Wien (OTS) – Rund ein Viertel der in Österreich lebenden Frauen hat
eine
Behinderung, wie aus einer Studie der Statistik Austria hervorgeht.
Das sind etwa eine Million Frauen, die sich sorgen könnten, wegen
ihres Geschlechtes und gleichzeitig wegen ihrer Behinderung
diskriminiert zu werden; und das nicht zu Unrecht. Der KOBV
Österreich – Der Behindertenverband weist anlässlich des
Internationalen Frauentages am 8. März darauf hin, dass Frauen mit
Behinderungen nach wie vor zahlreiche Benachteiligungen erleben –
sowohl Frauen ohne Behinderungen als auch Männern mit Behinderungen
gegenüber.
Gründe für die besonders hohe Armuts- und Ausgrenzungsgefährdung
von Frauen mit Behinderungen sind etwa ein niedrigerer Bildungsstand,
geringere Chancen am Arbeitsmarkt, (finanzielle) Abhängigkeit,
Diskriminierung im öffentlichen Bereich, mangelnde politische
Mitsprache sowie eine überdurchschnittlich hohe Gewaltbetroffenheit.
Österreichs größter und ältester Behindertenverband drängt,
entsprechende Gegenmaßnahmen voranzutreiben.
Zwtl.: Altersarmut als großes Problem
Ein Thema, von dem vor allem Frauen betroffen sind, ist
Altersarmut. Haben Frauen eine Behinderung, wenn sie im
erwerbsfähigen Alter sind, kann das (später) zu ernsthaften
Existenzängsten führen. Frauen, denen es gesundheitsbedingt
vorübergehend nicht möglich ist, zu arbeiten, oder die keine für sie
geeignete Stelle bekommen, fehlen wichtige Versicherungsmonate für
die Pension. Da sie in der Regel jedoch ohnehin schon weniger
Versicherungsmonate durch Karenz, Pflege- und Betreuungsarbeit etc.
als Männer sammeln, wiegt dieser Umstand noch schwerer. Umso
wichtiger ist es, vorzusorgen. „Altersarmut von Frauen mit
Behinderungen kann zumindest dahingehend entgegengewirkt werden, dass
sie umfassend in den Arbeitsmarkt integriert und ihre Jobs gesichert
werden“, betont Regina Baumgartl, Generalsekretärin des KOBV
Österreich – Der Behindertenverband. „Als Interessenvertretung für
Menschen mit Behinderungen unterstützen wir insbesondere auch Frauen
mit Behinderungen im Arbeitsleben und auf ihrem Weg zu einer
Beschäftigung. Der aktuelle Sparkurs der Bundesregierung darf
keinesfalls zu weiteren Kürzungen arbeitsmarktpolitischer
Unterstützungsmaßnahmen führen, die fatale Auswirkungen gerade auch
für Frauen mit Behinderungen hätten“, ergänzt sie.
Die kürzlich eingeführte „Aktion 55+“ des AMS stellt zwar eine
wichtige Maßnahme dar, um älteren Arbeitslosen den Zugang zu einer
Beschäftigung zu erleichtern, das Programm sieht Stand jetzt jedoch
keine speziellen Aktionen für Frauen oder für Menschen mit
Behinderungen vor. „Ältere Frauen mit und ohne Behinderungen bringen
wertvolle Erfahrungen und Sichtweisen in einen Job ein. Wenn sie
nicht zielgerichtet gefördert werden, geht viel Potenzial am
Arbeitsmarkt verloren“, erklärt Baumgartl.
Zwtl.: Viel Gewalt, oft unterrepräsentiert
Auch unter Gewalt leiden vorwiegend Frauen und unter ihnen vor
allem Frauen mit Behinderungen, worauf der KOBV Österreich – Der
Behindertenverband schon mehrfach aufmerksam gemacht hat. Studien aus
Österreich und Europa zeigen, dass Frauen mit Behinderungen der
Gefahr von psychischer, physischer und sexueller Gewalt
überproportional häufig ausgesetzt sind, wobei letztgenannte Art
besonders negativ hervorsticht: Frauen mit Behinderungen erleben
wesentlich öfter (schwere) sexuelle Gewalt als Frauen ohne
Behinderungen und Männer mit Behinderungen. „Ein selbstbestimmtes
Leben, zu dem etwa auch sexuelle Aufklärung gehört, ist die
Voraussetzung dafür, Abhängigkeiten zu entgehen und damit das Risiko
für Gewalt zu reduzieren“, weiß KOBV-Österreich-Generalsekretärin
Baumgartl. Der KOBV Österreich – Der Behindertenverband fordert daher
nicht nur den Ausbau von barrierefreien Beratungs- und
Schutzangeboten, sondern auch die umfassende Berücksichtigung von
Frauen mit Behinderungen bei der Ausarbeitung politischer Maßnahmen
und Förderprogramme, da sie und ihre Lebensrealität oft nicht
einbezogen werden.
Besorgniserregend ist zudem, dass Frauen in der medizinischen
Forschung nicht den gleichen Stellenwert wie Männer haben, auch wenn
es diesbezüglich Fortschritte gibt. So waren bzw. sind Frauen in
klinischen Studien unterrepräsentiert, weshalb viele Ergebnisse nur
für Männer gelten (sollten). Abgesehen davon, dass Diagnosen bei
Frauen häufig gefährlich verspätet gestellt werden, ergibt sich
daraus ein weiteres ernstes Problem, weil manche Medikamente, zum
Beispiel Schmerzmittel und Antidepressiva, auf den weiblichen Körper
anders wirken als auf den männlichen. „Menschen mit Behinderungen und
chronischen Erkrankungen sind auf wirksame Medikamente angewiesen.
Gelinderte Symptome und weniger Schmerz sind für sie sehr viel wert
und fördern Lebensqualität. Arzneimittel, die hauptsächlich an
Männern getestet worden sind, haben den gewünschten Effekt auf Frauen
vielleicht nicht und schaden ihnen im schlimmsten Fall sogar“, hebt
Baumgartl die Wichtigkeit geschlechterrepräsentativer Untersuchungen
im medizinischen Bereich hervor.
Über den KOBV:
Der KOBV Österreich – Der Behindertenverband setzt sich seit 1945
für die Rechte und die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit
Behinderungen ein. Unser Ziel ist eine barrierefreie, inklusive und
sozial gerechte Gesellschaft für alle.