, bei der nahezu 99 Prozent der
österreichischen Bevölkerung versichert sind und 68 Prozent der
Anspruchsberechtigten 2025 mindestens ein Medikament auf Rechnung
bezogen haben. Welche Medikamente zu welchen Bedingungen und Preisen
erstattet werden, legt die Krankenversicherung über den
Erstattungskodex (EKO) fest, der 2025 mit 7.756 Packungen so viele
Medikamente enthielt wie noch nie seit seiner Einführung vor 20
Jahren – ein Zuwachs von rund 50 Prozent in diesem Zeitraum. Der
Großteil der Versicherten kommt dabei mit Medikamenten aus, die ohne
gesonderte Bewilligung verfügbar sind: Über 90 Prozent der
Heilmittelpatientinnen und -patienten werden vollständig aus den
sogenannten Standardboxen versorgt.

Claudia Neumayer-Stickler, stellvertretende Vorsitzende der
Konferenz der Sozialversicherungsträger, dazu: „Der Heilmittelreport
zeigt, dass Versicherte rasch und umfassend mit Medikamenten über den
Erstattungskodex (EKO) der Sozialversicherung versorgt werden. Unser
Erstattungssystem stellt sicher, dass jede versicherte Person die
Medikamente erhält, die sie braucht – unabhängig von Einkommen oder
sozioökonomischen Status. Mit der neuen Arzneimittelkostenobergrenze
und den Verbesserungen bei der Rezeptgebührenbefreiung schaffen wir
zudem Erleichterungen für chronisch Kranke und Menschen mit geringem
Einkommen. Das ist keine Selbstverständlichkeit, sondern das Ergebnis
eines solidarischen Systems.“

Verfügbarkeit im internationalen Vergleich

Ist ein Medikament nicht verfügbar, kann in vier von fünf Fällen
auf einen wirkstoffgleichen Ersatz zurückgegriffen werden, in den
übrigen Fällen stehen gleichwertige Präparate oder andere
Packungsgrößen zur Verfügung. Die Zahl der in Österreich ansässigen
Pharmaunternehmen stieg von 258 im Jahr 2023 auf 329 im Jahr 2025. Im
internationalen Vergleich sind 82 Prozent der zwischen 2020 und 2023
in Europa neu zugelassenen Medikamente in Österreich bereits
verfügbar, ein höherer Anteil findet sich nur in Deutschland und
Italien. Auch bei der Zeit bis zur Marktverfügbarkeit liegt
Österreich mit durchschnittlich 339 Tagen unter dem EU-Durchschnitt
von 578 Tagen.

Kosten

2025 beliefen sich die Kosten der Sozialversicherung für die
Heilmittelversorgung auf 4,9 Milliarden Euro, was einem Anstieg von
88,2 Prozent gegenüber 2013 und 7,5 Prozent gegenüber 2024
entspricht. Pro Heilmittelpatientin bzw. -patient ergeben sich daraus
Durchschnittskosten von rund 800 Euro, ein Wert, der um 86 Prozent
über jenem von 2013 und um 11 Prozent über jenem von 2024 liegt. Ein
Teil dieser Entwicklung hängt mit dem steigenden Alter der
Versicherten zusammen: Während unter 60-Jährige 2025 im Schnitt 9,1
Verordnungen pro Jahr erhielten, waren es bei über 60-Jährigen rund
31. Gleichzeitig ist die Gesamtzahl der Verordnungen von rund 122
Millionen im Jahr 2013 auf 106 Millionen im Jahr 2025 gesunken, da
zunehmend mehr Medikamente unter der Rezeptgebühr von 7,55 Euro
liegen und damit privat bezahlt werden. Deutliche Unterschiede zeigen
sich je nach Wettbewerbssituation: Eine Verordnung mit
Marktexklusivität kostete im Schnitt 86,92 Euro, eine Verordnung im
ersetzbaren Markt mit Wettbewerb dagegen nur 16,67 Euro. Auf den
patentgeschützten, nicht dem Wettbewerb unterliegenden Bereich
entfielen 77,2 Prozent der EKO-Kosten. Medikamente außerhalb des EKO
verursachten 2025 zusätzlich Kosten von 655,6 Millionen Euro, das
entspricht 13,2 Prozent der Gesamtkosten.