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Öffentliche Beschaffung: Milliardenhebel auch für Tierwohl in der heimischen Landwirtschaft nutzen

Wien/Vösendorf (OTS) – Rund 67 Milliarden Euro gibt die öffentliche
Hand in Österreich jedes
Jahr für Waren und Dienstleistungen aus. Anlässlich der heutigen
Pressekonferenz von Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer und
WIFO-Ökonom Klaus Friesenbichler zur Industriestrategie 2035 fordert
der Wiener Tierschutzverein/Tierschutz Austria, diesen Hebel auch bei
Lebensmitteln konsequent zu nutzen. Denn was in Krankenhäusern,
Kasernen, Pflegeeinrichtungen oder Ministerien auf den Teller kommt,
entscheidet mit darüber, welche Landwirtschaft mit öffentlichem Geld
gestärkt wird.

„ Der Minister hat selbst betont, dass öffentliche Beschaffung
darüber mitentscheidet, welche Umweltauswirkungen wir in Kauf nehmen.
Trotzdem entscheidet bei rund 70 Prozent der Vergaben vor allem der
billigste Preis. Folgekosten für Umwelt, Klima oder Tierwohl bleiben
dabei zu oft außen vor “, sagt Madeleine Petrovic, Präsidentin des
Wiener Tierschutzvereins/Tierschutz Austria.

Zwtl.: 30 Prozent Bio versprochen – Realität bleibt weit zurück

Der Aktionsplan für nachhaltige öffentliche Beschaffung (naBe)
sieht seit 2025 mindestens 30 Prozent Bio-Lebensmittel, bis 2030 55
Prozent, sowie höhere Tierwohlstandards und Herkunftskennzeichnung
vor. Doch zwischen Anspruch und Praxis klafft eine Lücke: Laut
parlamentarischen Anfragen kam das Verteidigungsministerium zuletzt
auf 4 Prozent Bio, das Innenministerium auf 12,11 Prozent. Andere
Ressorts konnten ihren Bio-Anteil nicht einmal beziffern.

„ Die Bundesregierung beschreibt öffentliche Beschaffung als
großen Hebel für den Wirtschaftsstandort, bei den eigenen Bio- und
Nachhaltigkeitszielen funktioniert dieser Hebel aber seit Jahren
nicht. Wer keine Industrie fördern will, die möglichst billig und
schmutzig produziert, muss denselben Maßstab auch bei Lebensmitteln
anlegen “, kritisiert Petrovic.

Zwtl.: Nicht erst handeln, wenn die nächste Dürre da ist

“ Um die Schäden der heurigen Extrem-Dürre und Hitze abzufedern,
werden Hunderte Millionen Euro Nothilfe ausgezahlt. Doch solche
Extremwetter werden durch die Klima- und Biodiversitätskrise immer
wahrscheinlicher. Gleichzeitig wartet die Bio-Landwirtschaft seit
Jahren auf die Umsetzung der versprochenen Beschaffungsziele „, so
Petrovic.

Der Wiener Tierschutzverein/Tierschutz Austria fordert daher, die
naBe-Kriterien konsequent in der öffentlichen Lebensmittelbeschaffung
umzusetzen und ihre Einhaltung transparent zu kontrollieren.

„ Biobetriebe schützen Böden, Wasser und Biodiversität und
leisten einen wichtigen Beitrag zum Tierwohl und Klimaschutz. Dafür
brauchen sie verlässliche Absatzmärkte – und genau die muss die
öffentliche Hand schaffen “, so Petrovic abshließend.