Saure-Gurken-Zeit: Nur jedes achte Essiggurken-Glas kommt klar aus Österreich

Wien (OTS) – Herkunftskennzeichnung am Essiggurkerl-Glas ist eine
Ausnahme,
heimische Gurkerl sind Mangelware: Nur bei jedem achten Glas ist die
Herkunft Österreich beim Einkauf ablesbar. Das zeigte ein vor Kurzem
veröffentlichter Store-Check des Vereins Wirtschaften am Land, bei
dem das Gurkerlsortiment im Lebensmitteleinzelhandel unter die Lupe
genommen wurde. Land schafft Leben fordert deshalb mehr Transparenz
auf dem Etikett und ruft Konsumentinnen und Konsumenten dazu auf,
beim Einkauf bewusst auf die Herkunft zu achten.

Brettljause, Wurstsalat, Rindsrouladen und Wurstsemmel haben
eines gemeinsam: Sie werden perfekt abgerundet durch süßsaure
Essiggurkerl. So kamen wir im Vorjahr in Österreich auf
durchschnittlich 1,8 Kilogramm Gurkerl pro Kopf. Beim Einkaufen auf
deren Herkunft zu achten, gestaltet sich allerdings als schwierig,
zeigt ein Store-Check des Vereins Wirtschaften am Land . In
Supermärkten und Diskontern im ländlichen und städtischen Raum in
drei Bundesländern wurden die Gurkerlgläser unter die Lupe genommen:
Bei 56 der insgesamt 98 überprüften Produkte war nicht ersichtlich,
woher die Gurken kommen. Bei eingelegten Gurken handelt es sich um
verarbeitete Produkte – Herkunftsangaben auf den Etiketten sind hier
nicht verpflichtend.

Zwtl.: Mehr Indien im Glas als Österreich auf dem Etikett

Laut Store-Check fehlt häufig eine klare Herkunftsangabe –
insbesondere bei Eigenmarken. Von den überprüften Produkten waren
insgesamt 40 Eigenmarken-Artikel. Nur bei fünf davon war Österreich
als Ursprungsland klar ablesbar; 31 der Eigenmarken-Gurkerl stehen
außerdem ganz ohne Herkunftskennzeichnung im Supermarktregal. Wo
Hersteller auf Nachfrage Auskunft gaben, zeigte sich: Mehr Produkte
enthalten Gurkerl aus dem Ausland als aus Österreich – die
Einlegegurken stammen unter anderem aus der Türkei, Polen und
Deutschland. Bei neun Produkten wurde Indien als Ursprungsland
genannt. Maria Fanninger , Gründerin von Land schafft Leben, warnt:
„Dass wir bei den Eigenmarken mehr indische als klar gekennzeichnete
heimische Produkte im Regal vorfinden, sollte uns wachrütteln. Wir
importieren Gurkerl vom anderen Ende der Welt, während die
österreichischen Gurkerlbetriebe ums Überleben kämpfen. “

Zwtl.: Österreichs Gurkerlproduktion unter Druck

Heimische Gurkerlbäuerinnen und -bauern geraten im
internationalen Preiskampf zunehmend unter Druck. Die Produktion von
Einlegegurken ist aufwendig und erfordert viel Zeit sowie sorgfältige
Handarbeit. Gleichzeitig gelten in Österreich Produktionsstandards,
etwa bei den Arbeitsbedingungen, die meist über jenen anderer Länder
liegen. Das spiegelt sich im Preis wider. „Den Preis für das
billigste Gurkerl an der Kassa zahlen oft Menschen, die unter
schlechten Arbeitsbedingungen und Sozialstandards arbeiten. Nur so
kann ein Produkt so billig sein. Heimische Gurkerl werden unter
höheren Standards angebaut, geerntet und verarbeitet. Verschwinden
heimische Produkte aufgrund des Preises still und heimlich aus den
Regalen oder greifen wir Konsumentinnen und Konsumenten nur mehr zur
Billigware aus dem Ausland, verlieren wir im schlimmsten Fall unsere
österreichischen Gurkerlbetriebe “ , erklärt Fanninger .

Zwtl.: Österreich sichtbar machen statt auslisten

Würden die heimischen Einlegegurken nach und nach aus den
Supermarktregalen verschwinden, so ginge ein wichtiger
Wirtschaftszweig der heimischen Landwirtschaft verloren, speziell in
Oberösterreich. Dort werden rund 90 Prozent der Einlegegurken
angebaut. Maria Fanninger appelliert: „Das Gurkerl ist wichtig für
die Wirtschaft – aber es ist auch Kulturgut, das schnell verloren
gehen kann. Die Essiggurkenproduktion ist ein Beispiel dafür, dass
wir in vielen Bereichen schon stark von Importen abhängig sind. Als
Konsumentinnen und Konsumenten haben wir in der Hand, ob diese
Produkte für unsere Grundversorgung in Zukunft aus heimischer
Landwirtschaft verfügbar sind. “ Fanninger macht darauf aufmerksam,
dass Österreich-Flaggen oder Angaben wie „hergestellt in Österreich“
und „abgefüllt in Österreich“ auf dem Etikett oftmals irreführend
sein können. Denn diese sagen nichts über die Herkunft der
verwendeten Gurkerl aus. Hier müsse auch der Handel seinen Beitrag
leisten: „ Was es braucht, ist eine eindeutige Kennzeichnung des
Ursprungslandes. Nur so können Konsumentinnen und Konsumenten auf
einen Blick erkennen, in welchem Land die Gurkerl gewachsen sind. Und
nur so bekommen sie die Möglichkeit, sich nicht nur anhand des
Preises, sondern auch anhand der Herkunft für ein bestimmtes Produkt
zu entscheiden. “

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