ÖPDL warnt vor Kürzungen bei Beschäftigungssicherungsmaßnahmen und fordert Umdenken bei Budgetverhandlungen

Wien (OTS) – Der Verband Österreichischer Personaldienstleister
(ÖPDL) warnt vor
den geplanten Einsparungen bei arbeitsmarktpolitischen
Beschäftigungssicherungsmaßnahmen im Rahmen des Doppelbudgets
2027/2028. Nach Einschätzung der Branche könnten die vorgesehenen
Kürzungen nicht nur die Arbeitsmarktintegration erschweren, sondern
auch den Fachkräftemangel verschärfen und die Wettbewerbsfähigkeit
zahlreicher Unternehmen beeinträchtigen.

Die Bundesregierung plant laut aktuellen Budgetgesprächen
Einsparungen von rund 200 Millionen Euro jährlich in einem Bereich,
der Unternehmen bei vorübergehenden Auftragsschwankungen unterstützt
und Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern den raschen Wiedereinstieg in
Beschäftigung ermöglicht. „Arbeitsmarktpolitik darf nicht
kurzfristigen Sparzielen geopfert werden. Wer funktionierende Brücken
zwischen Arbeitslosigkeit und Beschäftigung abbaut, riskiert
langfristig höhere Belastungen für den Staat und weniger Chancen für
Arbeitssuchende“, erklärt ÖPDL-Präsident Roland Fürst.

Zwtl.: Mehr als die Hälfte der Zeitarbeiter:innen kommt direkt aus
der Arbeitslosigkeit

Die Personaldienstleistungsbranche sieht sich als wichtiger
Integrationsmotor am österreichischen Arbeitsmarkt. Nach
Branchenangaben kamen im Jahr 2025 mehr als 51 Prozent der über
Personaldienstleister beschäftigten Menschen unmittelbar aus der
Arbeitslosigkeit. Jeder fünfte Beschäftigte wechselte anschließend in
ein dauerhaftes Dienstverhältnis. „Personaldienstleister übernehmen
für viele Menschen die Rolle eines ersten Wiedereinstiegs in den
Arbeitsmarkt. Werden bewährte Instrumente eingeschränkt, verlängern
sich Arbeitslosigkeitsphasen und Unternehmen verlieren an
Flexibilität“, so Fürst.

Zwtl.: Negative Auswirkungen auf Industrie, Bau, Tourismus und Pflege

Von den geplanten Änderungen könnten insbesondere Branchen
betroffen sein, die auf flexible Personalmodelle angewiesen sind.
Dazu zählen Industrie, Bauwirtschaft, Tourismus sowie der Gesundheits
– und Pflegebereich. Nach Einschätzung des ÖPDL würden zusätzliche
finanzielle Belastungen und administrative Hürden die
Beschäftigungskosten erhöhen und Unternehmen in wirtschaftlich
herausfordernden Zeiten Handlungsspielräume nehmen.

Besonders kritisch bewertet die Branche die möglichen
Auswirkungen auf das Gesundheits- und Pflegesystem. Viele
Einrichtungen seien auf flexible Personallösungen angewiesen, um
Personalengpässe, Krankenstände und kurzfristige Ausfälle abzufedern.
„Die Versorgungssicherheit hängt zunehmend davon ab, wie rasch
qualifiziertes Personal dort eingesetzt werden kann, wo es gebraucht
wird. Flexible Beschäftigungsmodelle sind daher längst ein
wesentlicher Bestandteil moderner Pflege- und Gesundheitsversorgung“,
betont ÖPDL-Vorstandsmitglied Karin Hamminger.

Zwtl.: Weiterbildung und Qualifizierung nicht gefährden

Der Verband verweist außerdem auf die Bedeutung von Aus- und
Weiterbildungsmaßnahmen. Über den Sozial- und Weiterbildungsfonds der
Branche werden Beschäftigte in auftragsärmeren Zeiten gezielt
qualifiziert. „Österreich diskutiert seit Jahren über
Fachkräftemangel. Gleichzeitig dürfen wir Instrumente, die
Qualifizierung und Beschäftigung sichern, nicht schwächen.
Weiterbildung ist ein entscheidender Faktor für die Zukunftsfähigkeit
unseres Arbeitsmarktes“, so Hamminger.

Zwtl.: Fokus auf Bekämpfung von Missbrauch statt auf Einschränkung
bewährter Modelle .

Der ÖPDL verweist darauf, dass die Arbeitskräfteüberlassung in
Österreich bereits umfassend gesetzlich geregelt ist. Statt
bestehende Beschäftigungsinstrumente einzuschränken, sollte der Fokus
nach Ansicht des Verbandes stärker auf die Bekämpfung von
Sozialbetrug und missbräuchlichen Unternehmenskonstruktionen gelegt
werden. Der Verband appellierte daher in einem offenen Brief an
Bundesregierung und Sozialpartner, die geplanten Einsparungs-
Maßnahmen im Bereich des „AMS-Zwischenparkens“ nicht umzusetzen.
„Gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten braucht Österreich
mehr Beschäftigungsperspektiven und weniger Hürden für Unternehmen
und Arbeitnehmer. Arbeitsmarktpolitik muss Beschäftigung fördern –
nicht erschweren“, so Fürst abschließend.