Wien (OTS) – Während Österreich unter der aktuellen Hitzewelle
leidet, geraten
viele ältere und chronisch kranke Menschen doppelt unter Druck: Sie
zählen zu den am stärksten gefährdeten Gruppen und sollen körperliche
Belastungen sowie unnötige Wege vermeiden. Gleichzeitig verlieren
viele von ihnen durch die verschärften Regeln für Krankentransporte
den Anspruch auf eine von der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK)
finanzierte Fahrt zur notwendigen Behandlung. Der Pensionistenverband
Österreichs (PVÖ) fordert deshalb eine rasche Korrektur der geltenden
Regelung. ****
Hitzeschutz und Gesundheitsversorgung dürfen kein Widerspruch
sein
„Seit Tagen wird älteren Menschen geraten, sich bei der Hitze
besonders zu schonen, ausreichend zu trinken und unnötige Wege zu
vermeiden. Gleichzeitig wird genau ihnen der Zugang zu notwendigen
Krankentransporten erschwert. Das ist ein Widerspruch, den wir nicht
akzeptieren können“, kritisiert PVÖ-Präsidentin Birgit Gerstorfer.
Nach der aktuellen Regelung wird ein Krankentransport nur mehr
dann bewilligt, wenn sich Patientinnen und Patienten auch mit
Gehhilfe oder Begleitperson außerhalb ihrer Wohnung nicht mehr
fortbewegen können. Ob öffentliche Verkehrsmittel fehlen, der Weg zur
Ordination zu weit ist oder keine Begleitperson zur Verfügung steht,
bleibt hingegen unberücksichtigt.
Lebensrealität älterer Menschen bleibt auf der Strecke
„Wer mit 85 Jahren zwar noch wenige Schritte gehen kann, aber
weder Bus noch Bahn nutzen kann und niemanden hat, der ihn begleitet,
gilt als ausreichend mobil – obwohl der Arztbesuch ohne Hilfe kaum
möglich ist. Das geht an der Lebensrealität vieler älterer Menschen
vorbei“, so Gerstorfer. Für viele Betroffene hat das spürbare
finanzielle Folgen. Wer regelmäßig zu ambulanten Behandlungen oder
Therapien muss, kann ohne Kostenübernahme der Krankenkasse rasch auf
weit über 100 Euro Zusatzkosten pro Monat kommen. Gerade für Menschen
mit kleiner Pension ist das oft nicht leistbar.
PVÖ fordert rasche Nachbesserung
Auch das Österreichische Rote Kreuz hat zuletzt davor gewarnt,
dass medizinische Versorgung nicht vom Wohnort oder den finanziellen
Möglichkeiten der Betroffenen abhängen darf. Der PVÖ schließt sich
dieser Forderung ausdrücklich an.
„Missbrauch zu verhindern ist richtig. Es darf aber nicht dazu
führen, dass ältere Menschen notwendige Arzttermine verschieben oder
auf Behandlungen verzichten müssen. Gerade während einer Hitzewelle
dürfen finanzielle oder bürokratische Hürden den Zugang zur
medizinischen Versorgung nicht erschweren. Die ÖGK muss die Regelung
rasch evaluieren und praxistauglich entschärfen“, fordert Gerstorfer
abschließend.