Wien (OTS) – Wien investiert weiter in die Trinkwasserversorgung. Vor
einem Jahr
startete in Neusiedl am Steinfeld in Niederösterreich der Bau des
weltweit größten geschlossenen Trinkwasserspeichers. Seither ist der
Rohbau des riesigen Wasserbehälters weit fortgeschritten. Mehr Wasser
zu speichern, ist ein zentraler Schwerpunkt der Trinkwasser-Strategie
„Wiener Wasser 2050“. Wien stärkt damit die Versorgungssicherheit und
passt die Trinkwasser-Infrastruktur an den erhöhten Wasserbedarf
durch Bevölkerungswachstum und Klimawandel an.
Die Arbeiten finden in enger Abstimmung von Wiener Wasser mit der
Prüf-, Inspektions- und Zertifizierungsstelle der Stadt Wien (MA 39)
statt. „Die hohe Qualität des Wiener Trinkwassers zählt zur weltweit
bewunderten Wohn- und Lebensqualität in unserer Stadt. Die
regelmäßigen und zuverlässigen Kontrollen durch die Prüf-,
Inspektions- und Zertifizierungsstelle garantieren für Sicherheit:
sowohl bei der hygienischen Wasserqualität wie auch hier bei der
Planung und beim Bau der Infrastruktur“, betont Vizebürgermeisterin
Kathrin Gaál.
„Im größten geschlossenen Trinkwasserbehälter der Welt in
Neusiedl am Steinfeld können in Zukunft rund eine Milliarde Liter
Wasser gespeichert werden. Das ist ein Jahrhundertprojekt für die
Wasserversorgung der Stadt“, sagt Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky.
„Wien investiert jährlich rund 130 Millionen Euro in die Wasser-
Infrastruktur, damit unsere Wasserversorgung langfristig sicher ist.
Wir treffen jetzt die notwendigen Maßnahmen, damit auch für die
nächsten Generationen zu jeder Zeit Trinkwasser in bester Qualität
verfügbar ist.“
Zwtl.: Betonexpert*innen sorgen für Langlebigkeit
Der Behälter wird insgesamt um vier Wasserkammern ausgebaut. Die
erste neue Kammer nimmt bereits Gestalt an. Nach Aushubarbeiten bis
zu acht Metern Tiefe und der Errichtung der Bodenplatten wurde
bereits ein Großteil der elf Meter hohen Wände und Säulen betoniert:
von 67 Wänden stehen bereits 50 Stück, und 120 der 169 Säulen ragen
in die Höhe. Trotz eisiger Temperaturen wird demnächst damit
begonnen, die Kammerdecke zu betonieren, die durch die Säulen
getragen wird.
Insgesamt werden rund 35.000 Kubikmeter Beton verbaut. Damit
daraus sichere, wasserundurchlässige und langlebige Wasserkammern
entstehen, werden seit Baubeginn wöchentliche Betonprüfungen
durchgeführt. Das ist besonders bei den derzeitigen Temperaturen
unter 0 Grad erforderlich.
Dieter Werner, Leiter der Prüf-, Inspektions- und
Zertifizierungsstelle: „Die Expertinnen und Experten der MA 39
begleiten die Konzeption des Neubaus seit Jahren. Ein Schwerpunkt ist
dabei die betontechnologische Beratung und die Ausarbeitung des
Prüfplans für die baubegleitenden Qualitätskontrollen. Er sieht im
Wochenabstand durchgeführte Betonprüfungen vor Ort vor,
Abnahmeprüfungen an fertiggestellten Bauteilen erfolgen laufend. Bei
Bedarf werden vor Ort Verdichtungsversuche zur Überprüfung der
Tragfähigkeit des Untergrundes durchgeführt. So stellen wir sicher,
dass die neuen Wasserkammern des Behälters Neusiedl am Steinfeld den
höchsten technischen Standards entsprechen und für viele Jahrzehnte
bestehen.“
„Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf der Baustelle tragen
eine hohe Verantwortung für die Sicherung der Wiener
Wasserversorgung. Die eisigen Temperaturen und der Schneefall
verlangen den Beteiligten vieles ab. Trotzdem verlaufen die Arbeiten
nach Plan“, betont Wiener-Wasser-Chef Paul Hellmeier. „Der Behälter
Neusiedl am Steinfeld ist schon jetzt zentral für die
Versorgungssicherheit von Wien. Mit dem Ausbau stellen wir sicher,
dass auch in Zukunft ausreichend hervorragendes Trinkwasser zur
Verfügung steht.“
Apropos hervorragendes Trinkwasser: Wiens Trinkwasser wird vor
Ort und in den Hygienelabors der Prüf-, Inspektions- und
Zertifizierungsstelle täglich untersucht – pro Jahr sind das rund
70.000 Einzelparameter. So wird eine lückenlose Qualität von der
Quelle bis zum Wasserhahn sichergestellt.
Zwtl.: Erweiterung des Speichervolumens erfolgt in zwei Etappen
Der Behälter Neusiedl am Steinfeld wurde in das Gefälle der I.
Hochquellenleitung eingebunden. Er besteht aktuell aus vier riesigen
Wasserkammern, die derzeit rund 600 Millionen Liter Wasser fassen.
Das Hochquellwasser fließt ohne Einsatz von Pumpen durch den Behälter
und weiter bis nach Wien.
Die Erweiterung des Speichervolumens erfolgt in zwei Etappen. Bis
Ende 2028 wird der Behälter um zwei Kammern ausgebaut. Diese können
insgesamt 200 Millionen Liter Wasser speichern. Damit erhöht sich das
Speichervolumen nach vier Jahren Bauzeit auf insgesamt 800 Millionen
Liter Wasser. Danach ist ein Ausbau um weitere zwei Kammern sowie die
Sanierung der aktuell bestehenden Kammern geplant.
Nach der Fertigstellung beträgt das Speichervolumen im Behälter
Neusiedl am Steinfeld rund eine Milliarde Liter Wasser (1 Million
Kubikmeter), was einer Steigerung des Status Quo um rund 70 Prozent
entspricht. Um die Größenordnung zu veranschaulichen: 1 Million
Kubikmeter entsprechen in etwa einer Fläche eines Fußballfeldes, das
140 Meter hoch mit Wasser gefüllt ist. In dieses Fußballfeld könnte
der gesamte Stephansdom hineingesetzt werden.
Insgesamt kann Wiener Wasser künftig in seinen 31 Wasserbehältern
rund zwei Milliarden Liter Wasser speichern.
Zwtl.: Ein Drittel der Strategie „Wiener Wasser 2050“ umgesetzt
Laut Prognosen wird Wien bis 2050 in etwa um die Größe der Stadt
Graz wachsen. Wiener Wasser rechnet daher mit einem Anstieg des
Gesamtwasserbrauchs um rund 15 Prozent. Gleichzeitig führt der
Klimawandel verstärkt zu Extremwetterereignissen wie Dürre,
Hochwasser und Starkregen. Das kann die Verfügbarkeit von Quellwasser
beeinträchtigen. Mit der Trinkwasser-Strategie „Wiener Wasser 2050“
hat Wien einen Plan entwickelt, um den steigenden Wasserbedarf trotz
dieser Herausforderungen zu meistern. Seit der Präsentation der
Strategie im Jahr 2022 wurde rund ein Drittel der Maßnahmen
umgesetzt. Als nächstes Großprojekt startet im Frühjahr der Bau eines
neuen hochmodernen Trinkwasserwerks auf der Donauinsel. Ab 2029 soll
es bei Bedarf bis zu 1.000 Liter Trinkwasser pro Sekunde liefern
können.
Zwtl.: Im Dienst von Qualität und Sicherheit
Ob bei großen Infrastrukturprojekten, Baustoffprüfungen, bei der
Wasserqualität oder der Krankenhaushygiene: Die Prüf-, Inspektions-
und Zertifizierungsstelle sorgt für Qualität und Sicherheit. Die
Geschichte dieser Institution reicht zurück bis zum Bauboom der
Ringstraßenära, als die Stadtverwaltung eine „Probierstation“
einrichtete, um die Qualität von Baumaterialien sicherzustellen.
Heute deckt die Abteilung eine breite Palette an Themen und
Kompetenzen ab – mit einem gemeinsamen Nenner: Qualität und
Sicherheit. So sind die Mitarbeiter*innen für die Überwachung der
Güte des Wiener Trinkwassers sowie der Badegewässer zuständig, ebenso
für die Kontrolle der Krankenhaus- und Küchenhygiene. Das
Strahlenschutzlabor bietet umfassende Berechnungen, Begutachtungen
und Beratungen zum Strahlenschutz – zum Beispiel für Menschen, die
mit Röntgengeräten arbeiten. Im Bauwesen reicht das Portfolio von
Brand- und Schallschutz, über Energieeffizienz, Licht und
Beleuchtung, Prüfungen an Beton und Dämmstoffen bis hin zu
bauphysikalischen Forschungen an Fassadenbegrünungen und innovativen
Bauteilversuchen für Re-Use-Projekte.