SLAVONSKI BROD (OTS) – In den frühen Morgenstunden kam es heute am
Fluss Save in Kroatien zu
einer tragischen Havarie: Ein mit Geflüchteten besetztes Boot
kenterte bei dem Versuch, den Fluss von Bosnien-Herzegowina nach
Kroatien zu überqueren. Drei Menschen verloren dabei ihr Leben, acht
weitere konnten lebend aus dem kalten Wasser gerettet und in ein
Krankenhaus gebracht werden.
Die Feuerwehr der kroatischen Stadt Slavonski Brod, die Polizei,
der Rettungsdienst sowie der kroatische Such- und Rettungsdienst HGSS
(Hrvatska Gorska Služba Spašavanja) waren in den frühen Morgenstunden
im Einsatz, nachdem ein Notruf kurz nach 05:30 Uhr einging.
Einsatzleiter Ivan Vuleta berichtete, dass insgesamt elf Personen aus
dem Wasser geborgen wurden, darunter die drei Verstorbenen.
Zwtl.: Ermittlungen gegen Schleuser
Unter den Geretteten befinden sich mehrere stark unterkühlte
Menschen. Alle Überlebenden wurden zur medizinischen Versorgung in
das Krankenhaus in Slavonski Brod gebracht.
Die Polizei ermittelt zudem gegen einen mutmaßlichen Schleuser, einen
Staatsbürger von Bosnien und Herzegowina, der im Zusammenhang mit dem
Vorfall steht und sich derzeit unter polizeilicher Aufsicht im
Krankenhaus befindet.
Zwtl.: „Menschen haben keine andere Wahl“
„Dieses Unglück zeigt erneut die ganze Tragik, die sich leider
regelmäßig auf der Balkanroute abspielt. Zwischen Polizeigewalt auf
der einen Seite und Schleppern auf der anderen sind die Menschen
schutzlos eingeklemmt und haben in Zeiten der Irregularisierung
jeglicher Migration kaum eine andere Wahl, als diese
lebensgefährlichen Wege zu gehen . Die EU-Asylpolitik trägt eine
Mitverantwortung für diese Schicksale“, stellt Petar Rosandić, Obmann
der SOS Balkanroute, klar.
Zwtl.: Salzburger Onkel sucht verzweifelt seinen Neffen
Die Nachricht über das Unglück kommt zur gleichen Zeit, in der
Kräfte des Zivilschutzes der bosnischen Entität Republika Srpska seit
Tagen den Grenzfluss Drina absuchen, um einen jungen Afghanen namens
Muhammed (24), Agronomie-Absolvent, zu finden. Sein letztes
Lebenszeichen gab er vor zwei Wochen in der Nähe des Flusses, weshalb
die Vermutung nahe liegt, dass auch er ertrunken ist.
„Sein Salzburger Onkel hat uns völlig verzweifelt aufgesucht.
Danach hat unser Helfer Nihad alle Institutionen und Behörden
alarmiert. Die Suche läuft leider seit Tagen erfolglos“, so Rosandić.
Zwtl.: „Erinnern gegen das Vergessen“
Erst vor wenigen Tagen haben Schülerinnen der BRG
Hammerlingstraße in Linz auf dem dortigen St.-Barbara-Friedhof eine
Gedenkstätte für alle verstorbenen Geflüchteten auf der Balkanroute
errichtet. SOS Balkanroute kümmert sich seit Jahren um Verstorbene,
hat drei Friedhöfe gestaltet und drei Denkmäler aufgestellt.
„Das Sterben hört leider nicht auf und wird auch nicht aufhören,
solange diese Wege von der Politik den Menschen zum Verhängnis
gemacht werden“, so Rosandić.