Wien (OTS) – In diesen Tagen beginnt in Österreich eine
Gerichtsverhandlung wegen
versuchten Mordes an einem Kind. Das betroffene Kind hat überlebt.
Viele andere Kinder haben dieses Glück nicht. Allein in den Monaten
Jänner und Februar dieses Jahres wurden in Österreich fünf Kinder
gewaltsam getötet.
„Diese Fälle führen uns schmerzhaft vor Augen, dass Kinder gerade
im engsten Umfeld besonders gefährdet sein können. Gewalt gegen
Kinder passiert meist dort, wo sie eigentlich Schutz und Geborgenheit
erfahren sollten“, sagt Hedwig Wölfl, Geschäftsführerin der
Kinderschutzorganisation die möwe.
Studien zeigen seit Jahren, dass junge Kinder – insbesondere
Buben – zu den am stärksten gefährdeten Personengruppen bei
Tötungsdelikten zählen. In den meisten Fällen geht die Gefahr dabei
vom unmittelbaren familiären Umfeld aus.
Schwerste Kindesmisshandlungen, darunter
Schütteltraumatisierungen, hinterlassen massive körperliche und
psychische Folgeschäden. Schädel-Hirn-Traumata im Säuglings- und
Kleinkindalter bedeuten ein hohes Risiko für bleibende Behinderungen
oder den Tod.
Die Hintergründe von Tötungsdelikten an Kindern sind
unterschiedlich und komplex. Sie reichen von Tötungen unmittelbar
nach der Geburt über massive Überforderung, Isolation und
psychosoziale Belastungen bis hin zu schweren psychiatrischen
Erkrankungen wie wahnhaften Störungen oder erweiterten Suiziden.
„Gerade weil Gewalt an Kindern meist im privaten Umfeld passiert,
braucht es starke Präventionsstrukturen und niederschwellige
Unterstützungsangebote für Familien. Viele Situationen eskalieren aus
Überforderung, fehlender Unterstützung oder unbehandelten psychischen
Belastungen“, betont Wölfl.
Zwtl.: Frühe Unterstützung kann Gewalt verhindern
Schwangerschaft und die ersten Lebensjahre eines Kindes stellen
Familien vor große Herausforderungen. Schlafmangel, finanzielle
Sorgen, Beziehungsbelastungen oder fehlende soziale Unterstützung
können Eltern an ihre Grenzen bringen.
Hier setzen die Frühen Hilfen an: Sie bieten ein
niederschwelliges, freiwilliges und kostenloses Unterstützungsangebot
für (werdende) Familien. Ziel ist es, Familien frühzeitig zu
begleiten, elterliche Kompetenzen zu stärken und Risiken für Kinder
zu reduzieren, bevor Gewalt entsteht.
Die Leiterin des Bereichs „Frühe Hilfen“ in der möwe Christina
Gerstbach weist darauf hin, dass Prävention nicht Kontrolle von
Familien bedeutet, sondern rechtzeitige Unterstützung. „Eltern müssen
wissen, dass sie Hilfe bekommen können, bevor Situationen
eskalieren“.
Zwtl.: Kinderschutzzentren helfen nach Gewalt
Wenn Gewalt bereits passiert ist, leisten Kinderschutzzentren
zentrale Unterstützung. Mit Krisenintervention, Beratung und
therapeutischer Begleitung erhalten betroffene Kinder, Jugendliche
und ihre Bezugspersonen die notwendige Hilfe.
Darüber hinaus vertreten sie die Rechte betroffener Kinder in
strafrechtlichen Ermittlungsverfahren – ebenso wie jene von
Geschwisterkindern oder Hinterbliebenen nach Tötungsdelikten.
Zwtl.: Bewusstsein schaffen und Hilfe sichtbar machen
Die Berichterstattung über Gewalt an Kindern ist schwer
auszuhalten – und dennoch wichtig. Sie macht sichtbar, dass
Kindeswohlgefährdung kein Randphänomen ist und in allen sozialen
Schichten vorkommen kann.
Gleichzeitig ist es entscheidend, dass mediale Berichterstattung
immer auch auf Unterstützungsangebote hinweist: auf Frühe Hilfen für
Eltern, auf Kinderschutzzentren für betroffene Kinder und auf
Hilfsangebote für Familien in Krisen.
„Eltern, die merken, dass sie an ihre Grenzen kommen, müssen
wissen: Es gibt Unterstützung. Hilfe anzunehmen ist ein Zeichen von
Verantwortung – und ein wichtiger Schritt, um Kinder zu schützen“,
sagt Wölfl.
Zwtl.: Kinderschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe
Jedes getötete oder schwer misshandelte Kind ist eines zu viel.
Die fünf Kindstötungen der ersten beiden Monate dieses Jahres dürfen
nicht zur bloßen Statistik werden.
Kinderschutz braucht ausreichende Ressourcen, starke
Präventionsangebote und eine Öffentlichkeit, die hinsieht. Ebenso
braucht es politische Verantwortung, die den Schutz von Kindern
strukturell, finanziell und präventiv absichert.
Wichtige Hilfsangebote:
die möwe Kinderschutz: www.die-moewe.at
Kinderschutzzentren in Österreich: www.kinderschuetzen.at
Frühe Hilfen in Österreich: www.fruehehilfen.at
Rat auf Draht: www.rataufdraht.at
Wichtige Begriffsdefinitionen (Infantizid, Neonatizid, …)
finden Sie auf unserer Webseite: https://die-moewe.at/fuenf-getoetete
-kinder-praevention-und-kinderschutz-brauchen-mehr-aufmerksamkeit/