Wien (OTS) – „Lärm zählt nach wie vor zu den größten
Umweltbelastungen unserer
Zeit und kann erhebliche Auswirkungen auf Gesundheit, Wohlbefinden,
Lebensqualität und Leistungsfähigkeit haben. Außerdem verursacht Lärm
hohe volkswirtschaftliche Kosten“, sagt Piero Lercher, Referent für
Umweltmedizin in der Österreichischen Ärztekammer, im Vorfeld des
Internationalen Tages gegen den Lärm am 29. April. „Ziel muss es
deshalb sein, das Bewusstsein für die Bedeutung von Ruhe zu stärken
und ausreichend Ruheareale in unserem Lebensumfeld zu schaffen.“
Zwtl.: Gesundheitliche Gefahren und hohe Kosten
„In unserer heutigen Welt werden wir ständig von einer Unmenge an
verschiedensten Geräuschen überflutet. Derweil reagiert unser Körper
auf laute und störende Geräusche immer noch gleich wie zu Urzeiten“,
erklärt Lercher. Durch Lärm würden Stresshormone ausgeschüttet, die
das Nervensystem und das Hormonsystem negativ beeinflussen. Die
permanente Auslösung solcher Stressreaktionen könne zu
Schlafstörungen, Konzentrationsschwäche, Aggressionen, Bluthochdruck
oder Diabetes führen. Verkehrslärm etwa gehe nachweislich mit einer
erhöhten kardiovaskulären Morbidität und Mortalität einher.
Auch durch Lärm bedingte Einschlaf- und Durchschlafstörungen
dürften nicht verharmlost werden, warnt Lercher: „Sie werden schon
durch relativ niedrige Lärmpegel ausgelöst, können längerfristig aber
zu ernsthaften Organstörungen und physischen Erkrankungen führen,
aber auch die psychische Gesundheit stark beeinträchtigen: „Dringt
Umgebungslärm in Gefühle sowie Gedanken und stört den Schlaf und die
Erholung, entstehen Erschöpfung und Depressionen.“
Lärm habe zudem auch enorme volkswirtschaftliche Auswirkungen,
die sich neben steigenden Gesundheitskosten auch in anderen Bereichen
widerspiegelten. So mindere Lärm etwa den Wert von Immobilien,
wodurch auch die Mietpreise sinken würden.
Zwtl.: KI kein alleiniger Problemlöser
In immer mehr Ländern werde künstliche Intelligenz auf ihr
Lösungspotenzial in Sachen Lärmbewältigung geprüft, wie etwa auch in
Deutschland, das seinen heurigen Schwerpunk beim Aktionstag auf KI-
gesteuerte Umweltgestaltung setzt. So könnten durch Analysen hoher
Datenmengen die Verkehrsströme optimiert, Lärmquellen frühzeitig
erkannt und gezielte Gegenmaßnahmen entwickelt werden. Darüber hinaus
ließen sich durch die Verknüpfung verschiedener Umweltfaktoren – wie
Luftqualität, Verkehrsplanung und Architektur – Synergien erzielen,
die zu einer deutlichen Verbesserung der Lebensqualität beitragen
würden. „Der Einsatz von KI kann zwar zur Lärmminimierung beitragen,
aber erst müssen Ruhezonen geschaffen werden“, fordert Lercher
sinnvolle Prioritätensetzung ein. Außerdem müsse KI immer in
Kombination mit menschlichen Kontrollmöglichkeiten eingesetzt werden.
Zwtl.: Ideen für die Zukunft
Ruhe sei eine kostbare, natürliche Ressource, die für die
Gesundheit unabdingbar sei und mit allen Mitteln gewahrt werden
müsse. „Städte brauchen mehr Freiräume und naturbelassene Grünzonen,
die als permanente und leicht erreichbare Oasen der Ruhe dienen
können.“ Für stark lärmbelastete Bereiche wie etwa Autobahnen,
könnten auch inter- und multidisziplinäre Lösungsansätze angedacht
werden, die mehrere Probleme gleichzeitig lösen würden. „So könnten
etwa Schallschutzwände mit Solarmodulen bestückt werden und einen
wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Energieerzeugung leisten, ohne
dass Freiflächen dafür geopfert werden müssen“, schlägt Lercher vor.