IV zu EIS 2026: Gutes Mittelmaß darf nicht Österreichs Anspruch sein

Wien (OTS) – „Österreich zählt weiterhin zu den innovationsstarken
Standorten
Europas. Das European Innovation Scoreboard 2026 zeigt aber auch
deutlich: Der Abstand zur europäischen Spitze droht zum Dauerzustand
zu werden. Wir stecken mit Platz 8 im Mittelfeld fest. Wer aber
Innovation Leader werden will, muss dynamischer sein als die
Konkurrenz und an Geschwindigkeit zulegen“, betont Christoph
Neumayer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV),
anlässlich der Veröffentlichung des European Innovation Scoreboards (
EIS) 2026.

Österreich weiterhin im oberen Mittelfeld, Geschwindigkeit und
Dynamik fehlen

An der Spitze des europäischen Innovationsrankings liegen erneut
Schweden, Dänemark und die Niederlande. Österreich belegt auch im
diesjährigen Ranking Rang 8 der EU-Mitgliedsstaaten. Seine Stärken
sind bekannt und werden auch heuer wieder beim intellektuellen
Kapital, den F&E-Kooperationen und -ausgaben ausgewiesen, während
Schwächen beispielsweise in unzureichend umgesetzter Digitalisierung
und der mangelnden Verfügbarkeit von Venture Capital liegen.
Österreich zählt damit seit Jahren zu den Strong Innovators, für den
Sprung in die Spitzenliga fehlte aber die notwendige Dynamik. Dass
aber selbst das Halten einer starken Position kein Selbstläufer ist,
zeigt Finnland, das erstmals nicht mehr zur Gruppe der Innovation
Leader zählt. „Es ist ein bisschen wie im Fußball: Wer an die Spitze
will, darf nicht nur auf Ergebnisverwaltung spielen. Champions
entstehen durch Geschwindigkeit und Angriff, nicht in der Defensive“,
so Neumayer.

Wettbewerb endet nicht an den EU-Grenzen

Dabei verschärft sich der Wettbewerb auch weit über die Grenzen
der Europäischen Union hinaus. Die Schweiz bleibt der innovativste
Standort Europas. Global führt Südkorea das Ranking der wichtigsten
Mitbewerber an und hat erst jüngst seine Pläne für den Ausbau des
Halbleitersektors kommuniziert. Gleichzeitig setzt China seinen
dynamischen Aufstieg fort und hat erstmals Kanada überholt.

„Für Österreichs Industrie endet der Wettbewerb nicht an den EU-
Grenzen. Unsere Unternehmen messen sich täglich mit den besten
Standorten der Welt. Unsere Konkurrenz sitzt nicht nur in Stockholm
oder Kopenhagen, sondern ebenso in Seoul, Shanghai oder im Silicon
Valley“, so der IV-Generalsekretär. „Wohlstand, Demokratie und
persönliche Freiheit sind auch in Europa kein Naturgesetz. Sie
beruhen auf Wettbewerbsfähigkeit, technologischer Stärke und
Innovationskraft. Wer morgen souverän sein will, muss heute in
Forschung, Technologie und Innovation investieren“, sagt Neumayer.

Mit Innovationsökosystemen die Weichen für die Topliga stellen

Österreich verfügt über innovative Industrieunternehmen, starke
industrielle Wertschöpfungsketten und hervorragende
Forschungsinstitutionen. Entscheidend ist nun, diese Stärken
konsequent in neue Technologien, marktfähige Innovationen sowie mehr
Dynamik und Wachstum zu übersetzen. „Wir begrüßen die
Industriestrategie 2035, in deren Zentrum die Forcierung von
Forschung, Technologie und Innovation und die Stärkung von
Schlüsseltechnologien stehen. Die Industriestrategie ist noch zu
jung, um sich schon jetzt im EIS niederzuschlagen. Aber je zügiger
wir sie umsetzen, desto schneller werden wir die Wirkung in
internationalen Rankings sehen“, sagt Neumayer. Neben dem Fokus auf
Schlüsseltechnologien, müssen künftig auch themenoffene Zugänge
gestärkt werden, wofür die Basisprogramme ganz besonders entscheidend
sind.

„Gelingt es uns, unsere Hochschulen weiter zu profilieren und mit
Forschungsexzellenz international sichtbar und durch konsequenten
Wissenstransfer noch stärker zu strategischen Partnern in
Schlüsseltechnologien für Technologieunternehmen weiterzuentwickeln,
dann könnte sich daraus ein dynamisches Schwungrad ergeben. Ein
Setting, das in Österreich Innovationsökosysteme von Weltrang
entstehen lässt“, so der IV-Generalsekretär, der auf die große
Erwartungshaltung der Industrie bei der Hochschulstrategie 2040 und
den bereits angekündigten „Wissenschaftsregionen“ verwies.

Österreich ist gefordert, künftig aber auch mehr neue
Technologieführer hervorzubringen. Aktuell zeigt der Standort aber
noch deutliche Schwächen bei privatem Wachstumskapital, wie auch das
diesjährige Innovations-Scoreboard neuerlich unterstreicht. „Wir
freuen uns natürlich über die positiven Signale der letzten Wochen.
Jedoch müssen wir die Entwicklung des Venture Capital Markts
verstetigen – es darf nicht bei Einmalerfolgen bleiben. Daher müssen
wir die rasche operative Umsetzung des angekündigten „Startup & Scale
-up Dachfonds“ forcieren, damit unsere heimischen Deep Tech
Unternehmen ein Finanzierungsumfeld nach internationalen Standards
vorfinden“, betont Neumayer die große Dringlichkeit bei der Stärkung
des Risikokapitalmarkts.

Auch auf europäischer Ebene müssten jetzt die richtigen Weichen
gestellt werden. Dazu gehören ambitionierte Budgets für den EU-Fonds
für Wettbewerbsfähigkeit (ECF) und das nächste
Forschungsrahmenprogramm (Horizon Europe) inklusive einer deutlichen
Stärkung der kollaborativen Forschung der zweiten Säule. Und nicht
zuletzt muss der Fonds Zukunft Österreich (FZÖ) entsprechend dotiert
werden, um seine Rolle als Ermöglicher systemischer Initiativen und
von Ko-Finanzierung Europäischer Programme erfüllen zu können.

„Innovation und Fußball haben einiges gemeinsam: Teamgeist,
Leidenschaft und den Willen zu gewinnen. Der Unterschied ist unser
Anspruch. Im Fußball würden wir uns schon über einen Platz im oberen
Mittelfeld freuen. Beim Innovationsstandort Österreich darf das nicht
reichen. Unser Ziel muss ein internationaler Spitzenplatz sein. Denn
nur Innovation sichert den Wohlstand von morgen“, schließt Neumayer.