Wien (OTS) – Mit deutlicher Kritik reagiert die Vorsitzende der ÖGB-
Pensionist:innen, Monika Kemperle, auf den Vorstoß von Ingrid
Korosec, eine abschlagsfreie Pension künftig erst nach 40
Beitragsjahren zu ermöglichen. Laut Korosec sollen nur noch Personen
mit 480 Beitragsmonaten Anspruch auf die volle Pension haben.
„Wer 40 Beitragsjahre zur Voraussetzung für eine abschlagsfreie
Pension macht, schließt vor allem Frauen von dieser Möglichkeit aus“,
warnt Kemperle.
Durchschnittliche Frau würde 40 Jahre gar nicht erreichen
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Frauen, die 2025 regulär
in Pension gegangen sind, kamen laut Daten der
Pensionsversicherungsanstalt durchschnittlich auf 450
Versicherungsmonate. Frühpensionen wegen Invalidität oder
Berufsunfähigkeit sind dabei bereits herausgerechnet.
„Nach dem Korosec-Modell hätte praktisch keine dieser Frauen
Anspruch auf eine abschlagsfreie Pension gehabt. Das zeigt, wie
realitätsfern dieser Vorschlag ist“, so Kemperle.
Nicht Menschen gegeneinander ausspielen
Der ÖGB lehnt es ab, Menschen mit unterschiedlichen Bildungs- und
Berufswegen gegeneinander auszuspielen.
„Wer studiert, steigt oft später ins Berufsleben ein, zahlt aber
häufig aufgrund höherer Einkommen auch höhere Beiträge ins System
ein. Österreich braucht Fachkräfte und gute Bildung. Es wäre der
falsche Weg, Aus- und Weiterbildung indirekt zu bestrafen“, erklärt
Kemperle.
Erwerbsbiografien sind unterschiedlich
Nicht alle Menschen können 40 Jahre durchgehend Beiträge leisten.
Kindererziehung, Pflege von Angehörigen, Krankheit oder
Arbeitslosigkeit führen oft zu Unterbrechungen.
„Gerade Frauen leisten nach wie vor einen Großteil der
unbezahlten Betreuungs- und Pflegearbeit. Wer 40 Beitragsjahre
fordert, ignoriert diese Realität“, kritisiert Kemperle.
Gute Arbeit statt neuer Pensionshürden
Statt neue Hürden für eine abschlagsfreie Pension zu schaffen,
brauche es bessere Bedingungen am Arbeitsmarkt.
„Wer längeres Arbeiten fordert, muss zuerst für alters- und
alternsgerechte Arbeitsplätze, Weiterbildung, Gesundheitsvorsorge und
einen konsequenten Kampf gegen Altersdiskriminierung sorgen. Die
Antwort auf die Herausforderungen im Pensionssystem sind bessere
Arbeitsbedingungen und Jobchancen für Ältere, nicht neue
Verschlechterungen für die Beschäftigten“, so Kemperle abschließend.
Der ÖGB fordert:
– Keine Anhebung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters
– Mehr Chancen für Frauen 50+ am Arbeitsmarkt
– Mehr alters- und alternsgerechte Arbeitsplätze
– Stärkung des öffentlichen Pensionssystems
– Bonus-Malus-System für die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer:innen
– Vermögensbezogene Steuern statt Belastungen für Arbeitnehmer:innen
und Pensionist:innen
Über uns:
Der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) vertritt rund 1,2
Millionen Arbeitnehmer:innen in Österreich. Gemeinsam mit seinen
sieben Gewerkschaften setzt sich der ÖGB als überparteiliche
Interessenvertretung für gute Arbeitsbedingungen, faire Löhne und
Gehälter sowie soziale Gerechtigkeit ein.
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