Mit Kreislaufwirtschaft aus der Krise: Weniger Abhängigkeit, weniger Müll, mehr Resilienz

Wien, 25.3. (OTS) – Am 2. April erreicht Österreich heuer den
nationalen
Welterschöpfungstag. Bereits zu diesem Zeitpunkt wären, wenn alle so
leben würden wie die Menschen hierzulande, alle Ressourcen
verbraucht, die die Erde innerhalb eines Jahres bereitstellt. Aktuell
entspricht der Verbrauch dem Bedarf von fast vier Erden. Eine Lösung
liegt in der Kreislaufwirtschaft.

Kreislaufwirtschaft wirkt – vor allem im Zusammenspiel
Die Forschung zeigt, dass Kreislaufwirtschaft einen messbaren Beitrag
zum Klimaschutz leisten kann. Maßnahmen wie Wiederverwendung,
Reparatur oder Recycling reduzieren Energieverbrauch und Emissionen
in Industrie, Bau und Konsum. Sozialökologe Dominik Wiedenhofer von
der Universität für Bodenkultur hat gemeinsam mit einem
internationalen Forschungsteam 76 Studien ausgewertet, die diese
Effekte untersuchen: „Kreislaufmaßnahmen allein senken
Treibhausgasemissionen im Durchschnitt um 17 Prozent. Im
Zusammenspiel mit Energieeffizienz und einer klimaneutralen
Energieversorgung steigt das Potenzial auf rund 50 Prozent.“ Die
Analyse zeigt auch, dass Kreislaufwirtschaft mehr umfasst als
Recycling. „Sie reicht von der Vermeidung unnötiger Produkte bis hin
zu neuen Nutzungsmodellen“, so Wiedenhofer weiter.

Soziale Dimension mitdenken
Kreislaufwirtschaft betrifft nicht nur Umwelt und Wirtschaft, sondern
auch soziale Fragen. Sozioökonom Lukas Richter von der
Wirtschaftsuniversität Wien hat dazu über 1000 Menschen in einer
Studie im Auftrag des ehemaligen Klimaschutzministeriums (jetzt:
BMLUK) befragt. „Menschen mit finanziellen Einschränkungen nutzen
nachhaltige Praktiken wie Reparatur oder Second-Hand häufiger,
allerdings oft aus wirtschaftlicher Notwendigkeit. Gleichzeitig
stoßen sie dort an Grenzen, wo Angebote fehlen oder nicht leistbar
sind. Ob nachhaltiges Verhalten gelingt, hängt also vom Zugang, der
Infrastruktur und einer einfachen Nutzung ab“, so Richter. Sein
Resümee: „Damit Kreislaufwirtschaft breit wirkt, müssen politische
Maßnahmen diese Unterschiede berücksichtigen. Nachhaltige Optionen
müssen für alle Bevölkerungsgruppen zugänglich und leistbar sein.“

Von Einzelmaßnahmen zur Gesamtstrategie
Reparaturbonus, Pfandsystem und Sharing-Modelle zeigen, dass
Kreislaufwirtschaft in Österreich funktioniert und von der
Bevölkerung angenommen wird. Zwar gibt es eine Strategie, aber kein
entsprechendes Gesetz. Die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 hat
mit Unterstützung der AK Wien das ÖKOBÜRO – Allianz der
Umweltbewegung mit dem Entwurf eines solchen beauftragt. “Mit unserem
Gesetzesentwurf gehen wir nun in Vorlage. Ein
Kreislaufwirtschaftsgesetz schafft klare Zuständigkeiten, damit wir
unseren Ressourcenverbrauch auch wirklich senken. Denn es ist völlig
klar, dass wir so nicht weitermachen können. Mit einem Gesetz können
wir die Verschwendung von Ressourcen beenden, die Müllflut stoppen
und unser Klima wieder in den Griff bekommen. Die Lösung liegt in der
Kreislaufwirtschaft”, ist Anna Leitner, Sprecherin für Ressourcen der
Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000, überzeugt.

Co-Autor Daniel Ennöckl, Leiter des Instituts für
Rechtswissenschaften der BOKU University ergänzt: “Das Gesetz
verankert Wiederverwendung in wichtigen Bereichen wie Bildung,
öffentlicher Beschaffung und in allen Bereichen der Wirtschaft. Es
bietet Anreize dafür, dass Produkte länger genutzt werden, Reparatur
für alle Menschen zugänglich wird und neue nachhaltige Jobs
entstehen“.

Konkrete Hebel für Wirtschaft und Politik
Ein wirksames Kreislaufwirtschaftsgesetz setzt entlang des gesamten
Produktlebenszyklus an:
· Produkte so gestalten, dass sie langlebig, reparierbar und
zerlegbar sind
· Bestehende Gebäude nutzen und sanieren statt neu zu bauen
· Geschäftsmodelle begrenzen, die auf schnellen Verschleiß setzen
· Problematische und fossile Stoffe schrittweise ersetzen
· Öffentliche Mittel gezielt für nachhaltige Lösungen einsetzen

Diese Maßnahmen stärken Innovation, reduzieren Abhängigkeiten und
schaffen neue wirtschaftliche Chancen. Ziel ist es, den
Ressourcenverbrauch zu senken und den Welterschöpfungstag wieder
Richtung Jahresende zu schieben.

Den Entwurf zum Kreislaufwirtschaftsgesetz finden Sie hier

Die Studien zu den Kreislaufmaßnahmen finden Sie hier und hier