Wien (OTS) – Zum Internationalen Frauentag machen das Ludwig
Boltzmann Institut
für Grund- und Menschenrechte (LBI-GMR) und FmB –
Interessensvertretung Frauen* mit Behinderungen auf ein neues
österreichweites Projekt aufmerksam, das die Lebensrealitäten von
Frauen* mit Behinderungen in den Mittelpunkt stellt. Im Fokus stehen
zwei eng miteinander verbundene Themen: ökonomische Selbstbestimmung
und der Umgang mit „Mental Load“.
Frauen* mit Behinderungen sind in Österreich nach wie vor
strukturell benachteiligt. Sie sind seltener erwerbstätig, häufiger
armuts- oder ausgrenzungsgefährdet und berichten häufig von hoher
psychischer Belastung und intensivem Mental Load. Dieser beschreibt
die oft unsichtbare Arbeit von Frauen* rund um Organisation, Planung
und Verantwortung im Alltag. Frauen* mit Behinderungen sind dabei
mehrfach belastet, insbesondere durch die zusätzliche Arbeit, die
nötig ist, um tagtägliche Barrieren zu bewältigen und notwendige
Unterstützungsleistungen zu organisieren.
Das Projekt setzt genau hier an und verfolgt dabei einen
innovativen Ansatz: Frauen* mit Behinderungen werden selbst zu
Mentorinnen und teilen ihre Erfahrungen, ihr Wissen und ihre
Strategien im Dialog mit anderen Frauen* mit Behinderungen. Diese
Methode stärkt Selbstbestimmung, schafft Vertrauen und eröffnet neue
Wege, die direkt aus den Lebensrealitäten der Frauen* entstehen.
Das im November 2025 gestartete Projekt: „Frauen* mit
Behinderungen als Mentorinnen für ökonomische Selbstbestimmung –
Strategien zur Entlastung von Mental Load“ wurde von LBI-GMR und FmB
entwickelt und wird bis Ende 2026 gemeinsam umgesetzt. Fördergeber
ist das Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung (
BMFWF).
Projektseite LBI-GMR: https://gmr.lbg.ac.at/frauen-mit-
behinderungen-als-mentorinnen-fuer-oekonomische-selbstbestimmung-
strategien-zur-entlastung-von-mental-load/
Projektseite FmB: https://fmb-frauenmitbehinderungen.at/geld/
Zwtl.: Erste Schritte: Peer-Expertinnen-Beirat und Mentorinnen-Dialog
in Wien
Am 28. Jänner 2026 fand die konstituierende Sitzung des
projekteigenen Peer-Expertinnen-Beirats statt. Frauen* mit
Behinderungen mit Erfahrung in Selbstvertretung, Beratung,
Gleichstellungsarbeit und Barrierefreiheit bringen dort ihre
fachliche und persönliche Expertise ein. Sie begleiten das Projekt
inhaltlich und stellen sicher, dass es konsequent an den
Lebensrealitäten der Frauen* ansetzt.
Der erste Austausch im Rahmen der Mentorinnen-Dialoge wurde am
27. Februar in Wien durchgeführt. In zwei parallel geführten
Kleingruppen teilten 14 Frauen* mit unterschiedlichen Behinderungen
ihre Erfahrungen zu finanzieller Selbstbestimmung trotz
Erwachsenenvertretung sowie zu begrenzten Arbeits- und
Verdienstmöglichkeiten. Dabei wurde deutlich, wie vielfältig die
Barrieren sind, mit denen sie konfrontiert sind – zwischen
gemeinsamen Erfahrungen und sehr unterschiedlichen individuellen
Strategien.“ Die teilnehmenden Frauen* erlebten die Dialoge als Raum
des Voneinander-Lernens, der gegenseitigen Bestärkung und gelebten
Solidarität. Das Bedürfnis nach weiteren Austauschräumen, in denen
die Erfahrungen der Frauen* Sichtbarkeit und Anerkennung finden, war
groß.
Zwtl.: Warum das Projekt notwendig ist
Die Datenlage zeigt:
– Nur 12,1 % der Frauen* mit Behinderungen in Österreich sind
erwerbstätig (Männer mit Behinderungen: 18,4 %).
– 24 % sind armuts- oder ausgrenzungsgefährdet (Frauen* ohne
Behinderung: 15 %).
– Viele von ihnen berichten über hohe psychische Belastungen und
einen besonders intensiven Mental Load.
Diese Realität widerspricht menschenrechtlichen Verpflichtungen
wie der UN-Behindertenrechtskonvention (CRPD) und der UN-
Frauenrechtskonvention (CEDAW), die ökonomische Selbstbestimmung und
volle gesellschaftliche Teilhabe einfordern.
Zwtl.: Wie es weitergeht
In den kommenden Monaten werden in mehreren Bundesländern sowie
online weitere Austausch-Treffen stattfinden, bei denen Frauen* mit
Behinderungen ihre Erfahrungen sichtbar machen und Strategien zur
Entlastung von Mental Load teilen. Für den Weg zu mehr ökonomischer
Selbstbestimmung wird eine Sammlung von Erfahrungen und Strategien
erarbeitet sowie die systemischen Lücken und Probleme dokumentiert,
mit denen Frauen* mit Behinderungen konfrontiert sind.
Die Ergebnisse werden in barrierefreien Formaten, wie z.B. Audio-
Clips und Webinaren, auf der Website von FmB veröffentlicht. Zudem
fließen sie in Empfehlungen für Politik, Verwaltung und Praxis ein
und sollen langfristig zu mehr Gleichstellung und Gewaltprävention
beitragen.
Das Projekt wird zusätzlich in vereinfachter Sprache unter dem
Titel „Geld und Frauen* mit Behinderungen – Wege zur Entlastung und
mehr Selbstbestimmung“ kommuniziert, um möglichst viele Frauen* zu
erreichen.
Über die Projektpartner
Das Ludwig Boltzmann Institut für Grund- und Menschenrechte (LBI-GMR)
ist Österreichs größte außeruniversitäre Forschungseinrichtung auf
seinem Gebiet. Es treibt die Menschenrechtsforschung voran, vertritt
einen menschenrechtsbasierten Ansatz und trägt zur Verbesserung der
Menschenrechtsrealitäten in Österreich und im Ausland bei.
FmB – Interessensvertretung Frauen* mit Behinderungen ist die
erste unabhängige Interessensvertretung von Frauen* mit Behinderungen
in Österreich und steht für Anti-Ableismus, Feminismus und
Intersektionalität.