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Erinnern in 3D: drei neue digitale Zwillinge im Kulturpool

Wien (OTS) – Im Zuge der EU-Kampagne “Twin it! – 3D for Europe’s
culture” sind
drei neue 3D-Digitalisate über das Suchportal Kulturpool am
Naturhistorischen Museum Wien zugänglich. Die hochauflösenden Modelle
der Initiative kulturgut digital und Forschenden der Kunstuniversität
Linz zeigen auf, wie vielfältig und doch vergänglich Kulturerbe sein
kann – vom Erinnerungsort über den Protestschauplatz bis zum
schmelzenden Gletscher.

Was geschieht mit den Erinnerungen, wenn die Orte, an denen Sie
gesammelt wurden, verschwinden? Wenn sich Naturräume verändern,
Freiflächen verbaut oder Wissen verdrängt wird, kann Technologie
diese Prozesse nicht aufhalten. Methoden wie die 3D-Digitalisierung
können jedoch wichtige Zeugnisse der Kulturgeschichte dokumentieren,
digital sichern und das Erinnern fördern. Im Zuge der europäischen
Kampagne “Twin it! – 3D for Europe’s culture” veröffentlichen die
Initiative kulturgut digital und die Kunstuniversität Linz
hochauflösende 3D-Digitalisate im Kulturpool, Österreichs zentrales
Suchportal für digitales Kulturerbe mit Sitz am Naturhistorischen
Museum Wien. Die geförderten Projekte zeigen, wie vielfältig und
zugleich vergänglich Kulturerbe sein kann.

Zwtl.: Ein Format, unzählige Möglichkeiten

Durch offene Lizenzierung stehen die hochauflösenden Modelle
nicht nur für Forschung und Lehre zur Verfügung, sondern können
beispielsweise auch von Künstler*innen und Kreativen genutzt werden.
Bereits über eine Million Kulturerbe-Objekte mit offenen Lizenzen
warten im Kulturpool auf ihre Nachnutzung. Offene Schnittstellen
ermöglichen insbesondere Entwickler*innen den einfachen Zugriff auf
standardisierte Daten und den Austausch mit anderen Systemen.

“Demokratische Teilhabe an Kultur bedeutet auch, digitales
Kulturerbe für alle zugänglich zu machen. Mit offenen Daten
erschließen wir unser kulturelles Erbe, bewahren die Erinnerung an
wichtige Kapitel unserer Geschichte und schaffen damit einen Mehrwert
für die Gesellschaft”, so Vizekanzler und Kulturminister Andreas
Babler.

Die neuen Digitalisate reichen von einem bedeutenden Zeugnis der
NS-Zwangsarbeit über einen selbstorganisierten und umkämpften
Skatepark bis hin zu einem alpinen Gletscherraum, der sich durch den
Klimawandel rasant verändert. Gemeinsam zeigen sie: Kulturerbe
umfasst auch Orte des Alltags, soziale und subkulturelle Praktiken,
Landschaften, Erinnerungen und das Wissen, das mit ihnen verbunden
ist.

“3D-Digitalisate wie das Gletscher-Modell tragen wertvolles
Wissen, das für unterschiedliche Disziplinen und Zielgruppen nützlich
ist. Sie bilden nicht nur flüchtige Momente unserer natürlichen
Umwelt ab, sondern sind auch Startpunkt für deren Erforschung”, so
Katrin Vohland, Generaldirektorin des Naturhistorischen Museums Wien.

Zwtl.: Erinnerungsorte virtuell besuchen

Ein Beispiel ist der Schotterbrecher im ehemaligen KZ Gusen, der
von der Wiener Initiative kulturgut digital hochpräzise dokumentiert
wurde. 3D-Laserscans, Photogrammetrie und Gaussian Splatting
ermöglichen eine fotorealistische digitale Darstellung des
historischen Ortes und schaffen zugleich eine Grundlage für Forschung
sowie künftige Erhaltungsmaßnahmen. Fehlende Teile der Anlage wurden
auf Basis von Archivmaterialien und Bauforschung rekonstruiert. Das
digitale Modell macht damit Wissen über einen Ort zugänglich, dessen
Geschichte von NS-Zwangsarbeit und Gewalt geprägt ist.

Zwtl.: Subkulturelles Erbe sichtbar machen

Das Team um den Künstler und Forscher Alexis Dworsky (
Kunstuniversität Linz) zeigt mit seinen Beiträgen, dass sich
kulturelles Erbe auch an jenen Orten verbirgt, die auf den ersten
Blick möglicherweise nicht als bedeutsam wahrgenommen werden. Der DIY
-Skatepark Sankt Marx in Wien wurde kurz vor seinem Abriss als
hochauflösendes 3D-Modell erfasst. Mehrere tausend Fotografien wurden
mittels Photogrammetrie zu einem georeferenzierten digitalen Abbild
des Areals verarbeitet. Heute lässt sich der verschwundene Ort
virtuell erkunden – inklusive seiner Bowls, Rampen, Graffiti und
Spuren kollektiver Aneignung. Bewahrt wird damit nicht nur gebaute
Substanz, sondern auch ein Stück urbaner Alltags-, Protest- und
Kulturgeschichte.

Zwtl.: Mit Drohnen gegen das Vergessen

Am Goldbergkees in den Hohen Tauern wird die Dringlichkeit
digitaler Dokumentation besonders deutlich: Das Team der
Kunstuniversität Linz erfasste den Gletscher im Rahmen des
künstlerischen FWF-Forschungsprojekts “Beyond Glaciation” mit mehr
als 20.000 Drohnenaufnahmen. Das daraus entstandene 3D-Modell ist
eine digitale Momentaufnahme eines Lebensraums, der sich infolge des
Klimawandels in rasantem Tempo verändert. Der Gletscher wird dabei
nicht allein als Naturraum verstanden. Seine Verbindung mit
Bergbaugeschichte, Wissenschaft, Tourismus, Mythen und künstlerischer
Auseinandersetzung macht ihn auch zu einem kulturellen
Erinnerungsraum.

Zwtl.: Kulturpool fördert Datenkompetenz

Die Beiträge von kulturgut digital und der Kunstuniversität Linz
stehen exemplarisch für das Ziel der europäischen Kampagne “Twin
it!”: Mit 3D-Technologien sollen Kulturgüter digital gesichert,
erforscht und für kommende Generationen zugänglich gemacht werden.
Digitale Zwillinge ersetzen nicht die realen Orte und Objekte.
Allerdings eröffnen sie eine zusätzliche Ebene des Erinnerns,
Forschens und Vermittelns – besonders dort, wo physische
Veränderungen, Abriss, Verfall oder klimatische Veränderungen nicht
aufzuhalten sind. Durch die Einbindung in das Kulturpool-Suchportal
werden die Digitalisate zentral auffindbar und mit europäischen
Kulturerbe-Daten verknüpft. Wie Daten verknüpft und angereichert
werden, kann in Webinaren und Workshops des Kulturpool-
Kompetenzzentrums gelernt werden.

Damit wird eine zentrale Botschaft des Kulturpools deutlich:
Digitalisierung ist mehr als eine technische Methode zur
Dokumentation. Sie schafft Zugang zu Wissen, eröffnet neue
Perspektiven und macht kulturelle Zusammenhänge sichtbar.

Zwtl.: Der Kulturpool in Zahlen

Auf kulturpool.at sind aktuell 2.546.885 Objekte – von der
Urgeschichte bis heute – online verfügbar. Davon sind knapp 3.000 im
3D-Format zugänglich. Mehr als 200 Partnerinstitutionen
österreichweit sind aktuell am Kulturpool angebunden. Etwa eine
Million Digitalisate ist unter offenen Lizenzen wie Public Domain,
CC0 und CC BY verfügbar und kann weitergenutzt werden. (Stand:
September 2026)

Weitere Informationen

– Twin it! 3D for Europe’s Culture | Shaping Europe’s digital future

– Kulturpool: Digitale Momentaufnahme eines Gletschers

– Kulturpool: Skaten zwischen Bowls, Beton und Bytes

– Kulturpool: Der Schotterbrecher im ehemaligen KZ Gusen

– Entdecken Sie 3D-Objekte im Kulturpool

– Häufig gestellte Fragen zum Kulturpool: FAQ

Pressebilder finden Sie hier .

Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie unter http://bild.ots.at