Leitbetriebe Austria & BMEIA: Zu viel Bürokratie bremst den Standort

Wien (OTS) – Bürokratie wächst nicht zufällig. Sie entsteht durch das
Zusammenspiel von Regulierung, Umsetzung und Kontrolle, folgt dabei
einer eigenen Dynamik. Genau diese Zusammenhänge standen im Zentrum
der Veranstaltung „Business meets Diplomacy“, die Leitbetriebe
Austria gemeinsam mit dem Unternehmensservice des Bundesministeriums
für europäische und internationale Angelegenheiten (BMEIA) im Rahmen
der Initiative ReFocus Austria veranstalteten. Im Austausch zwischen
österreichischer Wirtschaft, Politik und europäischer Ebene wurde
analysiert, wo diese Dynamiken entstehen und wie bestehende Systeme
effizienter gestaltet werden können.

Zwtl.: Diplomatie als Brücke zwischen Wirtschaft und Politik

Vor diesem Hintergrund wurde auch die Rolle der
wirtschaftsorientierten Diplomatie als verbindendes Element zwischen
Wirtschaft und Politik hervorgehoben. Leitbetriebe Austria arbeitet
seit dem Start des Unternehmensservice im BMEIA eng mit diesem
zusammen.

Staatssekretär Sepp Schellhorn betonte die Bedeutung dieses
Austauschs und lud die Wirtschaft ein, sich aktiv einzubringen: „Wir
sind auf konkrete Rückmeldungen aus der Praxis angewiesen. Es ist
wichtig, dass Unternehmen ihre Themen frühzeitig kommunizieren –
idealerweise verbunden mit machbaren Lösungsansätzen. Nur so können
wir gezielt Verbesserungen erreichen und den Standort nachhaltig
stärken. Denn zu viel Bürokratie entsteht dort, wo Regeln an der
Praxis vorbeigehen. Genau deshalb holen wir uns Rückmeldungen direkt
aus den Unternehmen – und setzen sie konsequent um. Weniger
Bürokratie heißt am Ende mehr Tempo, mehr Investitionen und mehr
Wettbewerbsfähigkeit.“

Zwtl.: Rahmenbedingungen müssen praktikabel und wirksam sein

Monica Rintersbacher, Geschäftsführerin von Leitbetriebe Austria,
machte deutlich, worauf es aus Sicht der Unternehmen ankommt:
„Entbürokratisierung ist ein entscheidender Hebel für
unternehmerischen Erfolg und faire Leistungsfähigkeit. Es braucht
Rahmenbedingungen, die klar, verständlich und vor allem im Alltag
umsetzbar sind. Gute Regulierung zeigt sich daran, dass sie wirkt und
nicht daran, wie komplex sie ist.“

Zwtl.: Komplexität entsteht im Zusammenspiel der Ebenen

Die Diskussion zeigte, dass Bürokratie häufig nicht durch
einzelne Regelungen entsteht, sondern durch das Zusammenspiel von
europäischen Vorgaben, nationaler Ausgestaltung und administrativer
Durchführung.

Dabei wurde auch das Subsidiaritätsprinzip als wichtiger
Orientierungsrahmen genannt, also die klare Frage, welche Aufgaben
auf welcher Ebene am sinnvollsten gelöst werden. In der Praxis wird
dieses Prinzip jedoch nicht immer konsequent angewendet, was
zusätzliche Komplexität hervorruft.

Zwtl.: Realisierung als entscheidender Erfolgsfaktor

Ein zentrales Ergebnis des Expertengesprächs: Erkenntnisse zum
Bürokratieabbau liegen seit Jahren vor. Die Herausforderung liegt in
der durchgängigen Ausführung.

Viktor Wagner, Geschäftsführer REIWAG, sieht darin eine besondere
Chance: „Der Staatssekretär muss unterstützt werden – wir haben jetzt
eine historische Chance zur Deregulierung. Wenn es gelingt, hier
zielstrebig anzusetzen, ist das enorm wertvoll für ganz Österreich.“

Vergangene Initiativen seien oft an zu komplexen Strukturen,
fehlender Priorisierung oder mangelnder Verbindlichkeit gescheitert.
Daraus gelte es zu lernen.

Zwtl.: Europäische Ebene und nationale Verantwortung gemeinsam denken

Auch die europäische Perspektive wurde differenziert beleuchtet.
Michael Wimmer, Direktor für Vereinfachung, Implementierung und
Durchsetzung des EU Rechts, aus dem Generalsekretariat der
Europäischen Kommission betonte, dass die Europäische Union offensiv
daran arbeite, Regelwerke zu vereinfachen. Allein 2025 wurden
Vorschläge vorgelegt, durch die laufende Verwaltungskosten um
schätzungsweise 15 Milliarden Euro gesenkt werden sollen. Dazu kommen
einmalige Entlastungen von 6 Milliarden Euro. Mehr als die Hälfte des
Arbeitsprogramms für 2026 verfolge ein Vereinfachungsziel, wobei ein
wesentlicher Teil der Verantwortung bei der gesetzgeberischen
Mitentscheidung und in der nationalen Umsetzung liege. „Entscheidend
ist, bestehende Spielräume gezielt zu nutzen und zusätzliche
Belastungen – etwa auch in Form von ‚Gold Plating‘ – zu vermeiden.“

Zwtl.: Praxisfeedback systematisch nutzen

Christoph Gärner, Fachreferent im Kabinett des Staatssekretärs,
verwies auf die Notwendigkeit, Bürokratie konsequent an den Bedarfen
und Möglichkeiten der Praxis auszurichten: „Regulatorik hat zumeist
ihren Nutzen. Entscheidend ist, dass sie verständlich und
realisierbar bleibt. Die Rahmenbedingungen sind dann gelungen, wenn
sie zuverlässig praktikabel sind.“

Mit dem Beteiligungstool SEDA steht nun eine offene Plattform zur
Verfügung, über die Unternehmen konkrete Anliegen inklusive
Lösungsansätzen einbringen können. Ziel ist es, diese Rückmeldungen
systematisch in Gesetzgebungs- und Reformprozesse zu integrieren. Zu
diesem Zwecke wurde ein regelmäßiger Austausch innerhalb der
Bundesregierung, zwischen Bund, Ländern und Gemeinden wie auch
zwischen dem BMEIA und der Europäischen Union etabliert.

Zwtl.: Fazit: Weniger Komplexität, mehr Wirkung

Die Veranstaltung machte deutlich: Entbürokratisierung ist ein
wesentlicher Treiber für unternehmerischen Erfolg und einen
leistungsfähigen Standort. Der wichtigste Faktor liegt in der
disziplinierten Ausführung, klaren Zuständigkeiten und einem
stärkeren Fokus auf Wirkung statt Komplexität. Gefordert sind alle
Ebenen von der europäischen Gesetzgebung über die nationale
Implementierung bis hin zur Verwaltung.
Entscheidend wird sein, vorhandene Erkenntnisse ‚endlich‘ umzusetzen
und den Mut für strukturelle Reformen aufzubringen.
Leitbetriebe Austria wird diesen Prozess weiterhin aktiv als
Plattform für Austausch, Bewusstseinsbildung und zielgerichtete
Lösungen begleiten.

Weitere Informationen:

Zwtl.: Über Unternehmerservice

Die Abteilung für Unternehmensservice im Außenministerium, seit
2018 von Ulrike Ritzinger verantwortet, ist die zentrale Anlaufstelle
für österreichische Unternehmen. Das Unternehmensservice des BMEIA
unterstützt österreichische Unternehmen bei der Wahrung ihrer
Interessen im Ausland. Neben der aktiven Betreuung österreichischer
Unternehmen bewirbt das Unternehmensservice auch Österreich als
Wirtschafts- und Forschungsstandort, als Tourismusdestination und als
Industrie-Hotspot. Dies geschieht etwa im Rahmen der
Wirtschaftsinitiative „ReFocus Austria“, der Veranstaltungsreihe
„Business meets Diplomacy“ oder dem internationalen Besuchsprogramm
„ALPS – Austrian Leadership Programs“.
www.bmeia.gv.at/unternehmensservice

Zwtl.: Über SEDA

Mit 26. Oktober 2025 nahm die Servicestelle für
Entbürokratisierungs- und Deregulierungsanliegen (SEDA) im
Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten
ihren Betrieb auf. Seit ihrer Einrichtung sind dort mehr als 4500
Vorschläge zu Entbürokratisierung und Deregulierung, großteils von
Bürgerinnen und Bürgern sowie Unternehmen, eingegangen. Ein Teil
dieser Vorschläge wurde beim ersten Entbürokratisierungspaket im
Dezember 2025 aufgegriffen, das sich derzeit in der Umsetzung
befindet. Parallel dazu laufen aktuell die Vorbereitungen für das
nächste Entbürokratisierungspaket, das sich erneut auch auf
Vorschläge aus SEDA stützen wird. www.bmeia.gv.at/SEDA

Zwtl.: Über Leitbetriebe Austria

Leitbetriebe Austria repräsentiert die Vorbildunternehmen der
heimischen Wirtschaft und bietet eine einzigartige Plattform zur
Positionierung als Vorzeigeunternehmen, exklusives
Beziehungsmanagement und vertrauensvollen Wissenstransfer.
Leitbetriebe sind Unternehmen, die abseits vom wirtschaftlichen
Erfolg auch gesellschafts-, umwelt- und sozialpolitische
Verantwortung übernehmen. Eine Zertifizierung als Leitbetrieb erfolgt
nach erfolgreicher Durchführung des speziell entwickelten
Qualifikationsverfahrens. www.leitbetriebe.at