Wien (OTS) – Liberalisierung des Strommarktes stärkte Wahlfreiheit,
Service und
Versorgungssicherheit. Haushalte zahlen dadurch heute rund 16 Prozent
weniger für Strom.
Seit 1. Oktober 2001 können Stromkundinnen und Stromkunden in
Österreich ihren Lieferanten frei wählen. Eine neue Studie der
Österreichischen Energieagentur (AEA) im Auftrag von Oesterreichs
Energie zieht nach 25 Jahren Bilanz. Das Ergebnis ist klar: Die
Liberalisierung des Strommarktes hat private Haushalte und
Unternehmen messbar entlastet, die Wahlfreiheit erhöht und den
Wettbewerb um Service und Angebote gestärkt.
Kunden sparten sich 15 Mrd. Euro
So profitierten die österreichischen Haushalte über den gesamten
Betrachtungszeitraum von 16,3 % günstigeren durchschnittlichen
Strompreisen gegenüber einem ökonomisch modellierten fiktiven
Szenario, in dem es zu keiner Öffnung der Strommärkte kam.
„In Summe ergibt unsere Modellierung von 2001 bis 2025 eine
kumulierte Entlastung von mehr als 15 Milliarden Euro – davon 12,7
Milliarden Euro für Haushalte und 2,5 Milliarden Euro für Nicht-
Haushalte“, sagt Franz Angerer, Geschäftsführer der Österreichischen
Energieagentur. „Diese Ergebnisse belegen, dass Wettbewerb nicht nur
Wahlmöglichkeiten schafft, sondern den Haushalten, den Unternehmen
und dem Standort Österreich einen konkreten wirtschaftlichen Nutzen
bringt.“
Wahlfreiheit, Transparenz und neue Angebote
Vor der Liberalisierung des Strommarktes waren Erzeugung, Netz und
Vertrieb in regionalen Monopolen gebündelt. Mit der Marktöffnung
wurden die Bereiche Erzeugung und Vertrieb dem Wettbewerb geöffnet,
während die Netze weiterhin streng regulierte Monopole blieben.
Kundinnen und Kunden erhielten damit erstmals die Möglichkeit, ihren
Stromlieferanten frei zu wählen und Angebote miteinander zu
vergleichen.
„Mit der Marktöffnung konnten Stromkundinnen und -kunden erstmals
Stromtarife vergleichen und ihren Lieferanten wechseln. Aktuell
können sie aus rund 150 Stromlieferanten wählen, von denen 50 ihre
Tarife österreichweit anbieten“, sagt Barbara Schmidt,
Generalsekretärin von Oesterreichs Energie.
Wettbewerb stärkt Versorgungssicherheit und Transformation
Abseits der Endkundenmärkte zeigt die Studie deutliche positive
volkswirtschaftliche Effekte: Niedrigere Strompreise, mehr Konsum,
steigende Realeinkommen, Investitionen und Exporte. Für die Jahre
2001 bis 2022 weist die Modellierung im Durchschnitt ein um 0,11
Prozent höheres reales BIP (Bruttoinlandsprodukt) und rund 2.700
zusätzliche Beschäftigte pro Jahr gegenüber dem Vergleichsszenario
ohne Liberalisierung aus.
„Die Strommarktliberalisierung hat ihre Bewährungsprobe
bestanden. Während der Energiekrise hat der offene, europäisch
vernetzte Markt einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit
geleistet und uns vor Ausfällen bewahrt“, so Angerer. „Zugleich hat
der freie Strommarkt wichtige Investitionen in erneuerbare Erzeugung
ermöglicht. Diese Grundlage gilt es nun mit dem zügigen Ausbau von
Erzeugung, Netzen und Speichern entschlossen weiterzuentwickeln.“
Handlungsfelder für die nächste Etappe
„Diese Analyse zeigt nicht nur die preisdämpfende Wirkung der
Marktöffnung, sondern auch, dass Wettbewerb kein Selbstzweck ist. Er
schafft Wahlfreiheit, hält Anbieter in Bewegung und hat Kundinnen und
Kunden entlastet“, sagt Michael Baminger, Präsident von Oesterreichs
Energie. „Jetzt geht es um die nächste Etappe: Markt, Netze,
Erzeugung, Speicher und Flexibilität müssen als Gesamtsystem
funktionieren. Dafür brauchen wir Tempo, klare Spielregeln und
Investitionssicherheit.“
„Gleichzeitig muss das Energiesystem widerstandsfähiger und
flexibler werden. Speicher, Digitalisierung und intelligente
Steuerung bieten dafür wichtige Möglichkeiten. Neben Offenheit für
neue Technologien braucht es ausreichend gesicherte Kapazitäten und
eine europäische Strategie für die Gasversorgung. Nur so lassen sich
Leistbarkeit, Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit
gemeinsam sichern“, so Baminger.
EVN bringt die Perspektive aus der Praxis ein
Wie sich die Marktöffnung im Alltag der Kundinnen und Kunden
auswirkt, ordnet EVN Vorstandssprecher Stefan Szyszkowitz aus Sicht
eines Energieunternehmens ein. Im Mittelpunkt stehen die freie
Lieferantenwahl, die Vergleichbarkeit von Angeboten, digitale
Services und der Anspruch, Versorgungssicherheit und Kundennähe
dauerhaft zu verbinden.
„Erneuerbare Energie ist dann besonders wertvoll, wenn sie auch
zum richtigen Zeitpunkt genutzt wird. Genau hier schaffen heute
Digitalisierung und innovative Tarife einen echten Mehrwert für
unsere Kundinnen und Kunden“, so Szyszkowitz.
Blick nach vorn beim Oesterreichs Energie Kongress
Wie das Stromsystem der Zukunft weiterentwickelt werden kann, steht
auch im Mittelpunkt des Oesterreichs Energie Kongresses am 16. und
17. September 2026 in der Wiener Hofburg. Unter dem Motto „Zukunft
unter Strom“ diskutieren Vertreterinnen und Vertreter aus
Energiewirtschaft, Politik, Wissenschaft und Wirtschaft auf Einladung
von Oesterreichs Energie und EVN die nächsten Schritte für ein
sicheres, sauberes und leistbares Energiesystem.
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