Salzburg/Wien (OTS) – „Technokratische Kälte gepaart mit
zentralistischer Ignoranz und
einem zynischen Desinteresse an den Existenzgrundlagen hunderter
bäuerlicher Familien“, mit diesen scharfen Worten beschreibt
Salzburgs LH-Stellvertreterin und Jagdreferentin Marlene Svazek die
Pläne der Europäischen Union, über 3.000 heimische Sika-Hirsche bis
2027 vollständig ausrotten zu lassen. Hintergrund ist die
Entscheidung der EU-Kommission, diese seit der Kaiserzeit in
Österreich lebende Gattung per Verordnung als „bioinvasive Art“
einzustufen und dadurch deren Haltung, Züchtung, Transport und
Einfuhr europaweit zu verbieten – mit der Argumentation, dass die
Sika angeblich eine Gefahr für das Rotwild darstellen würden.
Diese vermeintliche Begründung will Svazek nicht akzeptieren:
„Auf eine derartig an den Haaren herbeigezogene Begründung kann nur
jemand kommen, der sein ganzes Leben in abgeschirmten Brüsseler
Glaspalästen verbracht hat und bäuerliche und jagdliche Realitäten
bestenfalls als Folklore belächelt. Fakt ist nämlich, dass das Sika-
Wild in Österreich so gut wie ausschließlich in umzäunten und streng
kontrollierten Gehegen gehalten werden, wodurch das angebliche Risiko
einer Hybridisierung mit dem Rotwild in der Praxis bei Null liegt.
Aber anstatt den Subsidiaritätsgedanken nicht nur in Sonntagsreden zu
predigen und auf regionale Gegebenheiten Bedacht zu nehmen, will die
Kommission offenbar einmal mehr aus Prinzip mit der Brechstange
vorgehen, um dadurch ihr Fantasiekonstrukt eines europäischen
Zentralstaates zu festigen.“
Es gehe bei dieser Thematik auch nicht um einen jagdinternen
Fachdisput, sondern für rund 250 landwirtschaftliche Betriebe, die
sich auf die Gatterhaltung von Sika-Wild spezialisiert haben und
dadurch hochwertige regionale Lebensmittel für die Gastronomie
produzieren, um das nackte Überleben: „Unsere Farmwildhalter arbeiten
nachhaltig und mit Rücksicht auf die heimische Natur, und dennoch
werden sie von wildgewordenen EU-Bürokraten in ihrem bizarren
Blutrausch mit dieser Verordnung vorsätzlich unters Fallbeil
geworfen. Und während sie auf diese Weise mit Anlauf die gewachsenen
Lebensgrundlagen bäuerlicher Familien zerstören, fordern sie in den
Verhandlungen zum EU-Haushalt wie zum Hohn weitere Privilegien für
sich selbst, nämlich eine Aufstockung der EU-Verwaltung um 2.500 neue
Beamte und zusätzliche Pensionsausgaben von einer Milliarde Euro“,
übt Svazek heftige Kritik.
Solidarisch zeigt sich Svazek indessen mit der Österreichischen
Wildtierstiftung sowie dem Dachverband Jagd Österreich, die sich
gemeinsam mit mehreren Landesjägermeistern klar gegen die Verordnung
ausgesprochen haben. „Dieses gesamte Machwerk, das nichts anderes als
einen Schlag ins Gesicht der heimischen Landwirtschaft darstellt,
gehört eigentlich ersatzlos gekübelt. Wenn das nicht möglich ist,
muss zumindest eine Ausnahme für die betroffenen Betriebe erwirkt
werden. Darauf mit aller Kraft hinzuarbeiten, wäre eigentlich die
ureigenste Aufgabe von Landwirtschaftsminister Totschnig – für
leisetreterisches Buckeln vor Brüssel ist aktuell die denkbar
schlechteste Zeit“, schließt Svazek.