Wien (OTS) – Der zweite Fördercall für Investitionszuschüsse im
Bereich
Photovoltaik zeigt deutlich: Österreich braucht eine neue Förderlogik
für den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien. Bis zum Ende des
Fördercalls am 30. Juni 2026 wurden knapp 28.000 Anträge eingereicht.
Aufgrund der begrenzten Mittel können jedoch nur rund 3.000 Anträge
berücksichtigt werden. Rund 25.000 Anträge können damit nicht bedient
werden. Bereits im ersten Call mussten rund 16.000 Anträge abgelehnt
werden.
Für den zweiten Call standen in Summe rund 20 Millionen Euro zur
Verfügung (12 Millionen Euro regulär + 8 Millionen aus Restmitteln).
Beantragt wurden Förderungen in Höhe von rund 120 Millionen Euro.
„Der zweite Fördercall macht ein strukturelles Problem sichtbar: Die
Nachfrage nach Photovoltaik-Förderungen ist weiterhin enorm,
gleichzeitig passt die bestehende Förderlogik nicht mehr ausreichend
zu den Realitäten am Markt und im Stromsystem. Die PV-Förderung muss
raus aus der Gießkanne. Photovoltaik ist in den vergangenen Jahren
deutlich günstiger geworden. Gleichzeitig steigen die Anforderungen
an Netze, Speicher und Systemintegration. Genau darauf geben wir mit
der geplanten EAG-Novelle eine konkrete Antwort“, sagt Energie-
Staatssekretärin Elisabeth Zehetner.
Photovoltaik-Ausbau braucht neues Zielbild
Die bisherige Förderlogik war stark darauf ausgerichtet,
möglichst viel neue Erzeugungsleistung auf den Weg zu bringen. Das
war in der Hochlaufphase richtig und wichtig. Heute steht Österreich
aber vor einer neuen Herausforderung: Ein modernes Energiesystem darf
nicht nur darauf ausgelegt sein, möglichst viel Strom zu erzeugen. Es
muss auch darauf ausgelegt sein, diesen Strom zur richtigen Zeit, am
richtigen Ort und zu vertretbaren Kosten nutzbar zu machen. „Wir
brauchen weiterhin mehr erneuerbaren Strom. Aber die entscheidende
Frage lautet künftig nicht nur: Wie viel Strom erzeugen wir? Sondern
auch: Wann wird er erzeugt, wo wird er gebraucht, wie wird er
gespeichert und wie entlastet er das Netz? Genau diese Fragen müssen
sich auch in der Förderpolitik widerspiegeln“, so Zehetner.
Dass sich der Markt verändert hat, zeigt der Blick auf die
Zahlen: Photovoltaik ist längst keine Nischentechnologie mehr,
sondern ein zentraler Bestandteil der heimischen Stromversorgung.
Gleichzeitig sind insbesondere PV-Module massiv günstiger geworden –
laut Fraunhofer ISE sind die Modulpreise bereits zwischen 2010 und
2020 um rund 90 Prozent gesunken. Heute sind Solaranlagen so günstig
wie nie. Was in der Hochlaufphase richtig war, muss daher jetzt
weiterentwickelt werden: Förderungen dürfen nicht mehr nur auf
möglichst viel zusätzliche Erzeugung abzielen, sondern müssen stärker
Speicher, Eigenverbrauch, Netzintegration und Systemdienlichkeit in
den Mittelpunkt stellen.
EAG-Novelle als Antwort: weniger Gießkanne, mehr Systemnutzen
Mit der EAG- und ÖSG-Novelle wird die Förderlogik künftig stärker
auf Speicher, Systemdienlichkeit und Marktintegration ausgerichtet.
Fördermittel sollen flexibler eingesetzt werden können. Gleichzeitig
werden klarere Regeln für negative Strompreise geschaffen. Für neue
Förderungen im Klein-PV-Bereich soll künftig stärker gelten:
Staatliche Unterstützung gibt es dort, wo Anlagen nicht nur Strom
erzeugen, sondern auch zur Eigenversorgung beitragen, das Netz
entlasten und europäische Wertschöpfung berücksichtigen. „Förderungen
müssen dort wirken, wo sie den größten Nutzen für das Energiesystem
und die Menschen bringen. Es kann nicht das Ziel sein, mit knappem
Steuergeld Anlagen zu fördern, die zwar Strom produzieren, aber das
Netz zusätzlich belasten. Künftig wollen wir stärker jene Lösungen
unterstützen, die Eigenverbrauch, Speicher und Netzdienlichkeit
zusammendenken“, betont Zehetner.
Konkret soll die gesetzliche Förderintensität für Photovoltaik
gesenkt werden. Künftig soll die Förderung maximal 20 Prozent
betragen, statt bisher bis zu 30 Prozent. Gleichzeitig soll die
Förderhöhe per Verordnung ab 2027 auch deutlich unter den
Empfehlungen des EAG-Gutachtens angesetzt werden können. Damit kann
rascher und flexibler auf Marktpreise, Kostendegression und budgetäre
Rahmenbedingungen reagiert werden.
Klein-PV künftig stärker mit Speicher und europäischer
Wertschöpfung verknüpfen
Ein weiterer Schwerpunkt betrifft den Klein-PV-Bereich.
Förderungen sollen künftig stärker an netzdienliche Speicher und Made
-in-Europe-Komponenten geknüpft werden. Für Wechselrichter ist eine
Made-in-Europe-Pflicht vorgesehen. Damit soll öffentliche Förderung
gezielter dort eingesetzt werden, wo sie neben dem Ausbau
erneuerbarer Energie auch Versorgungssicherheit, Netzstabilität und
europäische Wertschöpfung stärkt. „Geld vom Staat soll künftig
stärker dort eingesetzt werden, wo es echten Systemnutzen bringt.
Also bei Anlagen, die Menschen bei der Eigenversorgung unterstützen,
Speicher integrieren, das Netz entlasten und zugleich einen Beitrag
zu europäischer Technologie und Wertschöpfung leisten. Das ist
moderne Energiepolitik, die erneuerbar, leistbar und systemdienlich
ist“, sagt Zehetner.
Novelle soll rasch in Begutachtung gehen
Die EAG-Novelle befindet sich bereits in Koordinierung und soll
so rasch wie möglich in Begutachtung gehen. Ziel ist es, die
Förderlogik ab dem Förderjahr 2027 spürbar zu verbessern und stärker
an den Anforderungen eines modernen Energiesystems auszurichten. „Die
letzten Calls zeigen sehr klar, warum wir diese Novelle brauchen. Die
bisherige Förderlogik stößt an ihre Grenzen, weil die Nachfrage hoch
ist, die Mittel begrenzt sind und der Systemnutzen noch stärker in
den Mittelpunkt rücken muss. Unsere Antwort ist eine Förderpolitik,
die mit dem Markt mitlernt und das Energiesystem als Ganzes im Blick
hat. Wir wollen Photovoltaik weiter ausbauen, aber smarter,
treffsicherer und stärker mit Speicher und Netzen zusammengedacht“,
sagt Zehetner.