wien (OTS) – Österreich wie Europa fordern mehr Integration –
gleichzeitig werden
jedoch politische Entscheidungen getroffen, die funktionierende
Integrationsprozesse erschweren oder zunichte machen. Vor diesem
Hintergrund findet die Fachkonferenz „Flüchten – Ankommen – Bleiben“
des Integrationshauses Wien zu einem Zeitpunkt statt, an dem die
Schieflage in der Integrations- und Asylpolitik deutlicher denn je
sichtbar wird.
„Wir sehen täglich, wie Integration gelingen kann – mit
Stabilität, Verlässlichkeit und Zugang zu Teilhabe“ , sagen die
Geschäftsführer*innen des Integrationshauses, Susanne Lettner und
Martin Wurzenrainer. „Doch derzeit werden Expertise und
funktionierende Ansätze massiv unter Druck gesetzt. Wir suchen
weiterhin nach Lösungen – zum Beispiel im Rahmen unserer
Fachkonferenz -, auch wenn die Rahmenbedingungen schwieriger werden.“
Zwtl.: Scheitern am Solidaritätsprinzip
Auf EU-Ebene fällt es den Mitgliedsstaaten zunehmend schwer, die
vereinbarte solidarische Verteilung von Geflüchteten einzuhalten. In
der öffentlichen Wahrnehmung scheint das Problem oft „in Brüssel“ zu
liegen – doch dasselbe Muster zeigt sich auch innerhalb Österreichs.
Die zwischen Bund und Ländern gültige 15a-Vereinbarung zur Verteilung
geflüchteter Menschen wird seit Jahren nur ungleich erfüllt. Manche
Bundesländer nehmen ihre Verantwortung kaum wahr, während andere –
wie Wien – deutlich mehr leisten, als ihnen zugeteilt wäre. Das
Ergebnis ist dasselbe wie auf europäischer Ebene: Wer Verantwortung
übernimmt, wird zusätzlich belastet.
Diese Entwicklung verschärft sich aktuell durch Sparmaßnahmen,
die auch integrationspolitisch wirksame Unterstützungsinstrumente
treffen. Maßnahmen zum Budgetausgleich gehen auf Kosten jener, die
ohnehin unter besonders prekären Bedingungen leben – und hebeln
gleichzeitig bestehende, gut funktionierende Integrationswege aus.
Das zeigen Beispiele wie das geplante Ende der Mindestsicherung für
subsidiär Schutzberechtigte in Wien.
Zwtl.: Druck auf Wohnraum, soziale Dienste und psychische Gesundheit
Das Integrationshaus begleitet jährlich über 5.000 Menschen –
viele davon mit subsidiärem Schutz. Ein großer Teil besucht Sprach-
und Qualifizierungskurse, nimmt AMS-Angebote wahr oder stockt
niedrige Einkommen auf. Ihr Fortschritt hängt maßgeblich von stabilen
Wohn- und Lebensverhältnissen ab.
Wenn diese Grundlagen durch Einsparungen oder starre gesetzliche
Vorgaben wegfallen, werden Wohnraumverlust, Armut, psychische
Belastungen und Überforderungen sozialer Dienste zur Realität. „ Seit
30 Jahren zeigen wir, wie Integration funktionieren kann “, betonen
Lettner und Wurzenrainer. „Doch ohne politische Rahmenbedingungen,
die Stabilität ermöglichen, geraten jahrzehntelange Erfolge ins
Wanken.“
Zwtl.: Fachkonferenz und Kampagne als notwendige Gegenstimme
Die Fachkonferenz „Flüchten – Ankommen – Bleiben“ versammelt
Expert*innen aus Wissenschaft, Praxis und Politik, um Wege
aufzuzeigen, wie Integration auch unter restriktiven und volatilen
politischen Bedingungen gelingen kann. Sie knüpft an die gleichnamige
Fachpublikation an und wird von der Kampagne „BE A MENSCH“ begleitet,
die ein starkes gesellschaftliches Zeichen für Humanität und
Verantwortungsübernahme setzt.
Informationen zur Konferenz finden Sie unter
www.integrationshaus.at/fachkonferenz
Verein Projekt Integrationshaus – 30 Jahre BE A MENSCH
Das Integrationshaus ist ein anerkanntes Kompetenzzentrum für die
Aufnahme und Integration von geflüchteten Menschen, Migrant*innen,
Kindern und Jugendlichen. Schutzsuchende finden hier sowohl
Unterkunft als auch Betreuung, Bildung und Beratung. Besonders
berücksichtigt werden Menschen mit erhöhtem Betreuungsbedarf, wie
Traumatisierte, Alleinerzieher*innen, physisch und psychisch Kranke
sowie unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Das Integrationshaus
hilft ihnen, Zukunftsperspektiven zu finden und ist ein
Praxisbeispiel für Flüchtlingsschutz, Mehrsprachigkeit, Vielfalt und
Chancengerechtigkeit. Über 190 Mitarbeiter*innen zeigen gemeinsam mit
Freiwilligen tagtäglich, wie die Aufnahme, Integration und
Unterstützung von Rat- und Schutzsuchenden bestmöglich funktioniert.
Pressefotos unter www.integrationshaus.at/presse