Sozialorganisationen bei der Rettung von Lebensmitteln zunehmend vor Herausforderungen

Wien (OTS) – Die Problematik von Lebensmitteln, die im Müll landen,
wurde in den
vergangenen Jahrzehnten – auch durch die intensive
bewusstseinsbildende Arbeit von Sozial- und Umweltorganisationen –
als gesellschaftliches Problem erkannt und anerkannt. Allerdings wird
in der öffentlichen Meinung bis dato vor allem die ökologische Seite
des Problems wahrgenommen.

„Auch, wenn ein jedes Lebensmittel, das nicht im Müll landet, aus
ökologischer Sicht zu begrüßen ist, kann das Thema aus dem
ökologische Blickwinkel nicht in seiner Vollständigkeit in Betracht
genommen werden.“ , betont Andrea Schnattinger, Präsidentin des
Ökosozialen Forums Wien, und ergänzt: „Die Bedeutung von
Lebensmittelrettung und Lebensmittelweitergabe für Armutsbetroffene
ist unmittelbar und wir unterstützen die Forderung der
Sozialorganisationen nach Grundlagen für den sozialen
Lebensmitteltransfer.“

Zwtl.: Sozialorganisationen bei Akquise von Lebensmittelspenden
zunehmend unter Druck

Seit Längerem berichten Sozialorganisationen, die sich dem
Sozialen Transfer – also der Rettung von Lebensmittel zur Weitergabe
an Armutsbetroffene – widmen, von zunehmend schwierigeren Bedingungen
in der Akquise der Lebensmittelspenden. An Überschüsse oder nicht
mehr verkäufliche Warenspenden zu kommen werde seit einigen Jahren
zunehmend schwieriger. Insbesondere frische Lebensmittel wie Obst und
Gemüse oder Milchprodukte seien für die Sozialorganisationen
zunehmend schwerer zu „ergattern“. Dadurch werde es ständig
herausfordernder, den sozialen Auftrag der Versorgung
Armutsbetroffener zu bewerkstelligen.

Der Grund dafür seien einerseits knappere Haushaltsbudgets wie
auch das gestiegene Bewusstsein für Lebensmittel. So würden mehr
Frischlebensmittel im Abverkauf landen oder über neue Abgabeschienen
wie etwa Apps Abnehmer:innen finden. Es seien in den vergangenen
Jahren aber auch neue Akteur:innen auf den Plan getreten, die zu den
Sozialorganisationen in Konkurrenz um die Warenspenden getreten
seien. So sei Wettbewerb in einem Feld entstanden, das bis vor
wenigen Jahren noch ausschließlich sozial und kooperativ ausgerichtet
und vom sozialen Auftrag motiviert war.

Gleichzeitig sei der Bedarf an geretteten und für die Versorgung
Armutsbetroffener verfügbaren Lebensmitteln in den vergangenen Jahren
gestiegen. Durch die multiplen Krisen und die angespannte
wirtschaftliche Lage werden nach wie vor große Mengen an
Lebensmitteln für den Sozialen Transfer benötigt, um Menschen in
Armut sowohl ausreichend als auch ausgewogen zu versorgen. Diese
Mengen werden immer schwerer zu beschaffen.

Zwtl.: Sozialen Transfer ausbauen und stärken

Präsidentin Schnattinger erklärt: “Der soziale Transfer ist nicht
als gesellschaftliche Lösung per se, sondern als Hilfestellung zu
verstehen. Dieser Hilfestellung bedürfen wir aber in der aktuellen
Gesellschaft, um alle Menschen – unabhängig von ihrer
sozioökonomischen Lage – ausreichend und ausgewogen mit Lebensmitteln
versorgt zu wissen.“

Während vor einem Jahrzehnt noch mehr als genug Warenspenden für
Sozialorganisationen zur Verfügung standen, seien diese mittlerweile
ausgesprochen verknappt, sodass Armutsbetroffene immer schwieriger
versorgt werden können und die Zukunft des Sozialen Transfers
mittlerweile ungewiss erscheine. Besonders mangelt es häufig an
wertvollen Frischlebensmittel wie Obst, Gemüse oder Milchprodukte.
Genau diese seien aber für eine ausgewogene und gesunde Ernährung
wichtig.

Aus diesem Grund hat sich das Ökosoziale Forum Wien in den
vergangenen Monaten einem intensiven Diskussionsprozess gewidmet und
eine Position als Verein herausgearbeitet. Diese soll einen Beitrag
dazu liefern, die Aufmerksamkeit von Öffentlichkeit und Stakeholdern
verstärkt auf die soziale Dimension der Rettung von Lebensmitteln zu
lenken diese in Diskussionen besser abzubilden.

Über das Ökosoziale Forum Wien

Unter dem Motto “Mit der Ökosozialen Idee bei den Menschen”
widmet sich das Ökosoziale Forum Wien seit über 25 Jahren dem
Auftrag, ökologisch und sozial zukunftsfähige Impulse in
gesellschaftlicher Praxis wie auch in der Diskussion zu setzen. Die
Arbeitsschwerpunkte des Vereins liegen im Bereich Ernährung,
Stadtnatur und Pädagogik.

Im Ernährungsbereich widmet sich der Verein gemeinsam mit
Partnern wie der Tafel Österreich , dem Wiener Hilfswerk , der
Volkshilfe Wien oder dem Samariterbund Wien dem Sozialen Transfer.
Daneben wird mit der Reihe “G.U.T. und günstig essen” auch Material
zur Wissensvermittlung darüber bereitgestellt, wie ausgewogene,
gesunde Ernährung im Alltag gleichzeitig genussvoll wie auch günstig
möglich ist.

Positionspapier Lebensmittelrettung & Sozialer Transfer

Wissensportal Ernährung – G.U.T. und günstig essen