Gewerbe und Handwerk erwartet Aufschwung nach dem Winter

Wien (OTS) – Das Gewerbe und Handwerk konnte die Geschäftsentwicklung
2025 noch
nicht ins Positive drehen. Während Österreichs Gesamtwirtschaft im
abgelaufenen Jahr laut Wirtschaftsforschern real (mengenmäßig, um
Preise bereinigt) um 0,5 Prozent gewachsen sein dürfte, bleibt das
Gewerbe und Handwerk mit voraussichtlich real -4,3 Prozent deutlich
negativ. Diese Prognose beruht auf der vierteljährlichen
Konjunkturbeobachtung von KMU Forschung Austria, deren Ergebnisse am
Donnerstag im Rahmen des Jahrespressegesprächs der Bundessparte
Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ)
präsentiert wurden.

Gewerbe und Handwerk war 2025 „Preisdämpfer“

Die Analyse belegt: Mit Preissteigerungen von +2,4 Prozent war
das Gewerbe und Handwerk im abgelaufenen Jahr ein dämpfender Faktor (
der Verbraucherpreisindex VPI ist in Österreich 2025 um +3,6 Prozent
gestiegen). Das bedeutet aber auch, dass die Betriebe ihre Kosten
nicht zur Gänze weitergeben konnten, was zulasten der
wirtschaftlichen Substanz geht.

Kalter Winter, kühle Erwartungen

Der Ausblick auf das 1. Quartal 2026 fällt unterkühlt aus. Nur 15
Prozent der Betriebe erwarten Steigerungen ihrer Aufträge bzw.
Umsätze. 27 Prozent befürchten weitere Rückgänge – somit ergibt sich
ein negativer Saldo (Überhang) von 12 Prozentpunkten.

Die Erwartungshaltung in den investitionsgüternahen Branchen, die
überwiegend vom Baubereich abhängig sind, fällt mit einem Saldo von –
14 Prozentpunkten deutlich negativer aus als in den konsumnahen
Branchen (Saldo -6 Prozentpunkte).

„Die Erwartungen zeigen eine geringe Dynamik und sind weiterhin
im negativen Bereich“, sagt dazu Christina Enichlmair von KMU
Forschung Austria: „Ein nachhaltiger Aufwärtstrend ist derzeit noch
nicht in Sicht.“

Trendwende bei privaten Wohnbaukrediten

„Wir hätten uns eine bessere Entwicklung erhofft, ganz
überraschend kommt diese Tendenz aber nicht. Für die konjunkturelle
Erholung wäre vor allem ein Anziehen der Bauleistung entscheidend.
Und gerade das ist im Winter saisonal schwierig“, sagt Manfred Denk ,
Obmann der Bundessparte Gewerbe und Handwerk in der WKÖ. Der sehr
kalte Jänner habe dabei wohl auch nicht geholfen: „Wir setzen jetzt
auf ein kräftiges Frühlingserwachen. Die deutlich gestiegene
Nachfrage nach privaten Wohnbaukrediten gibt uns Anlass zur
Hoffnung.“

Trotz der schwierigen Konjunktursituation will das Gewerbe und
Handwerk seine Beschäftigten halten: Die Planung des Personalbedarfs
fürs erste Quartal 2026 zeigt (wie schon in den fünf Jahren davor)
ein kleines Plus. Langfristig betrachtet ist das saisonal untypisch,
denn mit den „kalten Monaten“ geht üblicherweise geringerer
Personalbedarf einher.

„Das zeigt zwei Dinge: Das Thema Fachkräftemangel beschäftigt die
Betriebe weiterhin stark. Und es ist ein erfreuliches Indiz, dass
unsere Unternehmen den Glauben an den Aufschwung nicht verloren
haben“, sagt Spartenobmann Denk.

Mit Blick auf das erste Quartal 2026 gibt es einen Überhang an
„Optimisten“ (mehr Betriebe mit positiven als negativen Erwartungen)
bei den Personaldienstleistern und im Sicherheitsgewerbe (Saldo +14
Prozentpunkte), bei Kunststoffverarbeitern (+ 7 Prozentpunkte) sowie
bei Fußpflege, Kosmetik und Massage (+4 Prozentpunkte). Negativ sind
die Erwartungen vorrangig im Bauhilfsgewerbe (-31 Prozentpunkte),
Holzbau (-30 Prozentpunkte) und bei den exportabhängigen
Mechatronikern (-30 Prozentpunkte).

KMU-Strategie und Gleichstellung bei Energiepreisen

Wichtig sei es, dass eine Strategie für die produzierende
Wirtschaft die vielen Klein- und Mittelbetriebe im Land inkludiert,
fordert Denk: „Österreich ist ein KMU-Land. 99,6 Prozent der
heimischen Betriebe fallen in diese Kategorie, sie bilden das
Rückgrat der Wirtschaft. Wenn Österreich auf die Überholspur gebracht
werden soll, müssen ihre Bedürfnisse berücksichtigt werden.“

Dazu zähle auch die Gleichstellung bei den geplanten begünstigten
Energiekosten (Stichwort Industriestrompreis). Schließlich sei von
der Kostenexplosion jeder Betrieb betroffen; und auch im Gewerbe und
Handwerk gibt es besonders energieintensive Branchen, etwa das
Lebensmittelgewerbe (Bäcker, Fleischer, Konditoren, Nahrungs- und
Genussmittelgewerbe, Müller und Mischfuttererzeuger) oder die
Textilreiniger.

Valorisierung der Lehrstellenförderung gefordert

Im abgelaufenen Jahr war das Gewerbe und Handwerk mit 43.965
Lehrlingen in betrieblicher Ausbildung abermals die größte
„Talenteschmiede“, mit Respektabstand. Mehr als 45 Prozent der
heimischen Lehrlinge werden in Betrieben der Sparte Gewerbe und
Handwerk ausgebildet. Der Rückgang um 1455 Lehrlinge (-3,2 Prozent)
ist dennoch schmerzhaft, auch wenn dieses Minus geringer ausfällt als
in der Gesamtzahl über alle Sparten (-3,7 Prozent).

Spartenobmann Denk sieht darin ein „alarmierendes Zeichen für die
Fachkräftesicherung – weit über das Gewerbe und Handwerk hinaus“. Die
Ausbildung verlange den Betrieben einen enormen personellen wie
finanziellen Einsatz ab: „Sie ermöglichen jungen Menschen damit eine
persönliche wie berufliche Perspektive und tragen maßgeblich zur
Integration bei.“

85 Prozent der Ausbildungsbetriebe sehen ihren Einsatz folglich
als Verantwortung gegenüber Branche und Region. Für 82 Prozent ist
die Lehrlingsausbildung eine Form gesellschaftlichen Engagements.
Denk: „Das ist ein Dienst im Interesse der Gesellschaft, der leider
weder die angemessene Wertschätzung erfährt noch adäquat honoriert
wird.“ Angesichts der demografischen Entwicklung, der schulischen wie
sozialen Defizite vieler jungen Menschen, der steigenden
Bürokratiebelastungen und der mittlerweile jahrelangen Rezession sei
der steigende Aufwand für viele vor allem kleinere Betriebe kaum noch
zu stemmen.

Für den Staat hingegen ist ein Lehrling im Betrieb die mit
Abstand günstigste Ausbildungsform. Ein Lehrling verursacht der
öffentlichen Hand im Jahr 6.700 Euro Kosten (für Berufsschule und
Förderung, abzüglich Rückflüssen aus SV-Beiträgen und Lohnsteuer).
Ein Schüler/eine Schülerin einer berufsbildenden Schule (BMS, BHS)
schlägt für den Staat hingegen mit 12.000 Euro zu Buche. Und eine
Überbetriebliche Ausbildung im Auftrag des AMS kostet sogar mehr als
23.000 Euro, also mehr als das Dreifache.

Denk: „Wir fordern deshalb, dass die Lehrstellenförderung als
Beitrag zu den Investitionskosten der Ausbildungsbetriebe gesehen und
jährlich valorisiert wird, so wie das bei den Kosten von Schulen und
Universitäten schließlich auch der Fall ist. Eine Kürzung kommt für
uns nicht in Frage, das wäre ein fatales Signal.“

Licht und Schatten bei Bürokratie

Ein gemischtes Bild gibt es bei einem Dauerbrenner: Das erste
Bürokratie-Abbaupaket, das die Bundesregierung am 3. Dezember 2025
präsentiert hatte, wurde seitens der Sparte begrüßt. Damit werden
langjährige Forderungen erfüllt, etwa Erleichterungen bei
Betriebsgenehmigungen oder der Errichtung von PV-Anlagen, eine
verlängerte „Schonfrist“ bei Betriebsübergaben (Grace-Period) oder
höhere Schwellenwerte für die Buchführungspflicht.

„Das kann aber nur der erste Schritt gewesen sein. Bürokratie-
Abbau ist keine Momentaufnahme, sondern ein Dauerauftrag“, betont
Denk jedoch. Er warnt vor neuen Bürokratiemonstern, die den Betrieben
hohen Aufwand verursachen, ohne echten Mehrwert für Beschäftigte zu
bringen – beispielsweise die Hitzeschutzverordnung, die am 1. Jänner
2026 in Kraft getreten ist.

Kritisch sieht die Sparte auch die Umsetzung der EU-
Entgelttransparenzrichtlinie. Diese soll die Einkommen für
Beschäftigte einfacher vergleichbar machen. Allerdings gebe es allein
in den Kollektivverträgen im Gewerbe und Handwerk ohnehin mehr als
600 Lohn- und Verwendungsgruppen, welche Branchenspezifika
bestmöglich abbilden. Denk: „Wir haben in Österreich ein bewährtes
und transparentes System. Warum wird das über den Haufen geworfen für
ein bürokratisches Modell, das die betriebliche Realität gar nicht
erfassen kann?“

Der Obmann erinnert die Bundesregierung an ihr Anfang Dezember
getätigtes Versprechen: Damals hieß es, dass es künftig in Österreich
kein „Gold Plating“ mehr geben werde. Gemeint ist damit die Absage an
das Übererfüllen von EU-Vorgaben. (PWK037/HSP)