Wien (OTS) – Im Mai 1897 erscheint Bram Stokers Roman „Dracula“ in
der
Erstauflage. Seitdem wird die mythische Figur des Untoten mit einer
ganz besonderen Region in Verbindung gebracht: Transsilvanien.
Geschützt durch die mächtigen Berge der Karpaten und jahrzehntelang
weit hinter dem Eisernen Vorhang von der restlichen Welt abgetrennt,
konnte sich die Natur wild und frei entfalten. Hier findet man Tiere,
die anderswo längst verschwunden oder stark gefährdet sind. Die
„Universum“-Dokumentation „Mythos Transsilvanien – Draculas geheime
Wildnis“ des preisgekrönten Naturfilmregisseurs John Murray (ORF-
Bearbeitung: Dylan Whiting) zeigt am Dienstag, dem 25. November 2025,
um 20.15 Uhr in ORF 2 und auf ORF ON das beeindruckende und manchmal
sogar etwas gespenstische Porträt einer der ursprünglichsten
Landschaften Europas. „Mythos Transsilvanien – Draculas geheime
Wildnis“ entstand als Koproduktion von ORF und Crossing the Line mit
PBS, Arte GEIE, NDR Doclights, RTE Ireland und SVT in Zusammenarbeit
mit ORF-Enterprise, unterstützt durch Creative Media Europe.
Die Klimaveränderung macht auch vor den Bergspitzen der Karpaten
nicht halt. Die Winter werden kürzer und wärmer, die Schneeschmelze
setzt früher ein. Die Europäischen Braunbären erwachen aus ihrem
Winterschlaf und begeben sich auf Nahrungssuche. Nach ein paar Wochen
der Stärkung werden Frühlingsgefühle wach, die Bären paaren sich in
den Wiesen und Wäldern. Fast die Hälfte aller Europäischen Braunbären
lebt in Transsilvanien. In den vergangenen Jahren kommt es vermehrt
zu Konflikten mit Menschen, doch die Herausforderungen halten sich
noch in Grenzen.
„Vor zehn Jahren reisten wir nach Transsilvanien, um einen kurzen
Film über Braunbären zu machen. Wir waren sofort von den unberührten
Landschaften, der mächtigen Kulisse und den undurchdringlichen
Wäldern verzaubert“, erzählt Regisseur John Murray. „Unser Ziel war
es, einen Film zu gestalten, der die außergewöhnliche Fauna und Flora
der Region ebenso zelebriert wie die Menschen, deren Kultur und deren
Beitrag zum Erhalt dieses Naturjuwels.“
Tatsächlich teilen sich Menschen und Wildtiere dieses Land seit
Jahrtausenden. 2002 entdeckten Forschungsteams in einer Höhle in den
Karpaten Überreste eines Homo sapiens, die um die 40.000 Jahre alt
sind. Auch Höhlenmalereien belegen, dass es hier schon sehr früh
Menschen gab. Eine Kohlezeichnung an der Höhlenwand zeigt einen
Giganten, der einst in ganz Europa zu finden war. Der Wisent, auch
Europäischer Bison genannt, wurde für Fell und Fleisch gejagt. Anfang
des 20. Jahrhunderts waren die Tiere beinahe ausgerottet. Nur noch
wenige Wisente existierten in Gefangenschaft. Heute haben
Zuchtprogramme und Auswilderungsprojekte dafür gesorgt, dass um die
200 Wisente wieder durch die Wälder Rumäniens streunen. Hier begegnen
sie auch hin und wieder anderen Wildtieren, die gefährdet sind oder
es einmal waren. Der Europäische Luchs wird zwar selten gesehen,
kommt aber in Transsilvanien mittlerweile häufig vor. Ähnlich verhält
es sich bei Rotfüchsen und Wölfen. Expertinnen und Experten schätzen,
dass es hier mehr Wölfe gibt als im restlichen Europa. Wie viele es
tatsächlich sind, weiß niemand, da die Raubtiere Menschen meiden. Es
sind die einzigen Lebewesen, die ihnen gefährlich werden können. In
Transsilvanien spielt Tradition eine große Rolle. Im Sommer wird die
Natur mit alten Ritualen, die dem Heidentum entspringen, gefeiert. In
der Landwirtschaft kommen vielerorts noch traditionelle Methoden zum
Einsatz, die geringere Auswirkungen auf Böden und Pflanzen haben und
zum Erhalt der urtümlichen Lebensräume beitragen. Davon profitieren
Insekten und Vögel wie zum Beispiel Störche, Bienenfresser oder
Wiedehopfe.
Regisseur John Murray weiß natürlich, dass ein Film über
Transsilvanien ohne die vampirähnlichsten aller Tiere nicht
funktionieren würde. „Es ist unglaublich, aber allein in dieser doch
nicht allzu weitläufigen Region haben es sich 26 verschiedene
Fledermausarten wohnlich gemacht. Natürlich in Höhlen, aber auch
unter Giebeln, Dächern und in Türmen der Region. Das hat uns die
Geschichte von Dracula immer wieder in Erinnerung gerufen“,
schmunzelt Murray. Dracula mag eine fiktionale Figur sein, doch seine
geheime Wildnis existiert nach wie vor – in einer kleinen Region im
Herzen Europas: in Transsilvanien, dem „Land jenseits des Waldes“.