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Neue iföw-Studie belegt: Bau- und Immobilienbranche wird als Wirtschaftsmotor für den Standort Österreich stark unterschätzt

Wien (OTS) – – Jeder fünfte Euro in Österreich wird im Zusammenspiel
mit der Bau-
und Immobilienbranche erwirtschaftet: 84,8 Mrd. Euro bzw. rund 20 %
der heimischen Wirtschaftsleistung waren 2023 direkt oder indirekt
mit der Branche verbunden; Umsätze der Bauwirtschaft lagen 2023 bei
154,3 Mrd. Euro und damit doppelt so hoch wie bislang offiziell
erfasst.

– Starker Beschäftigungsmotor: Rund 1,1 Mio. Arbeitsplätze in
Österreich hängen im Untersuchungszeitraum unmittelbar oder mittelbar
an der Bau- und Immobilienwirtschaft; mit enormer Bedeutung für die
Regionen.

– Erstmals vollständiges Bild der Leistungen der Bau- und
Immobilienwirtschaft: Die Studie bildet mit der von Eurostat für
Querschnittsmaterien empfohlenen Satellitenkonto-Methode erstmals das
gesamte Wertschöpfungsnetzwerk aus 30 Sektoren ab und schafft einen
neuen Referenzrahmen für standortpolitische Maßnahmen.

Die Bau- und Immobilienbranche trägt die heimische Wirtschaft.
Das bestätigt eine neue Studie des Instituts für Österreichs
Wirtschaft (iföw) im Auftrag von Pro Bauen und Sanieren, einer
Initiative der WKO Fachgruppe Wien der Immobilien- und
Vermögenstreuhänder, des Forschungsverbands der österreichischen
Baustoffindustrie (FBI) sowie des Verbands der Baustoffhändler
Österreichs (VBÖ). Direkt erwirtschaftet die Branche 52,1 Milliarden
Euro Wertschöpfung. Kombiniert mit Zuliefer-, Verflechtungs- und
Konsumeffekten steigt die Gesamtwirkung auf 84,8 Milliarden Euro.
Damit hängen rund 20 Prozent der österreichischen Wirtschaftsleistung
unmittelbar oder mittelbar von der Bau- und Immobilienwirtschaft ab;
also jeder fünfte Euro. Der unmittelbare Beitrag mit 52,1 Milliarden
Euro ist damit rund doppelt, unter Berücksichtigung sämtlicher
Effekte sogar dreifach so hoch wie in bisherigen Statistiken
ausgewiesen.

„ Erstmals erfasst eine Studie in Österreich die Bauwirtschaft
mithilfe der von Eurostat empfohlenen Methode des Satellitenkontos
und betrachtet damit alle baurelevanten Sektoren. Damit sind nicht
nur Hoch-, Tiefbau und Baunebengewerbe umfasst, sondern noch eine
Vielzahl weiterer Branchen wie beispielsweise Baustoffe, Maschinen,
Architektur, Handel, Ausbildung oder die öffentliche Hand. Die
Bauwirtschaft generiert beeindruckende 12 Prozent der Wertschöpfung
in Österreich, unter Einbeziehung mittelbarer Effekte sind es sogar
rund 20 Prozent. Als Wirtschaftsmotor und in der amtlichen Statistik
wird die Branche demnach systematisch unterschätzt “, erklärt die
Wirtschaftsforscherin und iföw-Studienautorin Dr. in Anna Kleissner .

Zwtl.: Jobmotor und Stabilitätsanker für Wohlstand in Österreich

Eine leistungsfähige Bauwirtschaft ist zentral für die
Wirtschaftsleistung, ein wichtiger Stabilitätsfaktor am Arbeitsmarkt
und somit wesentlich für die Sicherung des Wohlstands: Rund 624.000
Beschäftigte, knapp jede:r siebte Erwerbstätige in Österreich,
arbeiteten im Referenzjahr 2023 unmittelbar in der Branche. Unter
Einbeziehung der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette sind
sogar knapp 1,1 Millionen Arbeitsplätze mit der Bauwirtschaft
verbunden. Zudem generiert der Sektor rund 27 Milliarden an Steuern
und Abgaben für die Finanzierung des Gemeinwesens. Getragen wird die
Branche vor allem von kleinen und mittelständischen Betrieben, die in
den Regionen Arbeitsplätze sichern und regionale
Wirtschaftskreisläufe stärken.

„ Besonders der Wohnbau verdeutlicht die vielen Leistungen der
Branche. Er sichert österreichweit unmittelbar über 40.000
Arbeitsplätze, stärkt heimische Betriebe und schafft dringend
benötigten, leistbaren und qualitativ hochwertigen Wohnraum.
Gleichzeitig steht der Sektor stark unter Druck. Von 12.600 für 2026
geplanten Wohneinheiten werden in Wien laut Prognose nur 9.600
fertiggestellt – nach meiner Einschätzung sogar höchstens 8.000.
Damit fehlt mindestens jede vierte geplante Wohnung auf einem ohnehin
angespannten Markt, im ungünstigen Fall sogar mehr als jede dritte.
Nur verlässliche gesetzliche Rahmenbedingungen (Mietrecht),
ausreichende Finanzierungen mit erfüllbaren Konditionen und
Planungssicherheit können das bestehende Ungleichgewicht beheben “,
berichtet KommRat Michael Pisecky , Fachgruppenobmann Immobilien –
und Vermögenstreuhänder der Wirtschaftskammer Wien.

Zwtl.: Investitionen schaffen Mehrwert – Stillstand kostet

Zinswende, steigende Kosten, regulatorische Hürden und fehlende
Planungssicherheit bremsen die heimische Bau- und
Immobilienwirtschaft. Von 2022 bis 2025 schrumpfte der Bau vier Jahre
in Folge, 2024 mit -5,9 Prozent besonders deutlich. Eine Trendwende
bringt auch das laufende Jahr nicht: Das WIFO korrigierte seine
Erwartung für 2026 im Juni von +0,1 auf -0,2 Prozent. Erst 2027
sollen die Bauinvestitionen wieder wachsen, prognostiziert sind +1,0
Prozent. Wesentlich hierfür ist die Zurückhaltung der öffentlichen
Hand, die im Zuge der Budgetsanierung zahlreiche Projekte gestoppt
oder verschoben hat. Wie viel volkswirtschaftliches Potenzial
ungenutzt bleibt, zeigt die Studie anhand unterschiedlicher
Entwicklungspfade.

In einem Studienszenario wird etwa berechnet, was geschähe, wenn
sich der Bau von 2022 bis 2027 im Gleichschritt mit der
österreichischen Gesamtwirtschaft entwickelt hätte. Für 2024 etwa
bedeutete das -0,7 statt -5,9 Prozent, für das laufende Jahr +0,9
statt -0,2 Prozent und für 2027 immerhin noch +1,1 statt der
prognostizierten +1,0 Prozent. Über die sechs Jahre gerechnet ergäbe
das 25,3 Milliarden Euro zusätzliche Wertschöpfung im Bau und 60,3
Milliarden Euro in ganz Österreich, wenn man die vor- und
nachgelagerten Branchen mitzählt (Preisbasis 2023). Denn: Bleibt der
Sektor hinter der Gesamtwirtschaft zurück, trifft das nicht nur den
Bau selbst, sondern rund 80 Wirtschaftsbereiche. Bund, Länder,
Gemeinden und Sozialversicherungsträger nähmen um 28,9 Milliarden
Euro mehr ein. Knapp 54.000 Arbeitsplätze im Bau und rund 130.000
österreichweit wären gesichert oder geschaffen worden. Verzögerte und
gestoppte Bau- und Sanierungsprojekte bedeuten weniger Nachfrage in
der Lieferkette, niedrigere öffentliche Einnahmen,
Beschäftigungsverluste und einen späteren Nutzen für Infrastruktur
und Klimaschutz. Investitionen wirken damit weit über die Branche
hinaus, während Stillstand hohe volkswirtschaftliche Kosten
verursacht.

Mag. Georg Bursik , Vorstandsvorsitzender FBI sagt: „ Mit den
richtigen regulatorischen Impulsen lässt sich vorhandenes Wachstums-
und Entwicklungspotenzial der Immobilien- und Bauwirtschaft heben,
was den gesamten Wirtschaftsstandort stärkt. Ein wichtiger Hebel ist
neben dem Neubau und der Nachverdichtung die Sanierung von
Bestandsgebäuden. Die Gebäudesanierung generiert jährlich eine
Bruttowertschöpfung von insgesamt 5,5 Milliarden Euro. Der
Sanierungsbedarf hierzulande ist weiterhin sehr groß, aber fehlende
Planbarkeit und bürokratische Hürden bremsen die Mobilisierung von
privatem Kapital für Investitionen. Was wir unbedingt benötigen, ist
ein Regulierungs- und Fördersystem, das planbar, finanzierbar, sozial
umsetzbar und rechtlich praktikabel ist. Nur so wird aus Potenzial
tatsächliche Wertschöpfung und Wohlstand. Auch bezüglich Gebäude- und
Energieeffizienz ist sinnvoll, die thermische Sanierung immer an den
Beginn der Maßnahmen zu stellen.“

In einem weiteren Szenario betrachtet die Studie die Auswirkungen
einer dringend erforderlichen Verdopplung der Sanierungsrate von 2026
bis 2040 von 1,5 auf 3 Prozent: Aus dieser Steigerung könnte in
Österreich zwischen 2026 und 2040 eine gesamte Bruttowertschöpfung
von rund 124 Milliarden Euro sowie die Sicherung oder Schaffung von
rund 130.500 Arbeitsplätzen resultieren.

Ein drittes Studienszenario widmet sich der Frage, welche
volkswirtschaftlichen Effekte das Schließen der Wohnbaulücke hätte:
Eine Rückkehr auf das Fertigstellungsniveau der Jahre 2021/22 würde
Zusatzinvestitionen von 7,8 Milliarden Euro jährlich erfordern,
woraus eine gesamte zusätzliche Bruttowertschöpfung von 4,6
Milliarden Euro in Österreich entstehen könnte.

„ Kleine und mittelständische Betriebe bilden das Rückgrat der
Bauwirtschaft: Rund 25 Prozent der Beschäftigten arbeiten in
Unternehmen mit weniger als 10 Personen. Die Betriebe sind regional
verankert und schaffen Arbeitsplätze abseits der Ballungszentren.
Gerade sie sind stark von wirtschaftlichen Schwankungen betroffen.
Ein zentraler Partner der regionalen Betriebe ist der Baustoffhandel:
Er steht in enger Wechselwirkung zum Bauhaupt- und -nebengewerbe und
sichert Versorgung sowie stabile Lieferketten. Von einer starken
Bauwirtschaft profitieren so sämtliche Teilsektoren – allein das
Baunebengewerbe erwirtschaftet 14,8 Milliarden Euro direkte
Bruttowertschöpfung “, erklärt Ing. Mag (FH) Andreas Fetter,
Vizepräsident VBÖ.

Mehr Informationen erhalten Sie unter www.probauensanieren.at

Über die Studie
Die iföw-Studie „Die volks- und regionalwirtschaftliche Bedeutung der
Bauwirtschaft in Österreich“ wurde im Auftrag der Initiative PRO
BAUEN & SANIEREN (FBI, VBÖ, WKO Wien) durchgeführt. Die Studie
untersucht die volks- und regionalwirtschaftliche Bedeutung der
Bauwirtschaft mit der Methode eines Satellitenkontos, die auch
Eurostat für vergleichbare Analysen empfiehlt. Analysiert wurden
Daten aus dem Jahr 2023. Die Berechnungen basieren auf einem
Satellitenkonto Bauwirtschaft, das alle baurelevanten Bereiche –
insgesamt 30 Wirtschaftssektoren – zusammenführt und mit einer
multiregionalen Input-Output-Tabelle verknüpft. Mittels Impakt- bzw.
Input-Output-Analyse können sodann nicht nur die unmittelbar in der
Bauwirtschaft entstehenden Effekte (direkte Effekte) erfasst, sondern
auch die Wirkungen in der vorgelagerten Lieferkette (indirekte
Effekte) sowie jene Effekte, die aus dem Konsum und den Investitionen
der direkt und indirekt erzielten Einkommen und Gewinne entstehen (
induzierte Effekte), quantifiziert werden. Alle Studienergebnisse im
Detail erhalten Sie hier: www.probauensanieren.at

Über die Initiative PRO BAUEN & SANIERE N
PRO BAUEN & SANIEREN ist eine Initiative der Fachgruppe Wien der
Immobilien- und Vermögenstreuhänder, des FBI – Forschungsverband der
österreichischen Baustoffindustrie sowie des VBÖ – Verband der
Baustoffhändler Österreichs, die 2013 gegründet wurde. Fokus von PRO
BAUEN & SANIEREN ist es, preiswerten Wohnbau im städtischen und
ländlichen Raum durch eine Verbesserung der politischen, rechtlichen
und steuerlichen Rahmenbedingungen zu ermöglichen. Informationen
unter: http://www.probauensanieren.at/ bzw. https://fbi-
forschungsverband.at/ , https://www.vboe.eu/ ,
https://www.wko.at/wien/information-consulting/immobilien-
vermoegenstreuhaender/start