Wien (OTS) – In Österreich sind rund 500.000 Menschen von einer der
etwa 8.000
seltenen Erkrankungen betroffen. Diese oft genetisch bedingten und
lebensbedrohlichen Krankheiten stellen für die Patienten und ihre
Angehörigen eine enorme Belastung dar. Obwohl die pharmazeutische
Forschung erhebliche Fortschritte bei der Entwicklung spezifischer
Therapien, sogenannter Orphan Drugs, erzielt, bestehen in Österreich
weiterhin erhebliche Hürden beim Zugang zu diesen Innovationen. Der
freiheitliche Gesundheitssprecher und Vorsitzende des
parlamentarischen Gesundheitsausschusses NAbg. Mag. Gerhard Kaniak
wies heute auf die dringende Notwendigkeit hin, die Prozesse nach der
Zulassung von Medikamenten zu optimieren.
„Für Patienten mit seltenen, oft fortschreitenden Erkrankungen
ist Zeit ein kritischer Faktor. Es ist daher ein unhaltbarer Zustand,
dass nach einer positiven Bewertung und Zulassung durch die
Europäische Arzneimittelagentur (EMA) oft monatelange Verzögerungen
im nationalen Erstattungsprozess folgen. Diese Lücke zwischen
Zulassung und tatsächlicher Verfügbarkeit der Therapie für den
Patienten muss dringend geschlossen werden“, erklärte Kaniak. Der
hohe medizinische Bedarf und der oft große Leidensdruck der
Betroffenen erforderten ein effizienteres System. „Die
pharmazeutische Industrie investiert unter hohem Risiko erhebliche
Mittel in die Forschung und Entwicklung von sogenannten ‚Orphan
Drugs‘. Wenn diese Anstrengungen zu einer zugelassenen Therapie
führen, müssen die heimischen Sozialversicherungsträger in der Lage
sein, rasch und sachgerecht über deren Aufnahme in den
Erstattungskodex zu entscheiden.“
Besonders im pädiatrischen Bereich sei die Situation dramatisch,
da mehr als die Hälfte der seltenen Erkrankungen Kinder betreffe und
30 Prozent der betroffenen Kinder das fünfte Lebensjahr nicht
erreichen. „Ein System, das innovative und zugelassene
Behandlungsoptionen durch langwierige administrative Verfahren
verzögert, wird seiner Verantwortung gegenüber den schwächsten
Mitgliedern der Gesellschaft nicht gerecht. Hier geht es nicht um
parteipolitische Auseinandersetzungen, sondern um eine
gesundheitspolitische und ethische Notwendigkeit“, so der FPÖ-
Gesundheitssprecher.
Kaniak forderte daher eine strukturelle Reform der
Erstattungsverfahren für Arzneimittel gegen seltene Erkrankungen:
„Wir benötigen einen klar definierten und beschleunigten Prozess –
einen ‚Fast Track‘ – für zugelassene ‚Orphan Drugs‘. Ziel muss es
sein, die Zeitspanne zwischen der zentralen EU-Zulassung und dem
tatsächlichen Zugang für Patienten in Österreich auf ein Minimum zu
reduzieren. Es ist an der Zeit, dass die Politik die
Rahmenbedingungen schafft, damit medizinischer Fortschritt auch
tatsächlich und ohne unnötige Verzögerung bei den Menschen ankommt,
die ihn am dringendsten benötigen. Auch in diesem Bereich wurde von
den letzten zwei Bundesregierungen unter ÖVP-Führung vieles im Argen
und fahrlässig liegen gelassen. Auch das veraltete System der
Chefärzte, die oft unterschiedlich und nach Gutdünken entscheiden,
ist grundsätzlich zu hinterfragen und neu aufzusetzen.“