Große AK-Jugendstudie: Massive finanzielle & strukturelle Sorgen – Abwanderung weiterer junger Talente droht

Kärnten (OTS) – Wie tickt Kärntens Jugend, was bewegt sie und wo
drückt der Schuh am
meisten? Die repräsentative Jugendstudie „Sag uns, was geht“ der
Arbeiterkammer Kärnten liefert tiefgründige Einblicke in die
Lebensrealität der 14- bis 25-Jährigen im Bundesland. Die wichtigste
Botschaft vorweg: Die junge Generation ist keineswegs
politikverdrossen, sondern hochgradig engagiert – sie stößt im Alltag
jedoch an massive finanzielle und strukturelle Grenzen. Grundsätzlich
ist die Lebenszufriedenheit der jungen Kärntner:innen hoch: Neun von
zehn Befragten leben gerne im Land. Doch der Blick ins Detail
offenbart eine tiefe Kluft.

Zwtl.: Teuerungen belasten Jugend massiv!

„Ganze 35 Prozent sind mit ihrer aktuellen finanziellen Situation
unzufrieden; bei fast jeder und jedem Fünften reicht das Einkommen
nicht aus, um die laufenden Kosten zu decken. Zufriedenheit muss man
sich leisten können “ , bringt es Studienleiterin Martina Zandonella
vom Foresight Institut auf den Punkt. Die anhaltende Teuerung hat die
Jugend fest im Griff: 48 Prozent fühlten sich in den letzten zwölf
Monaten durch die Kosten für Lebensmittel ziemlich bis stark
belastet. Dahinter folgen die Kosten für Heizen und Strom (46 Prozent
) sowie die Wohnkosten (40 Prozent). Folgerichtig rangieren die
allgemeinen Lebenshaltungskosten (34 Prozent) und individuelle
Zukunftssorgen (29 Prozent) auf den vordersten Plätzen der größten
Sorgenfresser, noch vor Prüfungs- und Leistungsdruck (19 Prozent).

Zwtl.: Existenzsorgen verdrängen globale Krisen

Überraschend ist das scheinbare Desinteresse an globalen
Dauerthemen: Klimawandel (vier Prozent) oder Zuwanderung (ein Prozent
) betreffen die Befragten im Alltag laut Studie kaum. Die Erklärung
der Studienleitung dafür ist pragmatisch wie alarmierend: „Wenn man
kaum genug Geld zum Leben hat, werden andere, globale Themen
zwangsläufig zweitrangig.“ Diese permanente finanzielle Anspannung
hinterlässt auch gesundheitliche Spuren. 30 Prozent der Jugendlichen
berichten, dass es ihnen psychisch derzeit nicht gut geht. Es zeigt
sich: Psychische Gesundheit ist untrennbar mit finanzieller und
sozialer Sicherheit verbunden.

Zwtl.: Jugend will bleiben – bei besseren Rahmenbedingungen

Obwohl die Heimatverbundenheit groß ist (jede:r Vierte möchte
unbedingt in der Heimatgemeinde bleiben), plant jede:r Zehnte den
Wegzug. Betroffen sind davon vorwiegend Studierende und junge Frauen.
Die Mehrheit der Wegzugswilligen will Kärnten sogar ganz verlassen.
Die Gründe dafür sind struktureller Natur, weiß AK-Präsident Goach:
„Gesucht werden bessere Zukunftsaussichten bei Ausbildung und Arbeit
sowie eine modernere Infrastruktur.“ Besonders beim Thema Pendeln
wird die Belastung spürbar: Zwei Drittel der Befragten müssen zur
Ausbildung oder Arbeit in eine andere Gemeinde pendeln. Gleichzeitig
gibt es eine enorme Unzufriedenheit mit dem regionalen
Freizeitangebot, den Weiterbildungsmöglichkeiten und dem Mangel an
leistbarem Wohnraum.

Zwtl.: Hohe Weiterbildungsbereitschaft bei Erwerbstätigen

Die Studie räumt gründlich mit dem Vorurteil einer trägen
Generation auf. Gerade junge Erwerbstätige zeigen eine extrem hohe
Bereitschaft zur Weiterentwicklung: 70 Prozent wollen sich beruflich
fortbilden. Daniel Weidlitsch, Abteilungsleiter Bildungspolitik,
Jugend und Kultur: „Die AK Kärnten unterstützt diesen Wissensdurst.
Mit der AK-Akademie, maßgeschneiderten Bildungsberatungen sowie der
Jugendmarke AK Young bieten wir den Menschen genau die Werkzeuge, die
sie für die Arbeitswelt in Kärnten brauchen.“

Zwtl.: Nicht politikverdrossen, sondern ungehört

Ein weiteres Vorurteil, das die Studie widerlegt, ist die
vermeintliche Politikverdrossenheit. Die Jugend ist brennend an der
Mitgestaltung der Gesellschaft interessiert – es fehlt ihr bloß an
Foren und gelebter Demokratie im Alltag. Wie groß der
Gestaltungswille ist, zeigt das enorme soziale Engagement: Ob in
Sport-, Kultur- und religiösen Vereinen, in der Schule oder bei
Blaulichtorganisationen – Kärntens Jugend packt an. Goach hebt
hervor: „Das Engagement in Gewerkschaften, Betriebsräten und als
Jugendvertrauensrat liegt mit zehn Prozent der Befragten hoch. Unsere
Jugendlichen beweisen tagtäglich in Betrieben und Organisationen
Verantwortung. Sie verdienen es, dass man ihr auf Augenhöhe begegnet
und echte Mitbestimmungsräume schafft.“

Zwtl.: AK genießt hohes Vertrauen

In unsicheren Zeiten suchen junge Menschen Verlässlichkeit – und
finden diese in ihrer Interessenvertretung. Die AK genießt unter den
14- bis 25-Jährigen sehr hohes Vertrauen. Dies deckt sich mit den
Ergebnissen des jährlichen OGM-Vertrauensindex, in dem die AK auf dem
hervorragenden 5. Platz landet. Die Botschaft ist klar, betont Goach:
„Wir haben euch gehört. Die Studien-Ergebnisse sind für uns kein
theoretisches Papier, sondern ein konkreter Arbeitsauftrag an die
Politik und an uns selbst, Kärnten für die nächste Generation
zukunftsfit und leistbar zu machen.“

Zwtl.: Die AK fordert daher

– den öffentlichen Wohnbau deutlich auszubauen, um leistbaren
Wohnraum für junge Menschen langfristig zu sichern. Zusätzlich
braucht es Starterwohnungen, die Jugendlichen einen leistbaren und
unkomplizierten Einstieg in ein selbstständiges Leben ermöglichen.

– den Ausbau des öffentlichen Verkehrs massiv voranzutreiben, um
jungen Menschen verlässliche und leistbare Mobilität zu garantieren.

– den Erhalt und Ausbau regionaler Bildungsangebote, damit Aus- und
Weiterbildung für junge Menschen wohnortnah und verlässlich
zugänglich bleibt.

– Investitionen in die mentale Gesundheit Jugendlicher, insbesondere
durch den Ausbau psychosozialer Unterstützungsangebote.

– den Ausbau von Mitsprachemöglichkeiten und den Abbau rechtlicher
Hürden bei den Jugendvertrauensratswahlen, um junge Stimmen wirksam
zu stärken.