„True Stories“ mit Ferdinand Seebacher: „Wiens Unterwelt“ und „Die Benno-Blum-Bande: Schmuggel und Spionage im besetzten Wien“

Wien (OTS) – Die „Wilde Wanda“, „der Gschwinde“ und „Notwehr“-Krista
werden zu
bekannten Namen der Wiener Unterwelt, auch weil sie erbittert
gegeneinander kämpfen. Das alles passiert vor dem Hintergrund des
Wirtschaftsaufschwungs nach der Unterzeichnung des Staatsvertrags im
Jahr 1955. Dieser Wirtschaftsaufschwung macht sich auch in
Rotlichtlokalen am Wiener Gürtel oder in so manchem geheimen
Hinterzimmer bemerkbar. Der Kampf um die Vorherrschaft in der Wiener
Unterwelt bleibt bis zum Schluss spannend. Ferdinand Seebacher führt
als ORF-Host durch die „True Stories“-Ausgabe „Wiens Unterwelt –
Strizzis, Sex und schnelles Geld“ und geht dabei am Donnerstag, dem
16. April 2026, um 20.15 Uhr in ORF 1 und auf ORF ON der Frage nach
der Rolle der Polizei ebenso nach wie er sich auf Spurensuche begibt,
was vom Wiener „Strizzi“ bis heute übrigbleibt.

Um 21.05 Uhr folgt die „True Stories“-Doku „Die Benno-Blum-Bande:
Schmuggel und Spionage im besetzten Wien“ – darin führt Seebacher in
die Nachkriegszeit zurück, in der Wien zur Stadt der Spionage wird.
Seit Montag, dem 13. April, ermittelt Ferdinand Seebacher auch
wöchentlich um 20.15 Uhr (vorab auf ORF ON) als Inspektor Felix
Burger im Krimi-TV-Comeback „Kommissar Rex“.

„True Stories: Wiens Unterwelt – Strizzis, Sex und schnelles
Geld“ (20.15 Uhr)

Was am Abend des 9. Mai 1968 im Wiener Café Kolonitz genau
passiert ist, wird man wohl nie erfahren. Fest steht nur, die
tödlichen Schüsse, die an diesem Abend fallen, beenden die große
Dominanz zweier rivalisierender Unterweltbosse Wiens: Jene von Josef
Angerler, „dem Gschwinden“, und von Josef „Notwehr“-Krista. Die einst
Verbündeten stehen einander in einem blutigen Showdown gegenüber.
Beide Verbrecher stehen für eine Zeit im Nachkriegswien, in der nicht
nur die Wirtschaft, sondern auch die zwielichtigen Geschäfte in der
Unterwelt florieren. Haupteinnahmequelle der Wiener Ganoven jener
Zeit ist das legendäre Stoßspiel. Bei diesem Kartenspiel kann man in
einer Nacht ein Vermögen gewinnen – oder auch seine Existenz
verlieren. In dunklen Hinterzimmern werden mit dem illegalen
Glücksspiel besonders gern Geschäftsleute ausgenommen.

Außerdem ist in den 1960er Jahren vor allem die Prostitution eine
lukrative Einnahmequelle der Unterwelt. Frauen sind in diesem Umfeld
vor allem eines: Ware und Handelsobjekt. Die Zuhälter – oder wie man
in Wien verharmlosend sagt, die „Strizzis“ – kaufen sich teure Uhren
oder verspielen das Geld beim Kartenspielen. Es gibt allerdings eine
Frau, die unter all den Männern ihren Platz behauptet: Wanda
Kuchwalek alias die „Wilde Wanda“. Meist in schwarzem Herrenanzug und
weißem Hemd gekleidet, wird die Zuhälterin eine Größe der Unterwelt.
Unter anderem hat sich die Wiener Band „Wanda”“ nach ihr benannt.
Wenn Freier nicht zahlen wollen oder eines von Wandas Mädchen
aufbegehrt, kann es schnell ungemütlich werden: „Sie hat eine
Stahlrute gehabt – was ihr Markenzeichen war – und sie ist insofern
über Leichen gegangen, weil sie das Gesicht ihrer Mädchen mit einer
Rasierklinge teilweise verunstaltet hat“, so Historikerin Brigitte
Timmermann.

Die von HolyScreen Media für den ORF produzierte „True Stories“-
Folge „Wiens Unterwelt – Strizzis, Sex und schnelles Geld“ ist eine
Doku von Sandra Rak und Simon Schennach über ein Wiener Milieu, das
gekennzeichnet ist von Gewalt, Prunk und Protzerei – und der brutalen
Ausbeutung von Frauen.

„True Stories: Die Benno-Blum-Bande: Schmuggel und Spionage im
besetzten Wien“ (21.05 Uhr)

Die mitunter chaotische Nachkriegszeit in Wien ist ein idealer
Nährboden für neue kriminelle Strukturen. Typen wie Benno Blum wissen
die mangelnde Durchsetzungskraft der Behörden und die allgemeine
Unsicherheit für sich zu nutzen. Das Monopol des Zigarettenschmuggels
bringt ihn und seine Bande – mithilfe der sowjetischen
Besatzungsmacht – ganz nach oben. Die Gegenleistung: spektakuläre
Entführungen von Kollaborateuren.

Als jüdischer Rumäne überlebt Benno Blum den Zweiten Weltkrieg
und kommt im Jahr 1947 nach Wien. In der Stadt, die im Chaos der
Besatzungszeit zwischen Schwarzmarkt, Armut und politischem
Machtpoker taumelt, steigt er in kürzester Zeit zu einer zentralen
Figur im Zigarettenschmuggel auf. Möglich wird das durch ein
riskantes Arrangement mit den Sowjets: Im Austausch für freie
Passagen über streng kontrollierte Grenzen verpflichtet sich Blum zu
einem perfiden Geschäft – Menschenraub als Gegenleistung für freie
Fahrt über die Grenze. Zeitungsartikel machen ihn zum Inbegriff der
Skrupellosigkeit, Bücher und Erzählungen zeichnen das Bild eines
Mannes ohne Moral, eines skrupellosen Mörders. Doch war er so
kaltblütig, wie es viele behaupten? Akribische Recherchen in den
Archiven des amerikanischen Geheimdienstes führen zu überraschenden
Enthüllungen. Denn dort zeigt sich: Blum war nicht nur Unterweltler,
sondern auch ein Konstrukt – eine Figur, die von Geheimdiensten
erschaffen und verwendet wurde, um die eigenen Taten zu verschleiern.

Besonders eindrucksvoll wird die Geschichte, als seine beiden
Kinder – in Israel ansässig – nach Wien reisen, um dem Schicksal
ihres Vaters nachzugehen. Sie bringen nicht nur Erinnerungen mit,
sondern auch Informationen, die bisher niemand kannte: mündliche
Überlieferungen, die ersten bekannten Fotos von Benno Blum und ein
Interview mit Blums mittlerweile verstorbener Frau. Mit jedem Detail
entsteht ein neues, widersprüchliches Bild – und die Grenzen zwischen
Täter, Opfer und Spielball geopolitischer Interessen verschwimmen.
Und je tiefer die von Holyscreen Media für den ORF produzierte „True
Stories“-Ausgabe „Die Benno-Blum-Bande – Schmuggel und Spionage im
besetzten Wien“ von Monika Lucia Müller in die Geschichte eintaucht,
desto deutlicher zeigt sich, dass die Methoden der Geheimdienste oft
noch skrupelloser und desaströser wirken als die Machenschaften eines
Unterweltbosses.