Brüssel (OTS) – Zu einem „Talk in Brüssel“ baten gestern das
Europa-Forum Wachau in
Kooperation mit dem Land Niederösterreich ins NÖ Verbindungsbüro in
Brüssel. Der Fokus lag auf der Frage, wie es Europa angesichts der
angespannten geopolitischen Lage gelingen kann, seinen
wirtschaftlichen Wohlstand zu sichern und für künftige Generationen
zu erhalten. Konnotierte Meinungen formulierten dabei die
österreichischen Abgeordneten zum Europäischen Parlament Lukas Mandl
(EVP), Elisabeth Dieringer (Patrioten für Europa) und Lena Schilling
(Die Grünen/EFA) sowie die Kommissions-Expertin Gabriela Tschirkova
aus dem Kabinett von Kommissar Valdis Dombrovskis.
In ihrer Keynote betonte Gabriela Tschirkova, dass die Ziele der
europäischen Wettbewerbsfähigkeit unverändert bleiben, die
Herausforderungen jedoch deutlich zugenommen haben. Angesichts
geopolitischer Spannungen, hoher Energiepreise und tiefgreifender
industrieller Transformationen hob sie insbesondere die Bedeutung
eines gestärkten Binnenmarkts hervor, getragen von koordinierten
Maßnahmen auf europäischer, regionaler und lokaler Ebene sowie von
gezieltem Bürokratieabbau und einer gestärkten Resilienz.
Lukas Mandl, niederösterreichischer Europaabgeordneter, betonte,
dass der Ernst der wirtschaftlichen Lage Europas im Vergleich zu
China und den USA nicht zu unterschätzen sei. Trotz erzielter
Fortschritte in den Bereichen Verteidigungsfähigkeit und Resilienz
bestehe weiterhin erheblicher Aufholbedarf, insbesondere im digitalen
Binnenmarkt und bei der Innovation; zugleich warnte er vor einer
zunehmenden politischen Fragmentierung und plädierte für mehr
europäische Einigkeit angesichts externer Bedrohungen und
geopolitischer Herausforderungen.
Elisabeth Dieringer, Europaabgeordnete der FPÖ, unterstrich in
ihren Ausführungen, dass Wettbewerbsprobleme Europas vielfach
hausgemacht seien und es mehr Mut brauche, Fehlentwicklungen offen
anzusprechen. Sie verwies auf mangelnde Planungssicherheit durch
politische Verschiebungen und betonte, dass demokratisch gewählte
Entscheidungen respektiert und konsequent umgesetzt werden müssten,
auch wenn die Kompromissfindung auf europäischer Ebene zunehmend
herausfordernd sei. Zugleich hob sie das Subsidiaritätsprinzip hervor
und unterstrich, dass Entscheidungen, die auf Ebene der
Mitgliedstaaten getroffen werden sollten, auch dort zu verorten
seien.
Lena Schilling, grüne Europaabgeordnete, entgegnete, dass es um
die gemeinsame Richtung gehe und Kompromisse das Ergebnis eines
intensiven demokratischen Ringens seien. Sie sprach sich für gezielte
Vereinfachungen statt pauschaler Deregulierung aus und hob hervor,
dass politische Entscheidungen stets im Spannungsfeld zwischen
Haltung, Verlässlichkeit und notwendiger Kompromissbereitschaft
getroffen werden müssten.
Trotz unterschiedlicher Positionen herrschte Einigkeit darin,
dass dringender Handlungsbedarf gegeben ist – nicht zuletzt auch, um
strategische Abhängigkeiten gezielt abzubauen und die wirtschaftliche
Resilienz der europäischen Volkswirtschaften nachhaltig zu stärken.
Der „Talk in Brüssel“ bot einen Vorgeschmack auf das 30. Europa-
Forum Wachau, das von 18. bis 22. Mai 2026 am Campus Krems, im Stift
Göttweig sowie in ausgewählten Weingütern der Wachau stattfindet und
Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft
zusammenbringt, die sich den zentralen Fragen europäischer
Souveränität in einer zunehmend fragilen Weltordnung widmen. Tickets
dazu sind ab sofort auf der Website www.europaforum.at erhältlich.