St. Pölten (OTS) – Die anhaltende Trockenheit und Hitze des Jahres
2026 zählen zu den
schwersten der vergangenen Jahrzehnte. Ganz Niederösterreich ist
betroffen, besonders Ostösterreich leidet seit Monaten unter einem
Niederschlagsdefizit von rund 50 Prozent. In manchen Regionen sind
seit Jahresbeginn insgesamt nur rund 145 mm Niederschlag gefallen –
ein historisch niedriger Wert. Die Folgen sind in allen Bereichen der
Land- und Forstwirtschaft deutlich spürbar. Die aktuelle Situation
macht einmal mehr deutlich: Wasser ist zu einer der zentralen
Zukunftsfragen für die heimische Landwirtschaft und damit für die
regionale Versorgungssicherheit geworden. Wie groß der
Handlungsbedarf mittlerweile ist, zeigt das Kompetenzzentrum
Bewässerung.
Zwtl.: Dürre trifft alle Produktionssparten
Von Ackerbau über Gemüse-, Obst- und Weinbau bis hin zu Grünland,
Tierhaltung und Forstwirtschaft – die anhaltende Trockenheit betrifft
sämtliche Produktionsbereiche. Lokale Gewitter bringen zwar
kurzfristig Entlastung, können das großflächige und tiefreichende
Bodenwasserdefizit jedoch nicht ausgleichen. Gleichzeitig verschärfen
massiv gestiegene Produktionskosten die wirtschaftliche Situation
vieler Betriebe zusätzlich. Lorenz Mayr , Vizepräsident der
Landwirtschaftskammer Niederösterreich betont: „Die Betroffenheit auf
den Betrieben ist enorm. Die Kombination aus Trockenheit, Hitze und
steigenden Produktionskosten bringt viele Bäuerinnen und Bauern an
ihre Grenzen. Unsere Betriebe passen sich seit Jahren Schritt für
Schritt an die Folgen des Klimawandels an. Damit sie auch künftig
hochwertige heimische Lebensmittel produzieren können, brauchen sie
jedoch verlässliche Rahmenbedingungen und langfristige Perspektiven.“
Eine zentrale Voraussetzung dafür ist eine langfristig gesicherte
Wasserversorgung. LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf betont die große
Bedeutung für die bäuerlichen Betriebe im Land:
„Versorgungssicherheit beginnt mit der Verfügbarkeit von Wasser, denn
ohne Niederschläge kein Pflanzenwachstum. Deshalb braucht es den
konsequenten Ausbau von Bewässerungssystemen für die Landwirtschaft.
Wasser in der Region zu halten, gewinnt angesichts zunehmender
Trockenperioden immer mehr an Bedeutung.“
Zwtl.: Anpassung an den Klimawandel braucht viele Bausteine
Die Landwirtschaft passt sich seit vielen Jahren schrittweise an
die Folgen des Klimawandels an, die Betriebe setzen dabei
verschiedenste Maßnahmen um. Humusreiche Böden als natürliche
Wasserspeicher, vielfältige Fruchtfolgen, standortangepasste Sorten,
moderne Technik und ein effizienter Wasserrückhalt sind ebenso Teil
der Strategie wie eine Bewässerung dort, wo sie notwendig und
fachlich sinnvoll ist. Gleichzeitig wird laufend an einer weiteren
Effizienzsteigerung der Bewässerungstechnik gearbeitet, um Wasser
gezielt, bedarfsgerecht und ressourcenschonend einzusetzen. Genau
hier setzt das Kompetenzzentrum Bewässerung an. „Im Kompetenzzentrum
wird das Wissen aus Wasserwirtschaft und Landwirtschaft gebündelt und
dient sowohl den Gemeinden als auch den Bäuerinnen und Bauern als
Beratungsstelle“, so Pernkopf.
Zwtl.: Kompetenzzentrum Bewässerung: Know-how für ganz
Niederösterreich
Es wurde 2020 auf Initiative des Landes Niederösterreich und der
Landwirtschaftskammer Niederösterreich gegründet und ist in die
Betriebsgesellschaft Marchfeldkanal eingebettet. Diese verfügt über
mehr als drei Jahrzehnte Erfahrung im nachhaltigen Wassermanagement
und sichert mit dem Marchfeldkanalsystem den größten
zusammenhängenden Grundwasserkörper Österreichs.
Auf dieser Expertise aufbauend begleitet das Kompetenzzentrum
landwirtschaftliche Betriebe in ganz Niederösterreich bei der
Entwicklung nachhaltiger Bewässerungslösungen. Seit seiner Gründung
wurden bereits rund 180 Anfragen und Projekte begleitet – von Fragen
der Wasserherkunft über Speicherteiche, Leitungs- und Pumpsysteme bis
hin zu Bewässerungstechnik, Fördermöglichkeiten sowie wasser- und
naturschutzrechtlichen Verfahren.
Darüber hinaus bündelt das Kompetenzzentrum wissenschaftliches
Know-how, entwickelt neue Lösungen gemeinsam mit
Forschungseinrichtungen weiter und arbeitet an innovativen Methoden –
etwa der satellitengestützten Abschätzung des Bewässerungsbedarfs.
Gleichzeitig werden Möglichkeiten einer überregionalen
Wasserversorgung für besonders betroffene Regionen geprüft. Auffällig
ist, dass inzwischen immer mehr Anfragen aus Regionen kommen, die bis
vor wenigen Jahren noch über ein ausreichendes Wasserdargebot
verfügten – etwa aus dem Waldviertel.
Der Leiter des Kompetenzzentrum Bewässerung Franz Steiner
erklärt: „Das Marchfeldkanalsystem sichert die Wasserversorgung in
einer der trockensten Regionen Österreichs. Seit dem Jahr 1992 fließt
Wasser von der Donau in der Region und erfüllt eine Vielzahl von
Funktionen. Vorrangig errichtet für die Sicherung des größten
zusammenhängenden Grundwasserkörpers und der nachhaltigen Nutzung des
Grundwassers vor allem für die Landwirtschaft in der Region. Die
Bedeutung des Marchfeldkanalsystems und des Kompetenzzentrums
Bewässerung nimmt aufgrund von Wetterextremen und des Klimawandels
stetig zu. Wir sehen den steigenden Bedarf an einer gesicherten
Wasserversorgung in landwirtschaftlich bedeutenden
Produktionsgebieten und damit verbunden das Erfordernis, nachhaltige
Bewässerungssysteme zu etablieren und zu nutzen. Hierbei unterstützen
wir mit unserer Expertise und Erfahrung.“
Zwtl.: Jetzt braucht es konsequente Investitionen in die
Wasserversorgung
Langfristig führt kein Weg am Ausbau einer nachhaltigen
Wasserinfrastruktur vorbei. „Die aktuelle Dürre zeigt deutlicher denn
je: Wasser ist zu einer der zentralen Zukunftsfragen für die
Landwirtschaft geworden. Wer Versorgungssicherheit ernst nimmt, muss
heute in eine sichere Wasserversorgung investieren. Unsere Bäuerinnen
und Bauern leisten ihren Beitrag, sie können diese Herausforderung
aber nicht alleine stemmen“, so Pernkopf und Mayr.
Eine gesicherte Wasserversorgung ist nicht nur für die
Landwirtschaft von entscheidender Bedeutung. Sie sichert regionale
Wertschöpfung, stärkt die Versorgung mit heimischen Lebensmitteln und
ist damit eine Investition in die Zukunft Niederösterreichs.