Wien (OTS) – Die Herbal Medicinal Products Platform Austria (HMPPA) –
bestehend
aus ExpertInnen österreichischer Universitäten – hat es sich zur
Aufgabe gemacht, jährlich die Arzneipflanze des Jahres in Österreich
zu küren. Diesmal fiel die Wahl auf den Echten Hopfen ( Humulus
lupulus L.), der neben seiner Verwendung zur Herstellung von Bier
auch eine lange Tradition als Heilpflanze in der Volksmedizin hat.
Bereits Hildegard von Bingen erkannte im 12. Jahrhundert seine
Wirkung auf Magen und Psyche. Spätere Kräuterbücher beschrieben
Hopfen als schmerzlindernd und entzündungshemmend. Hopfen gehört zur
Familie der Hanfgewächse (Cannabaceae), ist eine Kletterpflanze und
in Europa, Westasien und Teilen Nordafrikas heimisch. Arzneilich
verwendet werden die weiblichen Blütenstände, die eine Vielzahl von
Wirkstoffen enthalten, darunter Bitterstoffe (Alpha- und Betasäuren),
ätherische Öle (Myrcen, Humulen, Caryophyllen), sowie Polyphenole (
Flavonoide und Prenylflavonoide, wie Xanthohumol).
Hopfen wirkt beruhigend, schlaffördernd und angstlösend,
vermutlich durch die Beeinflussung des GABA-(Anm.: y-Aminobuttersäure
)-Systems und melatoninabhängiger Mechanismen. Ein weiterer möglicher
Einsatzbereich ist die Linderung von Beschwerden in den
Wechseljahren. Verantwortlich hierfür ist vor allem die
phytoöstrogene Wirkung von 8-Prenylnaringenin, welches an
Östrogenrezeptoren bindet und hormonähnliche Effekte vermittelt.
Antibakterielle, entzündungshemmende, stoffwechsel-modulierende,
neuroprotektive und antikanzerogene Wirkungen sind vor allem aus
Labor- und Tierstudien bekannt. Die Europäische Arzneimittelagentur (
EMA) stuft die weiblichen Blütenstände des Hopfens (Hopfenzapfen) als
traditionelles pflanzliches Arzneimittel ein. Es kann zur Linderung
leichter Symptome psychischer Belastung und zur Förderung des Schlafs
eingesetzt werden. Für Hopfen als Monopräparat liegen bislang keine
hochwertigen klinischen Studien zur Sedierung vor. Randomisierte,
doppelblinde Studien mit festen Baldrian-Hopfen-Kombinationen zeigten
hingegen signifikante Verbesserungen schlafbezogener Parameter,
darunter eine Verlängerung der Schlafdauer sowie eine Verbesserung
der objektiv gemessenen Schlafqualität.
Zu gastrointestinalen Wirkungen existieren kontrollierte
klinische Daten aus einer randomisierten, doppelblinden Crossover-
Studie mit gesunden Probanden. Nach Gabe von 500 mg Hopfenextrakt kam
es sowohl nach gastrischer als auch duodenaler Freisetzung zu einer
signifikanten Reduktion der Energieaufnahme im Vergleich zu Placebo.
Begleitend wurden hormonelle Veränderungen mit erhöhter Freisetzung
von Sättigungshormonen wie Cholecystokinin, GLP-1 und Peptid YY
beobachtet. Zusammenfassend sprechen klinische Daten für
schlaffördernde Effekte von Hopfen in pflanzlichen Kombinationen.
Gastrointestinale Effekte deuten auf eine hormonell vermittelte
Reduktion der Energieaufnahme hin.
Weitere Informationen: Link