Wien (OTS) – Erst jüngst lieferte eine Auswertung der Modal Split
Erhebungen der
vergangenen 15 Jahre für Wien spannende Ergebnisse: Sie zeigt über
die Jahre hinweg einen kontinuierlichen Anstieg des Radverkehrs und
einen Rückgang der Autonutzung bei jungen Menschen. Zudem wurde ein
konstant hoher Anteil an Fußverkehr und nach Corona wieder ein
Anstieg bei der Öffi-Nutzung verzeichnet. „Es zeigt sich, dass sich
Änderungen im Mobilitätsverhalten nicht von heute auf morgen, sondern
längerfristig abzeichnen. Mit den aktuell vorliegenden Daten aus der
Modal Split Erhebung für 2025 festigt sich der Trend in Richtung
umweltfreundliche Mobilität in der wachsenden 2-Millionenstadt: Rund
drei Viertel der Wiener*innen sind umweltfreundlich unterwegs,
bewältigen ihre Alltagswege mit den Öffis, dem Rad oder gehen zu
Fuß“, so Mobilitätsstadträtin Ulli Sima.
Auswertung 2025 auf Kommastellen für mehr Transparenz
Der Modal Split stellt die durchschnittliche alltägliche
Mobilität – genauer gesagt die Alltagswege – der Wiener*innen –
anteilsmäßig dar. Nicht berücksichtigt sind dabei Tourist*innen oder
Pendler*innen. Die Erhebung erfolgt durch eine repräsentative
Stichprobe, dafür wurden im Jahr 2025 von ca. 2.500 Wiener*innen die
Wege erhoben. Dabei zeigt sich insgesamt: Gegenüber dem Jahr 2024
gibt es keine statistisch signifikanten Veränderungen im
Mobilitätsverhalten der Wiener*innen.
Um diese Stabilität transparent darzustellen, weist die Stadt
Wien die Werte für 2025 erstmals mit Kommastellen aus. Dadurch werden
auch sehr kleine Veränderungen sichtbar gemacht, die bei gerundeten
Werten nicht erkennbar sind. „Diese minimalen Abweichungen ändern
jedoch nichts am Gesamtbild: Das Mobilitätsverhalten bleibt im
Vergleich zu 2024 weitgehend konstant auf einem hohen Niveau
umweltfreundlicher Mobilität. Alle beobachteten Unterschiede bewegen
sich innerhalb der üblichen Schwankungsbreite der Erhebung“,
erläutert Clemens Horak, Leiter der Abteilung für Stadtentwicklung
und Stadtplanung (MA 18).
Der Öffi-Anteil des Jahres 2025 ist mit 33,6 % nahezu unverändert
zum Jahr 2024. Zu-Fuß-Gehen ist mit 30,0 % weiterhin höher als vor
der Corona-Pandemie und nach dem öffentlichen Verkehr die zweit
meistgenutzte Fortbewegungsart der Wiener*innen. Der
Radverkehrsanteil bleibt mit 10,5% ebenfalls auf hohem Niveau.
Der Anteil des PKW-Verkehrs lag im Vorjahr bei 24,9 %. Von 1993
bis 2025 wurde dieser um rund ein Drittel reduziert.
Für 2025 gibt es eine neue Kategorie, es werden auch die
motorisierten Zweiräder, also Mopeds, gesondert ausgewiesen, sie
wurden in der Statistik bislang zu den PKWs gezählt. So wurden im
vergangenen Jahr 1,0 % der Alltagswege mit motorisierten Zweirädern
zurückgelegt.
Alexandra Reinagl, Vorsitzende der Geschäftsführung der Wiener
Linien: „Die aktuellen Zahlen zeigen, dass die Öffis für Millionen
Wienerinnen und Wiener das Rückgrat der täglichen Mobilität sind.
Gleichzeitig sehen wir, dass wir beim Umstieg auf klimafreundliche
Verkehrsmittel weiter Tempo machen müssen – besonders in einer
wachsenden Stadt. Deshalb investieren wir konsequent in den Ausbau
und die Beschleunigung der Öffis, damit Bus, Bim und U-Bahn auch
künftig die attraktivste Wahl im Alltag bleiben. Gleichzeitig zeigen
die Rekordzahlen bei WienMobil Rad, dass auch flexible Sharing-
Angebote immer stärker Teil moderner Mobilität in Wien werden.“
Das Ergebnis ist vor dem Hintergrund unterschiedlicher
Rahmenbedingungen zu bewerten:
– Maßnahmen beginnen erst zeitverzögert zu wirken – die Änderung des
Mobilitätsverhaltens passiert nicht von heute auf morgen, ein
Umdenken findet meist erst mittel- bis langfristig statt. Auch
international ist zu beobachten, dass sich Mobilitätswerte nur
langsam ändern.
– Wien hat einen niedrigen PKW-Anteil . So ist die Privat-Pkw-Dichte
mit 284,6 privat Pkw/1.000EW und die Gesamt-Pkw-Dichte (also
inklusive Firmenwägen) in Wien mit 363 Pkw/1.000EW gleichgeblieben,
in Österreich ist die Gesamt-Pkw-Dichte jedoch weiter auf 573
Pkw/1.000 EW gestiegen (Quelle: Statistik Austria).
– Dynamisches Bevölkerungswachstum Wiens, v .a. in den äußeren
Bezirken, in denen der Autoanteil tendenziell höher ist. Das spiegelt
sich auch im Modal Split wider. In den Außenbezirken ist zu erkennen,
dass die Autonutzung tendenziell höher als in den Innenbezirken ist.
Auch wenn hier ein Rückgang der Autonutzung zu erkennen ist,
geschieht dies geringer oder langsamer als in der Innenstadt.
Gleichzeitig ist jedoch gerade in den Außenbezirken ein stärkeres
Bevölkerungswachstum zu erkennen. Deswegen wurden besonders in den
Außenbezirken der Ausbau der Radwege- und Öffi-Infrastruktur sowie
eine kompakte Stadtentwicklung forciert.
– Darüber hinausgehend spielt auch die Generationenfrage eine Rolle.
Die eingangs erwähnte Auswertung des Modal Split der letzten 15 Jahre
hat ergeben, dass die junge Generation der 21 bis 30 Jährigen in der
Erhebungsperiode 2020-2024 mit 13 % PKWs bzw. motorisierte Zweiräder
deutlich weniger häufig nutzten als die Generation 40+ (31-34 %). Ab
30 Jahren ändert sich „erlerntes“ Mobilitätsverhalten nicht mehr
wesentlich. Während in den Jahren 2010-2014 die Jüngeren noch 46 %
ohne eigenes Auto lebten, sind es mittlerweile 60 %. Nachkommende
Generationen prägen das Verkehrsgeschehen somit zunehmend mehr,
lassen daher auch deutliche Änderungen des künftigen Modal Split
erwarten.
– Wetterphänomene relevant : Insbesondere der Rad-Freizeit-Verkehr
ist durch Wetterschwankungen und Starkwetter-Ereignisse beeinflusst.
Das Wetter im Jahr 2025 war weit unbeständiger als 2024 und
insbesondere der Juli war nass und verregnet.
Gemäß jüngster Wiener Lebensqualitätsstudie stimmen 87% der
Wiener*innen der Aussage zu, dass man in Wien ganz gut ohne Auto
leben kann. Und zwei Drittel befürworten den Rückbau von Straßen und
Parkplätzen zugunsten von Verkehrsberuhigung, für mehr Grünraum und
Kühlung, der nach dem Motto „Raus aus dem Asphalt“ im ganzen
Stadtgebiet zu beobachten ist. Um den Umstieg auf umweltfreundliche
Mobilitätsformen weiter zu forcieren, ist der weitere Ausbau der
entsprechenden Infrastruktur notwendig. Wien setzt weiter auf Ausbau,
Attraktivierung und Beschleunigung der Öffis, auf Sharing-Angebote,
auf den weiteren Ausbau des Radverkehrs und Verbesserungen für die
Fußgänger*innen.
Öffi-Ausbau und mehr Tempo für Bus und Bim
Der weiterhin hohe Anteil des öffentlichen Verkehrs am Modal
Split in Wien ist kein Zufall, sondern das Ergebnis eines
konsequenten Ausbaus und einer klaren Prioritätensetzung zugunsten
klimafreundlicher Mobilität. Täglich nutzen rund 2,47 Millionen
Fahrgäste das Netz der Wiener Linien, während über 9.500 Mitarbeiter*
innen für einen reibungslosen Betrieb sorgen.
Das Öffi-Angebot wird laufend erweitert: Der U-Bahn-Ausbau läuft
auf Hochtouren, die neue U2xU5 wird zusätzlich 300 Millionen
Fahrgäste im Jahr bewegen. In den letzten Jahren wurden gleich drei
neue Straßenbahnlinien auf Schiene gebracht: So verbindet die Linie
27 die Donaustadt und Floridsdorf. Die neue Linie 12 verbindet gleich
vier Bezirke und schließt wichtige Netzlücken. Mit der aktuell
laufenden Verlängerung der Linie 18 steht bereits das nächste
Großprojekt mit geplanter Inbetriebnahme im Herbst 2026 bevor. Die
Linie 18 fährt derzeit zwischen der U6-Station Burggasse-Stadthalle
und der U3-Station Schlachthausgasse. Mit dem Bau der circa 3,1
Kilometer langen, neuen Strecke und den 7 neuen Stationen wird die
Linie 18 in den 2. Bezirk bis zur U2-Station Stadion verlängert.
Auch im Busbereich sorgt ein neues Citybuskonzept für eine
bessere Erschließung dicht bebauter Stadtteile und in die
Nachbarbezirke inklusive bessere Direktanbindung in den Augarten.
Auch das Sharing-Angebot der Wiener Linien wird laufend
ausgeweitet: Die Öffi-Infrastruktur der Wiener Linien ist nicht nur
auf Bus, Bim und U-Bahn beschränkt. Der vierte Mobilitätszweig
WienMobil erfreut sich in den vergangenen Jahren zunehmender
Beliebtheit und hat auch 2025 für neue Rekorde gesorgt. Mehr als 1,14
Millionen Mal wurden die WienMobil-Räder im Vorjahr ausgeliehen – im
Vergleich zu 2024 eine Steigerung von 16 Prozent. Die 3100 WienMobil
Räder und 300 E-Bikes tragen nicht nur zur Gesundheit bei, sondern
tun auch der Umwelt etwas Gutes.
Flankiert wird der Öffi-Ausbau durch eine umfassende
Beschleunigungsoffensive der Wiener Linien gemeinsam mit der Stadt
Wien. Unter dem Motto „Mehr Tempo für Bus und Bim“ werden nun in
einem großangelegten, Dienststellen- und Betriebszweigübergreifenden
Programm 29 Straßenbahn- und 135 Autobuslinien genau unter die Lupe
genommen und mögliche Beschleunigungspotenziale erhoben. Erste
entsprechende Maßnahmen wurden bei der Linie D bereits umgesetzt.
Busse und Straßenbahnen sollen nach Möglichkeit nur mehr an der
Haltestelle halten. So wird der öffentliche Verkehr konsequent
gestärkt und weiter als Rückgrat einer modernen, leistbaren und
klimafreundlichen Mobilität in Wien ausgebaut.
https://www.wienerlinien.at/news/beschleunigungs-offensive-fuer-
oeffis
Wiens große Radwegoffensive
Um klimafreundliche Mobilität in Wien weiter zu stärken, geht
auch die Wiener Radwegoffensive weiter! Die rot-pinke Koalition hat
seit dem Start 2021 bereits über 250 Projekte und knapp 100 km im
Hauptradwegenetz umgesetzt, dazu kommen 50 km im Bezirksnetz. Auch
heuer geht der Ausbau weiter, es stehen 33 Projekte und 12,5 km neue
Radwege am Programm. Der besondere Fokus liegt 2026 auf
Lückenschlüssen und der Fortsetzung großer Radachsen. Zudem werden
neue Leuchtturmprojekte in Angriff genommen, wie am Ring, wo es in
Etappen zu einer Entflechtung des Rad- und Fußverkehrs kommt. Wo
immer es geht, werden innovative, kosteneffiziente Bauweisen
eingesetzt, wie sie etwa im Vorjahr bereits am Neubaugürtel umgesetzt
wurden. In Floridsdorf geht die Bezirksradwegoffensive – unter
anderem mit dem Lückenschluss auf der Brünner Straße – flott weiter.
In der Äußeren Mariahilfer Straße wird der 2. Teil des baulich
getrennten Zweirichtungsradweg bis zur Anschützgasse fortgesetzt und
damit eine komfortable Radverbindung auf fast 2 Kilometer vom Gürtel
durch den 15. Bezirk realisiert.
Weitere Infos zu den Radwegeprojekten inklusive interaktiver
Karte aller Projekte auf fahrradwien.at.
Raus aus dem Asphalt-Rekordbilanz – Attraktivierung für
FußgängerInnen
Auch die Voraussetzungen für das Zu-Fuß-Gehen werden von der
Stadt Wien laufend verbessert. Mit der Raus aus dem Asphalt-Offensive
werden neue Grünflächen geschaffen, Bäume gepflanzt und Flächen auch
durch Pflasterungen entsiegelt. Seit Start der Offensive wurden
bislang 344 Projekte in allen 23 Bezirken umgesetzt, 3.316 Bäume
allein im Straßenraum und auf Plätzen gepflanzt, über 2.740
Sitzmöglichkeiten errichtet und knapp 2.000 Quadratmeter Wasserspiel
geschaffen. Mit der historischen Begrünungsoffensive Wiens erfahren
die Grätzl eine massive Verbesserung des Mikroklimas und damit eine
Aufwertung der Lebensqualität. Zudem werden bei allen Baumaßnahmen im
Straßenraum Gehsteige im Kreuzungsbereichen vergrößert. Dadurch
können sich Verkehrsteilnehmer*innen besser sehen und Fußgänger*innen
haben kürzere und sichere Querungsmöglichkeiten. Es werden bei den
Umgestaltungsprojekten breitere Gehwege geschaffen und damit
angenehme Flaniermeilen geschaffen, wie etwa in der Thaliastraße in
Ottakring.
All diese Maßnahmen verbessern die Bedingungen, alltägliche Wege
zu Fuß zurückzulegen und machen diese Wege auch viel angenehmer und
einfach schöner.
rk-Fotoservice: https://presse.wien.gv.at/