Wien (OTS) – Angesichts zahlreicher weltpolitischer Unsicherheiten
pochen LKÖ-
Präsident Josef Moosbrugger und LK Kärnten-Präsident Siegfried Huber
darauf, dass europäische und nationale Politik – neben der
allgemeinen Sicherheit – auch das Thema Versorgungssicherheit
verstärkt in den Fokus rücken. Dafür müssen Wettbewerbsfähigkeit,
Wirtschaftlichkeit und echte Nachhaltigkeit wieder mehr forciert
werden, wie die beiden bäuerlichen Interessenvertreter heute bei
einem Pressegespräch anlässlich des Sommertreffens aller
Landwirtschaftskammerpräsidenten betonten.
Dieses findet nach neun Jahren wieder in Kärnten statt und widmet
sich neben agrarpolitischen Brennpunkten wie der künftigen
Ausgestaltung und Finanzierung der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik (GAP)
auch besonderen Leistungen und Anliegen des südlichsten Bundeslands
Österreichs.
Steigende Kosten bei gleichbleibenden bis sinkenden
Erzeugerpreisen
„Wir erwarten auch in diesem Jahr einen agrarpolitisch heißen
Sommer, denn die Herausforderungen auf allen Ebenen könnten größer
kaum sein. Neben der mittlerweile allgegenwärtigen Klimaerhitzung mit
Ertragseinbußen gibt es in der Welt zahlreiche Krisen- und
Kriegsherde, die sich bis zu den einzelnen Betrieben auswirken und zu
massiven Kostensteigerungen führen – bei gleichbleibenden bis
sinkenden Erzeugerpreisen“, berichtete Moosbrugger.
Nicht Land- und Forstwirtschaft anderen Interessen opfern
„Spätestens angesichts dieser Situation würden wir uns erwarten,
dass die EU-Kommission die Zeichen der Zeit erkennt, den aktuellen
Entwicklungen Rechnung trägt und ihren Fokus auf eine nachhaltige
Versorgung mit Lebensmitteln, erneuerbaren Rohstoffen und Energie aus
Europa legt. Doch das Gegenteil ist vielfach der Fall: Sie verfolgt
unbeirrt längst überholte, in einem völlig anderen geopolitischen
Umfeld geschaffene Strategien und opfert kontinuierlich die
Landwirtschaft anderen Interessen“, kritisierte der LKÖ-Präsident.
Beispiele seien etwa die in Verwaldungsländern wie Österreich völlig
unnötige EU-Entwaldungsverordnung, der Schutz der EU-
Düngemittelindustrie auf Kosten der Landwirtschaft oder diverse
internationale Handelsabkommen.
„In Summe werden unsere land- und forstwirtschaftlichen
Familienunternehmen mit immer höheren Auflagen sowie zunehmenden
Dokumentations- und Aufzeichnungspflichten gelähmt, die für Importe
meist nicht gelten. Auch die überzogenen Kriterien bei der Zulassung
von neuen Wirkstoffen sowie der Verlust von bewährten Werkzeugen zum
Schutz der Ernten bringen die Bäuerinnen und Bauern an ihre Grenzen,
während in die EU liefernde Produzenten diese sehr wohl einsetzen
dürfen. Ähnliches gilt auch im Tierhaltungs- und Tierwohlbereich“,
monierte der LKÖ-Präsident.
Moosbrugger: Längst überholte Strategien anpassen,
Wettbewerbsfähigkeit forcieren
„Wir fordern daher, dass die EU-Kommission den weltpolitischen
Entwicklungen Rechnung trägt und ihre längst überholten Strategien
gezielt anpasst. Sie muss dringend wieder für mehr
Wettbewerbsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit der bäuerlichen Betriebe
sorgen, damit diese Perspektiven haben und uns auch in Zukunft
versorgen können. Was für unsere Produzenten an Auflagen gilt, muss
auch für Importe gelten. Das ist mit Vor-Ort-Kontrollen zu
überprüfen“, unterstrich Moosbrugger.
„Außerdem brauchen wir eine ausreichend finanziell ausgestattete,
starke Gemeinsame EU-Agrarpolitik. Wer Mittel kürzen möchte, muss
sagen, auf welche bäuerlichen Leistungen er verzichten möchte. Mehr
statt weniger Mittel wären wichtig, um die land- und
forstwirtschaftlichen Familienunternehmen, die teilweise schon ‚am
Knochen‘ sind, wieder zum Investieren zu bringen. Ein Sektor ohne
Investitionen hat keine Zukunft und ist für die Jugend nicht
attraktiv. Wir wollen aber unsere unverzichtbaren Leistungen für die
gesamte Gesellschaft auch in Zukunft erbringen“, so der LKÖ-
Präsident.
Huber: Vielfältige Herausforderungen brauchen verlässlichen
Partner
„Auch wir richten unsere Augen gespannt und mit Sorge auf die
derzeit laufenden Verhandlungen zum EU-Budget und der Gemeinsamen
Agrarpolitik ab 2028. Wir brauchen eine starke Gemeinsame
Agrarpolitik mit inflationsangepassten Zahlungen – alles andere ist
inakzeptabel!“ schloss sich Kärntens LK-Präsident Siegfried Huber
seinem Vorredner an.
„Es gilt, die wirtschaftlichen Bedingungen für die bäuerlichen
Betriebe zu verbessern. Unsere Betriebe benötigen einerseits eine
höhere Wertschöpfung durch faire Erzeugerpreise, andererseits
Maßnahmen der öffentlichen Hand zur Eindämmung der steigenden
Produktionskosten. Mit der Wiedereinführung der
Agrardieselrückvergütung auf Bundesebene und des
Milchtransportkostenzuschuss auf Landesebene sind kürzlich zwei
dringend notwendige Maßnahmen gelungen. Auch die 5 Mio. Euro an
Landesmitteln für die Hagelversicherungsprämie, wo auch die Dürre
mitversichert ist, sind für unsere Betriebe enorm wichtig“, erklärte
Huber.
„Überall dort, wo Drittstaaten nicht dieselben hohen Standards im
Bereich Umweltschutz, Tierwohl und Arbeitsrecht einhalten wie wir in
Österreich, muss es Einfuhrverbote geben. Handelsabkommen dürfen
heimische Standards nicht unterlaufen“, betonte Kärntens LK-
Präsident.
„Darüber hinaus beschäftigen uns Bäuerinnen und Bauern noch viel
mehr Herausforderungen, wie die Klimakrise und die mit Ernteausfällen
einhergehenden, zunehmenden Wetterextreme oder die Schäden durch
große Beutegreifer; ebenso die Selbstverständlichkeit, mit der
landwirtschaftliches Eigentum für Infrastrukturprojekte wie die 380
kV-Hochspannungsleitung herhalten muss. Nicht zuletzt setzt uns
Bäuerinnen und Bauern auch das abnehmende Bewusstsein für die
vielfältigen Leistungen, welche die Bäuerinnen und Bauern täglich für
Kärntens Gesellschaft und darüber hinaus erbringen, zu. Um diese
Leistungen aufzuzeigen, haben wir die Kampagne „Auf uns ist Verlass“
ins Leben gerufen. Dieses Motto gilt aber auch für uns als LK, denn
unser Ziel ist es, ein starker und verlässlicher Partner an der Seite
der Bauern zu sein“, erklärte Siegfried Huber abschließend.
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