Wien (OTS) – „Gestern hat der Europäische Gerichtshof entschieden,
dass
Pestizidzulassungen nicht mehr automatisch immer wieder verlängert
werden dürfen, wenn sich die Überprüfung der Gesundheits- und
Umweltauswirkungen etwa wegen unvollständiger Unterlagen verzögert.
Das ist ein wichtiger Schritt im Sinne des Vorsorgeprinzips“, meint
Olga Voglauer, Landwirtschaftssprecherin der Grünen.
Die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) ist eine
Folge von Klagen von Umweltorganisationen, die sich gegen die
mehrfache Verlängerung ohne inhaltlicher Überprüfung von drei
konkreten Wirkstoffen gestellt hatten. Betroffen sind aber viel mehr.
Global2000 spricht von bis zu einem Drittel aller in Österreich
eingesetzten Wirkstoffe. „Dass so viele Giftstoffe täglich in die
Umwelt ausgebracht werden, obwohl die Unternehmen entweder noch nicht
ausreichend aktuelle Daten für die Unbedenklichkeit vorgelegt haben
oder die Behörden diese Daten noch nicht geprüft haben, ist
ungeheuerlich. Wir fordern Landwirtschaftsminister Totschnig auf,
darzulegen, welche Mittel betroffen sind und sich auf EU-Ebene für
eine rasche Umsetzung des EUGH-Urteils einzusetzen“, sagt Voglauer.
Chemisch-synthetische Pestizide haben häufig massive Auswirkungen
auf Umwelt und Gesundheit, wie zahlreiche Studien zeigen. Umso
schlimmer, wenn durch solche automatischen Verlängerungen so getan
wird, als würde die Zulassung auf aktuellen wissenschaftlichen Daten
beruhen, wenn sie eigentlich oft nur auf Verzögerungen im Prozess
basieren. „Zuallererst ist dies eine enorme Gesundheitsgefahr für die
Bäuerinnen und Bauern, die diese Spritzmittel verwenden, und denen
die Pestizidindustrie wohl eher nicht mitteilt, dass die Zulassung
zahlreicher Wirkstoffe auf verschleppten Verfahren beruhen. Im
Endeffekt sind aber wir alle betroffen, denn die Giftstoffe vertragen
sich in der Luft so dass wir sie einatmen, und sie landen
schlussendlich auch in unseren Nahrungsmitteln“, erläutert Voglauer.
Große Gefahr sieht die Landwirtschaftssprecherin der Grünen
gegenüber den vorgestern ans Licht gekommenen Plänen der Europäischen
Kommission, die Zulassungsverfahren für Pestizide massiv zu
verwässern: „Dass angedacht wird, Zulassungen künftig unbefristet zu
vergeben, ist ein Skandal. Wir wissen aus der Vergangenheit, dass die
gesundheits- oder umweltschädliche Wirkung häufig erst im Laufe der
Zeit immer mehr ans Licht kommt. Ohne eine verbindliche regelmäßige
Überprüfung laufen wir Gefahr, dass aktuelle Forschungsergebnisse
nicht mehr einbezogen werden und hochgiftige Stoffe viel länger als
bisher am Markt bleiben und unsere Umwelt und Gesundheit gefährden.
Landwirtschaftsminister Totschnig muss sich hier gegen das Lobbying
der Agrarindustrie stellen, und sich dafür einsetzen, dass die EU-
Kommission diesen Vorschlag erst gar nicht vorlegt. Die Gesundheit
der Bäuerinnen und Bauern und von uns allen muss wichtiger sein, als
die Profite der Pestizidindustrie.“